Ein Mann erhält in Berlin eine Corona-Impfung
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Stand 26. April wurden in Deutschland etwa 25,4 Millionen Impfungen vollzogen.

knapp ein Viertel erstgeimpft

Weltweiter Corona-Impf-Vergleich: Deutschland über EU-Schnitt - aber deutlich hinter der Spitze

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Die deutsche Impfkampagne schreitet weiter voran. Der weltweite Vergleich zeigt: Die Bundesrepublik könnte besser dastehen - aber eben auch schlechter.

Berlin - Das viel zitierte „Licht am Ende des Tunnels“ rückt scheinbar näher. Führende deutsche Politiker:innen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) hatten die voranschreitende Impfkampagne als solches bezeichnet. Neben Maßnahmen wie einer gesteigerten Anzahl an Selbst- und Schnelltests sei insbesondere das Impfen entscheidend, um die Corona-Pandemie einzudämmen. In der Vergangenheit war in diesem Zusammenhang allerdings nicht alles nach Plan verlaufen, weswegen die deutsche Impfstrategie in der Kritik stand. Wie sieht die Lage momentan aus?

Corona-Impfquote: Knapp ein Viertel in Deutschland hat die Erstimpfung

In Deutschland wurden laut digitalem Impfquoten-Monitoring bisher 25.446.941 Impfungen gespritzt (Stand: 26. April, 8 Uhr). 19.486.698 davon einmalig. Das entspricht einer Erst-Impfquote von 23,4 Prozent. Vollständig immunisiert sind 7,2 Prozent der Bevölkerung. Hintergrund: In der Bundesrepublik sind derzeit die Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca verfügbar. Bei allen drei Herstellern ist eine Zweitimpfung erforderlich, um einen vollumfänglichen Impfschutz zu gewähren.

In Deutschland werden aktuell knapp 3,5 Millionen Menschen pro Woche gegen Covid-19 geimpft. Rechnet man diesen Schnitt hoch, scheint das von Angela Merkel ausgesprochene Impfziel deutlich früher erreicht werden zu können: „Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende Juli alle impfwilligen Erwachsenen durchgeimpft haben“, sagte Andrew Watt vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Die Bundeskanzlerin hatte in Aussicht gestellt, bis Ende September alle Impfwilligen ein Angebot machen zu wollen auf dem Impfgipfel haben sich Kanzlerin und Ministerpräsidenten dann sogar auf eine Aufhebung der Impfpriorisierung spätestens im Juni geeinigt.

Weltweiter Impfvergleich: Seychellen vor Island - auch Großbritannien und USA an der Spitze

Die deutsche Impfkampagne schreitet also voran. Vom Corona-Impfweltmeister-Titel ist die Bundesrepublik trotzdem noch weit entfernt. Es gibt nach wie vor eine Vielzahl an Ländern, in denen eine deutlich höhere Impfquote herrscht, gar die Herdenimmunität von 60 bis 70 Prozent in Reichweite ist. Israel, die USA und Großbritannien gelten als die prominentesten Beispiele.

Im Neun-Millionen-Einwohner-Land Israel haben mehr als 62 Prozent der Bevölkerung eine Impfung erhalten, 58 Prozent sind bereits vollständig geimpft. Diese Quote wird nur vom kleinen Inselstaat Seychellen übertroffen. Auf den weiteren Plätzen folgen Bhutan, die Malediven, San Marino, und die Vereinigten Arabischen Emirate. Bestes EU-Land ist Malta auf Rang acht.

LandErstimpfquote in Prozent*
Seychellen67,6
Israel62,2
Bhutan62,2
Malediven53,6
San Marino51,2
Vereinigte Arabische Emirate51,0
Großbritannien49,6
Malta48,0
USA41,9

Corona-Impfung: Großbritannien und USA lockern

Der neue US-Präsident Joe Biden hatte vor kurzem sein Ziel von 200 Millionen Impfdosen innerhalb seiner ersten 100 Tage im Amt vorzeitig erreicht. Die Vereinigten Staaten kommen auf eine Impfquote von knapp 42 Prozent. Angesichts der Impf-Fortschritte im Land hatte der Demokrat der Bevölkerung in Aussicht gestellt, am Nationalfeiertag am 4. Juli wieder in kleinen Gruppen feiern zu können.

In Großbritannien hat derweil fast jede:r Zweite mindestens eine Impfung erhalten. Der Impffortschritt auf der Insel geht einher mit zahlreichen Lockerungen. Seit Mitte April sind Einzelhandel, Pubs und Restaurants wieder geöffnet, am Sonntag (25. April) sahen 8000 Zuschauer das Fußball-Pokalfinale zwischen Manchester City und Tottenham Hotspur. Premierminister Boris Johnson ist es gelungen, Großbritannien vom Corona-Sorgenkind zum Vorreiter zu wandeln.

Corona-Impfung: Deutschlands Plan mit der Europäischen Union - Serbien und Ungarn düpieren EU

Dass die Impfquoten in vielen Ländern höher sind als in Deutschland, liegt insbesondere daran, dass früher mit dem Impfen begonnen wurde. Deutschland setzte auf eine gemeinsame Strategie aller EU-Staaten. Die Beschaffung von Impfstoff wurde somit an Brüssel delegiert. Ein Überbietungswettbewerb um die Erstzulassung sollte vermieden werden. Die 27 Mitgliedsstaaten der EU setzten auf Gemeinschaft statt Alleingänge - ein Schritt, der von vielen Beobachtern im Sinne des europäischen Geistes gelobt wurde, mittlerweile aufgrund von teils eklatanten Fehlern der EU-Kommission jedoch in der Kritik steht.

Der EU-Schnitt liegt aktuell bei einer Erstimpfquote von 21,45 Prozent. Länder wie Ungarn (37,3 Prozent) oder Serbien (28,6) ziehen den Wert nach oben. Beide Länder liegen über dem EU-Vergleich, da sie sich dem europäischen Impfplan widersetzt und auf eigene Verantwortung Impfstoff bestellt hatten. (as)

*Quelle: Our World in Data, Stand: 26. April, 17 Uhr. Anmerkung: Aufgrund der geringen Aussagekraft wurden einige bevölkerungsarme Inselstaaten wie die Falklandinseln oder die Ilse of Man nicht in die Tabelle mitaufgenommen. Die vollständige Liste können Sie hier aufrufen. Die Daten werden fortlaufend aktualisiert.

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