Hausarzt Abrar Mirza geht an der Schlange der wartenden entlang. Er hatte zu einer spontanen Impfaktion aufgerufen.
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Hausarzt Abrar Mirza geht an der Schlange der wartenden entlang. Er hatte zu einer spontanen Impfaktion aufgerufen.

Riesen-Ansturm in Kleinstadt

Arzt bietet „Offenen Impf-Tag“ an - Verzweifelte campieren sogar vor seiner Tür

  • Christina Denk
    VonChristina Denk
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Hausarzt Abrar Mirza hat zu einem „offenen Impftag“ aufgerufen. Doch die Reaktion der Impfwilligen zeigt den Mangel an Impfstoff schmerzlich auf.

Babenhausen - Hausarzt Abrar Mirza hatte für Samstag zu einem „offenen Impftag“ aufgerufen. Etwa vor einer Woche hatte er mitgeteilt 1000 Impfdosen bestellt zu haben. Damit wollte er am 12. Juni Impfwilligen ohne vorherige Registrierung den ersehnten Piks geben. Doch mit dem folgenden massiven Ansturm hatte der Arzt wohl nicht gerechnet.

Corona: Impfstoff-Mangel - bis zu 2.000 Menschen reisen zu „offenem Impftag“

Bereits zum Start der Coronavirus-Impfaktion am Samstagmorgen hatten sich vor der Praxis rund 1500 bis 2000 Menschen eingefunden, um sich eine Impfung abzuholen. Einige davon waren bereits am Vortag angereist und hatten vor der Praxis campiert. Die Impfwilligen kamen teils von weither. Viele seien aus dem Raum Aschaffenburg ins hessische Babenhausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) gefahren, selbst aus Köln reiste laut Mirza ein Patient zu der Impfaktion.

Wartende vor einer Arztpraxis in Hessen, in der es einen offenen Impftag gibt.

Mit Erfolg: Dank einer Notfallreserve konnte Mirza bis zum Abend insgesamt 1200 Menschen impfen. Unter den Patienten seien vorwiegend jüngere Menschen unter 40 Jahren gewesen, die nach der Priorisierung bislang keine Chance auf eine Impfung hatten. Allen Menschen, die geduldig bis zum Schluss in der Warteschlange ausharrten, habe man noch eine Dosis des Impfstoffs von Johnson & Johnson verabreichen können, niemand von ihnen sei leer ausgegangen, heißt es. Ein Team aus sieben Leuten verabreichte die Impfungen und machte die Aktion möglich.

Corona: Ansturm auf „offenen Impftag“: Patienten campierten sogar vor der Praxis

Die Kleinstadt, die selbst nur rund 16.000 Einwohner hat, stellte der Andrang jedoch vor Schwierigkeiten. Schon morgens hatte Bürgermeister Dominik Stadler fast flehentlich dazu aufgerufen, nicht mehr nach Babenhausen anzureisen, da es im Stadtgebiet bereits zu erheblichen Verkehrseinschränkungen komme und keine Parkplätz mehr gebe.

Trotz der großen Menschenmenge verlief die Aktion jedoch friedlich und die Impfwilligen hielten sich an die geltenden Abstandsregelungen und die Maskenpflicht. Für eine weitere Aktion hat Mirza jedoch bereits einen anderen Ort im Kopf. Auf einem ehemaligen Kasernengelände würde es nach seinen Worten genügend Platz für einen zweiten „Impftag“ geben.

Eines zeigt die große Resonanz auf die Impfaktion laut Bürgermeister Stadler jedoch deutlich: „Wir brauchen endlich mehr Impfstoff.“ Sowohl Kommunen als auch Mediziner täten alles dafür, um der großen Nachfrage nachzukommen, also müssten auch die verantwortlichen Politiker dafür sorgen, dass mehr davon bereitgestellt werde. Die Impfaktion in Babenhausen war nicht die erste dieser Art. (chd mit dpa)

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