Fragen und Antworten zum Startschuss

Corona-Impfung beim Hausarzt: Wie klappt die Terminvergabe und was kostet es überhaupt?

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Bislang wurden die Vakzine mit ganz wenigen Ausnahmen bundesweit nur in Impfzentren verabreicht. Damit ist nach Ostern Schluss. Start frei heißt es nun auch in den Praxen der Hausärzte.

München - Deutschland zündet die zweite Stufe seiner bislang so schleppend verlaufenden Impfkampagne. Zwar werden jetzt nicht auf einen Schlag deutlich mehr Dosen zur Verfügung stehen, aber zumindest dürfen auch Hausärzte in ihren Praxen impfen. Gesundheitsminister Jens Spahn frohlockte bereits vor Ostern: „Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger.“

Konkreter wurde Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): „Zu den 430 Impfzentren, die wir bisher haben, kommen 35.000 weitere dazu.“ So viele Hausarzt-Praxen steigen in diesen Tagen bundesweit ein und sollen für eine schnellere Verteilung der zur Verfügung stehenden Impfdosen sorgen. In Bayern begannen einige von ihnen schon in den Tagen vor Ostern, richtig Schwung kommt aber erst nach und nach in die Sache. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Impfungen in den Hausarztpraxen - speziell im Freistaat.

Wie viele Impfdosen stehen den Hausärzten zur Verfügung?

Zunächst noch eine recht kleine Zahl. Insgesamt haben die Praxen in Deutschland für die erste Woche laut offiziellen Angaben 1,4 Millionen Impfdosen bestellt. Bund und Länder planen jedoch vorerst mit der Lieferung von 940.000 Dosen für die Woche. Das wären bei gleicher Verteilung auf die 35.000 beteiligten Hausärzte knapp 27 pro Praxis. Die Zahl soll aber mit zunehmender Verfügbarkeit steigen. Weit mehr geht mit 2,25 Millionen Dosen an die Impfzentren. In den kommenden Wochen sollen aber auch Fachärzte, Privatärzte und Betriebsärzte versorgt werden.

Ein deutlicher Anstieg an Impfstofflieferungen wird aktuell für die Woche vom 26. April anvisiert. Dann sollen mehr als drei Millionen Dosen auf die Ärzte verteilt werden. Die KBV setzt zudem auf ein wachsendes Netz, nicht nur unter den 50.000 Hausarztpraxen. So würde ein Potenzial von mehreren Millionen Dosen pro Woche gesehen. Was wohl durchaus als Ziel ausgegeben werden sollte, folgt man Gassen: „Wir müssen impfen, impfen, impfen. Jeder Tag zählt, damit die Gesellschaft wieder in ihr normales Leben zurückkehren kann.“

In Bayern werden sich laut Ministerpräsident Markus Söder nach Ostern 1635 Praxen an der Impfkampagne beteiligen. Einzelne Ärzte wie im Landkreis Hof impfen bereits seit einigen Wochen. Die Zahl soll schnell in die Höhe springen, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) rechnet ab dem 7. April sogar mit einem Impfstart in rund 8500 Praxen.

Eine Sprecherin des Bayerischen Hausärzteverbands (BHÄV) erklärte in diesem Zusammenhang, dass es grundsätzlich allen Ärzten, Fachärzten und ärztlichen Psychotherapeuten in Bayern freistehe, Impfstoff zu bestellen. Nach Ostern werde zunächst mit 18 bis 48 Impfdosen je Praxis pro Woche gerechnet.

Der Weg in die Praxis: Zu ihrem Hausarzt haben viele Deutsche größtes Vertrauen - was sich nun auch bei der Impfkampagne auszahlen soll.

Wie bekommen Patienten einen Impftermin bei ihrem Hausarzt?

Laut Bundesgesundheitsministerium sind keine zentralen Einladungen vorgesehen. Also können die Hausarztpraxen die Vergabe der Termine selbst regeln - zum Beispiel per Telefon oder mit Online-Buchungen. „Sie kennen ihre Patientinnen und Patienten am besten und werden diese gezielt ansprechen und mit ihnen einen Impftermin vereinbaren oder zu nicht mobilen Menschen nach Hause kommen“, sagt KBV-Vize Stephan Hofmeister mit Blick auf den Start.

