Eine Krankenpfleger hält die Hand eines Patienten auf einer Intensivstation.
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Eine Krankenpfleger hält die Hand eines Patienten auf einer Intensivstation.

Arbeit am Limit

Corona: Pfleger verliert wegen Ignoranz der Menschen die Fassung - „Habt ihr nichts verstanden?“

  • Kai Hartwig
    vonKai Hartwig
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In vielen Berufszweigen sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie eklatant. Besonders hart trifft es das Krankenhauspersonal auf den Intensivstationen.

Münster - Die Corona-Pandemie hat weltweit das alltägliche Leben der Menschen stark verändert. Auch in Deutschland bekam die Bevölkerung das zu spüren. Ganz besonders die Personen, die einen medizinischen Beruf ausüben.

Auch Paul W. hat die schrecklichen Folgen des Coronavirus hautnah miterleben müssen. Er arbeitet als Krankenpfleger auf einer Intensivstation der Uni-Klinik Münster. Die Zustände auf den Intensivstationen sind dramatisch, vielerorts droht die Überlastung. Auch aufgrund der schleppenden Impfkampagne.

Corona: Intensivpfleger Paul W. hat „die Befürchtung, dass uns die dritte Welle plattmacht“

„Wenn jetzt alle machen, was sie wollen, habe ich schon die Befürchtung, dass uns die dritte Welle plattmacht“, ordnete Paul W. im Interview mit der Welt die aktuelle Lage und steigende Corona-Infektionszahlen ein. Er arbeite genau wie seine Kollegen bereits jetzt am Anschlag. „Es gibt eine gewisse ‚Covid-Müdigkeit‘“, gestand Paul W. ein.

„Das Betreuen der Corona-Patienten ist viel anstrengender als die Versorgung anderer Intensivpatienten. Man liegt abends auf der Couch und ist einfach geschafft.“ Im Gegensatz zur Betreuung eines „normalen“ Intensivpatienten muss das medizinische Personal immer wieder Schutzkleidung an- und ausziehen. Das kostet Kraft und Zeit. Und zehrt „an den Reserven“, erklärte Paul W. „Auch, weil die Möglichkeiten begrenzt sind, sich abzulenken und richtig zu erholen. Diese Dauerbelastung ist für manche Kollegen schwierig.“

Corona: Intensivpfleger vermisst Bewusstsein für Gefahren der Pandemie

Häufig vermisst der Krankenpfleger bei nicht betroffenen Menschen die nötige Ernsthaftigkeit im Umgang mit Corona. So viel Ignoranz macht ihn wütend. „Wenn ich durch die Stadt gehe und größere Gruppen sehe und keiner Maske trägt – dann packt mich schon der Ärger“, offenbarte Paul W. seine Gefühlswelt. „Am liebsten würde ich den Leuten dann sagen: Habt ihr eigentlich nicht verstanden, was wir hier für eine Pandemie haben?“

Mitunter ändere sich dies erst durch einen persönlichen Schicksalsschlag, befand der Krankenpfleger. „Es fehlt das Bewusstsein, wie schwer die Krankheit sein kann. Manche Menschen verstehen es erst, wenn ein Angehöriger auf der Intensivstation liegt.“

Auch wenn Paul W. derzeit die wohl härteste Phase seines Berufslebens durchmacht. Die Entscheidung, als Krankenpfleger auf einer Intensivstation zu arbeiten, hat der 30-Jährige nie bereut. „Nein, ich komme gerne zur Arbeit. Es ist bereichernd, dass ich Menschen helfen kann. Oder, wenn es schlecht aussieht, auch einfach nur für sie da sein kann.“ (kh)

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