Mehrere Fälle in Alten- und Pflegeheimen

Infektion trotz Corona-Impfung? Experte klärt auf: „Es gibt zwei Probleme“

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Nach dem Start der Corona-Impfungen in Deutschland kommt es weiter zu Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen. Experten erklären, woran das liegt.

  • Um Bewohner und Personal gegen das Coronavirus zu impfen, besuchen mobile Impfteams Alten- und Pflegeheime in Deutschland.
  • Menschen, die bereits geimpft wurden, haben sich trotzdem mit dem Coronavirus infiziert.
  • Experten erklären, warum nach der ersten Corona-Impfung noch kein sicherer Impfschutz besteht.

München - Sie ist die große Hoffnung vieler Experten im Kampf gegen die Pandemie: die Corona-Impfung. Der Impfstart in Deutschland wurde von viel Kritik begleitet. Man habe zu wenig Impfstoff bestellt, die Verteilung laufe zu langsam, wurde insbesondere Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeworfen. Für Dienstag (12. Januar) kündigte dieser im ZDF-Morgenmagazin die Auslieferung des Moderna-Impfstoffs an, der am vergangenen Mittwoch von der EU-Kommission zugelassen wurde.

Start der Corona-Impfungen: Weitere Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen

Da die Impfstoff-Kapazitäten zu Beginn begrenzt sind, wird in Deutschland priorisiert. Laut der Impfstrategie des Gesundheitsministeriums sollen zunächst unter anderem die Risikogruppen in Alten- und Pflegeheimen geimpft werden. Mobile Impfteams besuchen daher die Einrichtungen, um Bewohner und Personal gegen das Coronavirus zu impfen. Trotzdem kommt es immer noch zu Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen.

Vergangene Woche haben sich in einem Pflegeheim im Landkreis Kronach (Oberfranken) mehrere Personen mit dem Coronavirus infiziert, obwohl sie bereits eine erste Dosis der Impfung erhalten haben. Mehr als 30 Menschen haben sich auch in Altenheimen in Rödinghausen und Warendorf mit dem Coronavirus infiziert - darunter ebenfalls Bewohner, die kurz vorher geimpft worden sind, berichtete der WDR. Wie kann es trotz der Corona-Impfung zu solchen Ausbrüchen kommen?

Infektion trotz Corona-Impfung: Experte erklärt, wie es dazu kommen kann

Dr. Christoph Spinner ist Infektiologe am Klinikum rechts der Isar in München. Im Gespräch mit Focus Online sagte er: „Bei jeder Impfung gibt es zwei Probleme.“ Bei den derzeitigen Hochinzidenzen sei es einerseits möglich, dass jemand bereits vor der Corona-Impfung infiziert war, erklärte Spinner. Es sei daher denkbar, dass die Impfung in diesen Fällen einfach „zu langsam“ war und sich die Erkrankung durchgesetzt hat.

Zudem baue sich der Schutz nach der Corona-Impfung erst langsam auf. „Das heißt, dass in den ersten zehn Tagen nach der Impfung noch kein Schutz besteht“, stellte Spinner klar. Dadurch könne man sich immer noch infizieren. „Man nimmt heute an, dass ungefähr sieben Tage nach der zweiten Impfung ein sicherer Impfschutz besteht“, erklärte der Infektiologe weiter. „Vermutlich besteht der Impfschutz bereits früher – aber eben noch nicht in den ersten zehn Tagen“, so Spinner, der kurz vor dem Jahreswechsel in einem Interview vor der dramatischen Corona-Lage in Münchner Kliniken gewarnt hat.

Infektion trotz Corona-Impfung: Kein sicherer Impfschutz in den ersten zehn Tagen

Die WDR-Wissenschaftsjournalistin Ruth Schulz bestätigte die Aussagen von Spinner. „Nach der Impfung dauert es noch etwa zehn Tage, bis der Impfstoff richtig wirkt und das Immunsystem Antikörper gebildet hat und innerhalb dieser Zeit kann man sich durchaus noch infizieren, das ist nicht ausgeschlossen“, erklärte sie. Das Robert-Koch Institut (RKI) weist darauf hin, dass es daher zwingend erforderlich ist, auch nach der Corona-Impfung die empfohlenen AHA-Regeln einzuhalten.

Eine Covid-19-Erkrankung durch die Corona-Impfung kann laut Dr. Hermann Lorenz ausgeschlossen werden. Er ist Arzt und Koordinator der mobilen Impfteams im Kreis Herford. Gegenüber dem WDR versicherte er: „Da keine Viren geimpft werden, kann man durch diese Impfung auch nicht krank werden, das kann man definitiv ausschließen.“ (ph)

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