In Bayern wird erwartet, dass sich die Hausärzte bei ihren Patienten melden, um einen Termin zu vereinbaren. „In der Anfangsphase mit noch wenig Impfstoff sollten Patienten davon absehen, in ihrer Hausarztpraxis anzurufen, um nicht die Leitungen zu blockieren und die Abläufe in den Praxen zu verzögern“, bittet die BHÄV-Sprecherin.

Für einen Impftermin in der Praxis sei eine Anmeldung bei dem Online-Portal „BayIMCO“ nicht notwendig. Die Ärzte hätten auch gar keinen Zugriff auf das Portal. Wer vom Hausarzt geimpft worden sei, soll seine Anmeldung anschließend selbst löschen.

Den Ärzten ist es laut KVB freigestellt, ob sie die Impfungen parallel zum laufenden Betrieb vornehmen oder zusätzliche Sprechzeiten anbieten. Nach BHÄV-Angaben verfolgen viele bayerische Mediziner den Plan, die Präparate gegen Corona-Infektionen oder zumindest schwere Covid-19-Verläufe mittags oder abends und damit außerhalb der eigentlichen Sprechzeiten zu verabreichen. Daher muss es in den Praxen nicht zwingend zu längeren Wartezeiten kommen.

Welche Personen werden in den Praxen bevorzugt geimpft?

Alles wie gehabt. Weiterhin sollen die Corona-Risikogruppen mit Priorität behandelt werden und vorrangig an die Reihe kommen. Den Ärzten wird immerhin freigestellt, flexibler zu entscheiden, wer wann geimpft wird, auch um effizienter vorzugehen.

Vom Hausärzteverband hagelte es allerdings bereits Kritik am strikten Festhalten an der Impfreihenfolge. „Die Priorisierung war und ist eine gute Leitlinie für die Ärztinnen und Ärzte, solange der Impfstoff noch in geringen Mengen verfügbar ist“, erklärt Verbandschef Ulrich Weigeldt in der Rheinischen Post: „Allerdings werden wir bald nicht mehr so sehr auf Zahlen, sondern zunehmend auf die Gesundheit der Menschen schauen müssen.“

Sobald die Menge an verfügbarem Impfstoff ein gewisses Maß überschritten habe, gehe es seiner Meinung auch darum, „den zugelassenen Impfstoff schnellstmöglich allen, die können und wollen, zu impfen“. Dem entgegnete jedoch Eugen Brysch, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz: „Für das Impfangebot der Hausärzte gilt weiterhin die ethisch festgelegte Reihenfolge. Eine Abkehr wird im April nicht möglich sein, da Vakzine weiterhin knapp sind.“ Es ist also so schnell nicht mit einer Aufweichung der Priorisierung zu rechnen.

Auch in Bayern gilt nach wie vor: Ältere Menschen, Patienten mit Vorerkrankungen und einzelne Berufsgruppen haben Vorrang. Allerdings sicherte die Politik den Ärzten mehr Flexibilität zu. So könnten beispielsweise chronisch Kranke schneller geimpft werden.

„Ich vertraue den Ärzten in der Frage, wie sie die Priorisierung vornehmen“, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) vor Ostern. Allgemein ist mit der Verteilung an die Praxen die Hoffnung verbunden, dass die Hausärzte ihre Patienten und Patientinnen ganz genau kennen und aus dieser Erfahrung heraus besser abschätzen können, wer besonders gefährdet ist.

Welche Vorteile verspricht sich die Politik von der Einbeziehung der Hausärzte?

Zunächst einmal natürlich eine höhere Impfgeschwindigkeit durch die breiter aufgefächerte Verteilung der Impfstoffe. Söder erhofft sich besonders viel von der Unterstützung durch die Praxen. „Erstens einmal sind Ärzte erfahren beim Impfen“, zählt der CSU-Chef auf: „Das sind die Impfprofis im Land. Zweitens, sie impfen schneller, weil sie auch die Patienten kennen und weil sie beispielsweise chronisch Kranke erfassen können.“ Dazu komme, dass die Hausärzte ihre Patienten nach der Impfung besser begleiten könnten und gegebenenfalls Anzeichen von Reaktionen erkennen würden.

