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Schutzmasken in der Bahn: In China beugen die Bürger dem Coronavirus vor.

Medikamente wirken noch nicht

Coronavirus: Experte hält weltweite Ausbreitung für möglich - „Impfung erst in ein, zwei Jahren“

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Das Coronavirus könnte sich auf der ganzen Welt ausbreiten. Das hält such Markus Frühwein für möglich. Der Medizin-Experte gibt im Interview auch Tipps zum wirksamen Schutz vor der Krankheit.

  • Das in China ausgebrochene Coronavirus* hat längst auch Deutschland erreicht.
  • Ein Experte hält sogar eine weltweite Ausbreitung für möglich.
  • Erfolgreiche Impfungen sind wohl erst in einem oder mehreren Jahren möglich.

München - In China und auch außerhalb steigt die Zahl der Menschen, die sich mit dem neuen Coronavirus „Sars-CoV-2“ infiziert haben. Bei der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem Robert-Koch-Institut (RKI) hält man eine „Pandemie“, eine weltweite Ausbreitung größeren Ausmaßes, für möglich. Welche Folgen das für uns in Bayern hätte, erklärt Markus Frühwein, Experte für Allgemein-, Tropen- und Reisemedizin. Auch die Lage in Italien spitzt sich weiter zu.*

Sind unter Ihren Patienten viele in „Coronapanik“?

Frühwein: Nein, von Panik ist nichts zu spüren. Vereinzelt fragen Patienten mit fieberhaften Infekten auch mal nach dem Coronavirus. Öfter fragen Patienten nach Reisen in Risikogebiete danach - oder nach Kontakten zu Webasto-Mitarbeitern. Die rufen aber meist an und kommen nicht in die Praxis. Dazu raten wir generell allen Patienten mit grippalen Infekten, um den Kontakt mit anderen zu vermeiden. Das steht auch auf einem Schild am Eingang, daneben Mundschutz und Desinfektionsmittel.

Gerade haben viele Leute Atemwegsinfekte. Kann man sicher sein, dass darunter nicht welche mit dem Coronavirus sind?

Hält eine weltweite Ausbreitung des Coronavirus für möglich: Markus Frühwein ist Experte für Allgemein-, Tropen- und Reisemedizin.

Frühwein: Natürlich kann man nie sicher sein, dass sich nicht doch mehr Menschen angesteckt haben, als wir wissen. Sicher sind wir nur, wenn ein Test positiv ausschlägt - und wenn man nicht testet, weiß man es eben nicht. Aber das gilt ja auch für die Influenza: Da schätzt man, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Beim Coronavirus sehe ich das Problem einer unerkannten Ausbreitung aber eher in China. Dass die Zahlen auch in Deutschland deutlich unterrepräsentiert sind, halte ich für fraglich - zumal man sehr intensiv nach Kontakten der Infizierten gesucht hat. Aktuell wird die Influenza-Impfung übrigens auch deshalb verstärkt empfohlen, um einen fieberhaften Infekt besser abgrenzen zu können.

Die WHO und das RKI halten eine Pandemie für möglich - Sie auch?

Frühwein: Ja, eine weltweite Ausbreitung halte ich für möglich. Schon aufgrund der raschen Übertragbarkeit, auch wenn noch kaum Symptome vorhanden sind - was man anfangs nicht wusste. Es könnte also sein, dass das Virus einmal durchläuft und dann wieder abflaut. Das ist natürlich ein Risiko für ältere und schwer kranke Menschen, die man schützen muss. Angst hätte ich aber auch bei einer weltweiten Ausbreitung nicht - zumal an der Grippe jedes Jahr 10.000 bis 30.000 Menschen sterben.

Im Falle einer Ausbreitung: Kann man so viele Betroffene noch isolieren?

Frühwein: Nein, das ist dann nicht mehr möglich. Trifft es größere Teile der Bevölkerung, können sie die nicht alle in Quarantäne sperren. Denkbar wäre eher eine häusliche Isolation.

Breitet sich das Virus aus, trifft uns das zeitgleich mit der Grippewelle. Sind Kliniken darauf vorbereitet?

Frühwein: Bei einer Influenza müssen nur Patienten mit schwerem Verlauf im Krankenhaus behandelt werden. Die meisten bleiben einfach zwei Wochen daheim. Ein schwerer Verlauf ist auch beim Coronavirus nur bei einem Teil der Patienten zu erwarten. Ich glaube, wir sind gut vorbereitet.

Könnten neue Arzneien oder einer Impfung eine Pandemie verhindern?

Frühwein: Nein. Bei den Medikamenten wird viel ausprobiert, noch ohne durchschlagenden Erfolg. Mit einer Impfung ist erst in ein, zwei Jahren zu rechnen. Das ist anders als beim Grippe-Impfstoff, wo ein Grundgerüst zugelassen ist, auf das jedes Jahr nur noch der passende Erreger gesetzt werden muss. Bei dem neuen Coronavirus steht man noch ganz am Anfang.

Dafür soll der Verlauf eher mild sein. Könnte „Sars-CoV-2“ einfach ein weiteres Erkältungsvirus unter vielen anderen werden?

Frühwein: Für ein einfaches Erkältungsvirus - darunter gibt es ja einige andere Coronaviren - ist die Sterblichkeit definitiv zu hoch. Ich würde es eher mit Grippeviren vergleichen.

Sollten wir uns also schon mal auf eine jährliche Corona-Welle einstellen?

Frühwein: Das kann man nicht sagen. Es könnte durchaus sein, dass das Virus bei Betroffenen eine bleibende Immunität hinterlässt. Auch, dass es einen wellenförmigen und saisonalen Verlauf geben wird - wie bei der Grippe, die immer im Winter auftritt -, lässt sich nicht vorhersagen.

Interview: Andrea Eppner

In Bayern geht derweil eine andere Virus-Gefahr um - ist diese Krankheit gefährlicher als das Coronavirus? In chinesischen Krankenhäusern herrscht Ausnahmezustand - die Ärzte tragen sogar Windeln.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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