Ein Intensivbett wird für einen Coronapatienten vorbereitet
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Seit Beginn der Corona-Pandemie erlebt das Pflegepersonal in Deutschland eine enorme Belastung.

Kommt jetzt der „Pflegxit“?

Corona: Überlastung der Intensivstationen - Belastung viermal so hoch wie vor einem Jahr

  • Veronika Silberg
    VonVeronika Silberg
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Viele Kliniken in Deutschland haben ein Personal-Problem. Immer weniger Intensivbetten können regulär betrieben werden - trotz steigender Corona-Zahlen.

Köln - Wie viele Corona-Fälle landen im Krankenhaus? Die Auslastung der Intensivbetten, sowie die Hospitalisierungsrate sollen in Zukunft eine größere Rolle bei der Einordnung der pandemischen Lage spielen. Inzidenz war gestern. Sie habe ausgedient, betonte Spahn zuletzt gegenüber dem RND.

Doch was, wenn sich die Voraussetzungen auf deutschen Intensivstationen verändert haben? Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin berichtet von einem beunruhigenden Trend: „Die Zahl der betreibbaren Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit geht von Monat zu Monat zurück auf jetzt etwa 9000.“, so der Mediziner auf Twitter. „Viele Kliniken melden uns Personalprobleme. Das Personal ist müde und wird weniger.“

Corona in Deutschland: Probleme mit Intensivbetten - Personal bricht weg

Unterdessen steigt die Zahl der Corona-Krankenhausfälle auch am Donnerstag weiter an. Genau vor einem Jahr lagen laut DIVI 225 Personen mit Corona auf der Intensivstation, aktuell sind es laut Lagebericht des Robert-Koch-Instituts 836. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Hospitalisierung ist auf 1,56 Fälle pro 100.000 Einwohner gestiegen. Ein Großteil (über 90%) dieser Krankenhausfälle sind ungeimpft. „Impfung bedeutet nicht nur Schutz vor schwerem Verlauf, sondern auch Wertschätzung für das stark belastete Personal!“ betont Karagiannidis.

Schon seit der zweiten Corona-Welle, vergangenen Oktober, wird diese Belastung zum Problem. Auch die gesammelten Daten des Deutschen Intensivregisters bestätigen die Befürchtungen von Karagiannidis: Schlagartig sind nach der zweiten Welle die freien Kapazitäten zur invasiven Beatmung abgesunken. Krankenhäuser melden eingeschränkten Betrieb. Erholt hat sich die Situation seitdem nicht. Nachbarländern geht es ähnlich.

Corona in Deutschland: Konnten Geräusch vom „Zumachen der Leichensäcke“ nicht mehr hören

Das Personal ist ausgebrannt und überlastet. Der erneute Anstieg der Zahlen fühlt sich an wie ein Déjà-vu. „Viele Pflegekräfte haben mir erzählt, dass sie das Zumachen der Leichensäcke, dieses Geräusch, nicht mehr hören konnten. Das spiegelt wider, was da in den Wochen passiert ist von Jahresanfang bis Mitte Mai.“ erzählt Prof. Michael Hallek vom Uniklinikum Köln in einem WDR-Interview.

Viele Pflegekräfte haben mir erzählt, dass sie das Zumachen der Leichensäcke, dieses Geräusch, nicht mehr hören konnten. Das spiegelt wider, was da in den Wochen passiert ist von Jahresanfang bis Mitte Mai.

Prof. Michael Hallek, Uniklinik Köln

Schon vor Corona waren die Arbeitsbedingungen in der Pflege schwierig. Mit der Pandemie erscheinen sie kaum noch tragbar. Über die Lage auf den Intensivstationen* berichtet auch 24vita.de* (vs)*24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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