Bericht aus Neu-Delhi

Deutsche Bundeswehr-Soldatin schildert dramatische Lage in Indien

  • Michelle Brey
    vonMichelle Brey
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Die Coronavirus-Lage in Indien ist verheerend. 18 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr helfen jetzt vor Ort.

Update vom 9. Mai: Das Gesundheitssystem in Indien ist nahe am Kollaps. Zur Unterstützung schickte die deutsche Bundeswehr 18 Soldatinnen und Soldaten nach Neu-Delhi. Sie bringen eine Sauerstoff-Erzeugungsanlage und beatmen 28 Patienten täglich. Dafür wurde ein Militär-Krankenhaus in einem Zelt errichtet.

Die Bild am Sonntag sprach vor Ort mit Hauptfeldwebel Stefanie Wehlitz. „Als wir im Hotel ankamen, wurde uns applaudiert“, berichtet sie von der Freude über die Hilfe, „die Menschen sind sehr dankbar. Wir sind alle superstolz, bei dieser Mission mitarbeiten und helfen zu können. Jeder Liter Sauerstoff rettet Leben.“

Die Lage in Indien ist allerdings nach wie vor dramatisch. Über 400.000 Neuinfektionen meldete die Regierung an nur einem Tag. 4.187 Menschen starben. „Wir sehen hier im Minutentakt Krankenwagen vor die Notaufnahme fahren“, schildert Wehlitz, „sehen trauernde Familien auf dem Vorplatz und Menschen für die jede Hilfe zu spät kommt.“

Indien vor dem Corona-Kollaps: „Stille Katastrophe“ - Neuinfektionen schießen weiter in die Höhe

Erstmeldung vom 8 Mai: Neu Delhi / München - Eine Entspannung der Corona-Lage in Indien scheint in weiter Ferne. Das Land mit seinen 1,36 Milliarden Einwohnern leidet unter einer heftigen zweiten Corona-Welle. Am Samstag meldete die Regierung 4.187 Covid-19-Tote und 401.078 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden.

Das indische Gesundheitssystem ist völlig überlastet. Immer wieder sterben Corona-Patienten, weil in den Krankenhäusern medizinischer Sauerstoff zur Beatmung fehlt. Insbesondere die indische Mutation B.1.617 soll für die kritische Lage mitverantwortlich sein.

Überfüllte Krematorien führten zu Masseneinäscherungen von Covid-19-Toten in Indien.

Corona: Erschütternde Berichte aus Indien - „Stille Katastrophe“

Berichte aus dem Schwellenland erschüttern. Ein Korrespondent der ARD berichtete: „Diese Szenen vor Krankenhäusern, die wir alle gesehen haben, wo sich Menschen fast prügeln, um Einlass zu bekommen in ein Krankenhaus, wo sie Angehörige unterbringen wollen, wo sich Menschen prügeln um Sauerstoffflaschen. Natürlich auch die Krematorien, die rund um die Uhr arbeiten, denen das Brennholz ausgeht. Das sind tatsächlich Hotspots.“ Corona sei in Neu Delhi und vielen anderen indischen Städten jedoch „vor allem eine stille Katastrophe“, die zu Hause stattfinde.

Corona-Katastrophe in Indien: Experten fordern strengere Maßnahmen - Oppositionsführer warnt vor „verheerenden Folgen“

Während die Zentralregierung in Neu Delhi noch zögert, verhängen immer mehr Bundesstaaten strikte Corona-Maßnahmen. In Karnataka mit der IT-Metropole Bangalore tritt am Montag ein zweiwöchiger Lockdown in Kraft.

Experten warnen indes, dass die Infektionszahlen in Indien noch bis Ende des Monats ansteigen könnten. Sie fordern, im ganzen Land strenge Maßnahmen zu verhängen. Auch Oppositionsführer Rahul Gandhi forderte Premierminister Narendra Modi am Samstag auf, einen landesweiten Lockdown zu verhängen. Er warnte vor „verheerenden“ Folgen einer „unkontrollierten“ Virusausbreitung für Indien und „den Rest der Welt“. In den Nachbarstaaten Bangladesch, Nepal und Sri Lanka wird inzwischen ebenfalls ein Anstieg der Fallzahlen beobachtet.

Aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen hat Modis Regierung trotz der dramatischen Lage noch keinen neuen landesweiten Lockdown verhängt und die Verantwortung an die Bundesstaaten abgegeben.

In Deutschland scheint sich die Corona-Lage indes zu entspannen. Kanzlerin Angela Merkel machte Hoffnungen auf den Sommerurlaub. (mbr/dpa)

Rubriklistenbild: © Naveen Sharma

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