Die Sprecherin des BHÄV setzt vor allem auf die Eingespieltheit und das hohe Ansehen der Mediziner: „Hausärzte genießen auch das Vertrauen ihrer Patienten und können eventuell bestehende Verunsicherungen am besten ausräumen. Und sie können die Impfung auch zu den Menschen bringen, die mobilitätseingeschränkt sind und nicht ins Impfzentrum kommen können.“

Impfstart in den Arztpraxen: Nach Ostern soll der Bummelei endlich Einhalt geboten werden.

Welche Impfstoffe werden in den Hausarztpraxen angeboten?

Für die ersten April-Wochen sind ausschließlich Lieferungen von Biontech/Pfizer zu erwarten. Denn dieses Vakzin steht in ausreichender Menge zur Verfügung. Ab der Woche vom 19. April soll dann auch der Impfstoff von Astrazeneca in den Praxen erhältlich sein, in der Folge auch der von Johnson & Johnson. Es wird jedoch laut Bundesgesundheitsministerium aufgrund des insgesamt knappen Gutes nicht möglich sein, dass Patienten wählen können, welches Präparat sie verabreicht bekommen wollen.

Welche Kosten kommen auf die Patienten zu?

Mutmaßlich gar keine. Für eine Corona-Impfung inklusive Aufklärung und Beratung ist zwar eine Vergütung von 20 Euro für den Arzt vorgesehen. Diese Kosten können die Praxen jedoch sowohl bei gesetzlich wie bei privat Versicherten über die Kassenärztlichen Vereinigungen abrechnen. Für die Kosten will der Bund aufkommen. Einkalkuliert sind dafür 1,5 Milliarden Euro, wie aus einer Vorlage des Bundesfinanzministeriums hervorgeht. So würden parallel zu den steigenden Impfstofflieferungen im April voraussichtlich 100 Millionen Euro veranschlagt, im Mai 650 Millionen Euro und im Juni schließlich 730 Millionen Euro.

Werden die Impfungen in Hausarztpraxen auch vom Robert-Koch-Institut (RKI) erfasst?

Ja. Die Praxen sollen wie die Impfzentren ihre Daten an das RKI melden, damit dieses das Impfgeschehen lückenlos abbilden kann. So müsse laut KBV täglich ein „eingeschränkter Datensatz" übermittelt werden. Dieser beinhaltet jeweils die Zahl der Erst- und Zweitimpfungen inklusive Aufgliederung nach Impfstoffen. Obendrein ist die Zahl der geimpften Menschen über 60 zu melden. Weitere Daten, etwa zur Chargennummer, sollen mit Quartalsabrechnungen erfasst werden können. Wer geimpft ist, bekommt einen entsprechenden Aufkleber oder Vermerk in den Impfpass, die Ärzte machen eine Notiz in den Patientenakten.

Wie wird der Impfstoff unter den Hausärzten verteilt?

Geordert werden die Vakzine bei den Apotheken. Dies muss für die Folgewoche bis 12 Uhr am Dienstag geschehen. Dann wird die Bestellung laut KBV am Montagnachmittag - in dieser Woche kann es wegen Ostermontag auch erst der Mittwoch werden - angeliefert. Zunächst wird die Bestellmenge pro Praxis auf 18 bis 50 Dosen pro Woche begrenzt. Es könnte aber gerade am Anfang auch dazu kommen, dass weniger als bestellt zu haben ist.

Bis zum Donnerstag sollen die Praxen informiert werden, mit wie viel Impfstoff sie für die kommende Woche planen können. So soll gewährleistet werden, dass Termine noch verlegt werden können. Dieses Logistiksystem sei „ein strenges Regime“, sagte die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Gabriele Regina Overwiening: „Es wird verlässlich sein.“

Für die Verteilung sind bundesweit 110 Großhandels-Niederlassungen zuständig, die ohnehin mehrmals am Tag die 19.000 Apotheken beliefern. Laut Marcus Freitag, Vize-Vorsitzender des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels, werde das Präparat von Biontech/Pfizer „ultratiefgekühlt“ bei minus 75 Grad angeliefert, dann aufgetaut und umverpackt, um gekühlt bei zwei bis acht Grad bei den Apotheken anzukommen.

In diesen folge die „Endkonfektionierung“ für die Praxen. Zum Lieferumfang gehört dann auch Zubehör wie Spritzen, Kanülen und Kochsalzlösung zum Verdünnen. Bei der Verteilung werde einem Schlüssel gefolgt, der unter anderem den Bevölkerungsanteil der Länder berücksichtigt. (mg, mit dpa)

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/dpa

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