„Selbsttests sind keine Wunderwaffe“

Spahn nimmt Hoffnung auf baldige Lockerungen - RKI-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe

  • Patrick Huljina
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Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler dämpfen bei der Pressekonferenz die Hoffnung auf schnelle Öffnungen und plädieren für den Impfstoff von AstraZeneca.

  • Die erhofften Inzidenzwerte* für Anfang März scheinen nicht erreicht zu werden - Gesundheitsminister Jens Spahn sieht den Zielwert 35 nicht in greifbarer Nähe. (siehe Update vom 26. Februar, 11.08 Uhr)
  • RKI-Präsident Wieler und Spahn plädieren für die Nutzung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca. (siehe Update vom 26. Februar, 10.53 Uhr)
  • Schnell- und Selbsttests sind ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen die Pandemie, aber „keine Wunderwaffe“. (siehe Update vom 26. Februar, 10.30 Uhr)
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 26. Februar, 11.25 Uhr: „Dieses Virus wird nicht mehr verschwinden“, stellte Wieler klar. Man könne das Coronavirus nicht ausrotten, aber man könne es in den Griff bekommen und lernen, damit zu leben, so der RKI-Präsident abschließend. Damit ist die Pressekonferenz beendet.

Update vom 26. Februar, 11.22 Uhr: Spahn erklärt, dass Schnelltests, anders als Impfstoffe, schnell und in großen Mengen verfügbar sind. Man müsse zentral nur einen Rahmen setzen.

Update vom 26. Februar, 11.17 Uhr: Bei einem EU-Impfausweis müsse man zwei Dinge unterscheiden, erklärt Spahn. Am Montag sei im Corona-Kabinett entschieden worden, dass man auch in Deutschland einen elektronischen Impfnachweis entwickeln lassen will. Eine weitere Frage müsse im Bundestag diskutiert werden. „Folgt etwas aus dem Impfnachweis? Und wenn ja, was?“

RKI-Chef Wieler erklärt, dass ein elektronischer Impfnachweis „schön“ sei. Was daraus folgt, müsse in Gremien diskutiert werden, so Wieler.

Corona in Deutschland: RKI-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe, „nur auf eine Zahl“ zu schauen

Update vom 26. Februar, 11.08 Uhr: Die Ausbreitung der Corona-Mutation können man „noch nicht abschließend fassen“, erklärt Spahn. Den Ziel-Inzidenzwert von 35 sieht er mit Blick auf das Infektionsgeschehen in Deutschland derzeit nicht in greifbarer Nähe.

„Wir haben immer viele Faktoren berücksichtigt“, wehrt sich Wieler gegen den Vorwurf, man würde „nur auf eine Zahl“ - die Inzidenz - schauen. „Es gibt nicht die eine Zahl, über die wir alle Entscheidungen treffen können“, so Wieler.

Update vom 26. Februar, 11.02 Uhr: „Das RKI kann auch eigenständig denken“, so Wieler. Das RKI habe seit Dezember am veröffentlichten Öffnungskonzept gearbeitet. Die Mitarbeiter der RKI-Website seien „einfach überlastet“, sagte Wieler. Man habe „einfach vergessen“ das wichtige Dokument zu twittern. Deshalb sei es nur auf der Homepage erschienen. Dafür entschuldigte sich der RKI-Chef.

Update vom 26. Februar, 10.56 Uhr: Die neuen Mutationen aus Kalifornien und New York seien noch nicht in Deutschland entdeckt worden, so Wieler. Er appellierte nochmals, auch bei möglichen Öffnungen, weiterhin vorsichtig zu sein und sich an die Regeln zu halten.

Corona in Deutschland: Spahn und Wieler plädieren für AstraZeneca-Impfstoff

Update vom 26. Februar, 10.53 Uhr: „Dieser Impfstoff ist sicher und wirksam, er schützt“, versichert Spahn zum Corona-Impfstoff von AstraZeneca. Es gebe ausreichend Bürger:innen in der Priogruppe 2, die das Angebot auch mit AstraZeneca annehmen würden, ist Spahn sicher. Die besonders gefährdeten Gruppen sollen auch eine Zweitimpfung erhalten, im Abstand von neun bis zwölf Wochen. Möglicherweise hat eine Zweitimpfung nach zwölf Wochen eine „noch bessere Impfung“, so Spahn.

Wieler berichtet begeistert von einer Zahl aus Schottland. 500.000 Menschen seien dort geimpft. Der Impfstoff von AstraZeneca senke dort die Quote von Hospitalisierungen um 94 Prozent, so Wieler. „Das ist eine herausragende Nachricht.“ Nebenwirkungen, wie beispielsweise Kopfschmerzen, seien normale Impfreaktionen. „Ich persönlich wäre über nichts glücklicher, als wenn ich diesen Astrazeneca-Impfstoff bald selbst nutzen kann“, stellt der RKI-Chef klar.

Gesundheitsminister Jens Spahn wirbt um Vertrauen in den Corona-Impfstoff von AstraZeneca.

Update vom 26. Februar, 10.46 Uhr: Künftig sollen die derzeit übrigen PCR-Testkapazitäten in Deutschland bei einem positiven Testergebnis in Selbst- und Schnelltests zur Nachtestung verwendet werden, erklärt Bundesgesundheitsminister Spahn.

Corona in Deutschland: Testen „unverzichtbar“ für weitere Öffnungen

Update vom 26. Februar, 10.40 Uhr: Dr. Lisa Federle ist leitende Notärztin und Pandemiebeauftragte der Stadt Tübingen. Sie erklärt den „Tübinger Weg“. Die schwäbische Stadt hat bereits früh mit umfassenden Tests in Krankenhäusern, Schulen und Kitas begonnen. Demnächst sollen auch Fahrschulen und Friseure regelmäßig getestet werden.

„Ich kämpfe seit Monaten für die Schnelltests und bin überzeugt, dass das ein ganz wichtiger Schritt ist“, erklärt Federle. Sie freut sich über die finanzielle Unterstützung des Bundes und darüber, dass immer mehr Bundesländer und auch Spahn künftig auf eine umfassende Teststrategie setzen.

Testen sei „unverzichtbar“ für weitere Öffnungen, „wenn wir nicht mit Wumms in eine dritte Welle rennen wollen“, so Federle. Das Testen müsse ein alltäglicher Vorgang werden, sie vergleicht es mit dem Zähneputzen.

„Selbsttests sind keine Wunderwaffe“ - RKI-Chef Wieler mahnt weiter zur Vorsicht

Update vom 26. Februar, 10.30 Uhr: Die Infektionszahlen bei den über 80-Jährigen sinken. Das sei ein erster Effekt der Impfung erklärte Wieler. „B.1.1.7 ist ansteckender, breitet sich rascher aus und ist gefährlicher in allen Altersgruppen“, erklärt RKI-Chef Wieler zu der britischen Corona-Mutation. Die 7-Tage-Inzidenz steige wieder in einigen Bundesländern. Er warnte vor einer dritten Welle der Corona-Pandemie.

Er appellierte an die Bevölkerung, die Regeln weiter einzuhalten und Kontakte zu reduzieren, „insbesondere in geschlossenen Räumen“. Der RKI-Chef freut sich über die zur Verfügung stehenden Schnell- und Selbsttests. „Ein negatives Testergebnis ist nicht 100 Prozent sicher“, erklärt Wieler allerdings. Auch wenn ein Test negativ sei, kann man sich nicht schutzlos mit anderen treffen, so der RKI-Chef. „Selbsttests sind keine Wunderwaffe, aber ein nützliches Werkzeug.“

Das wichtigste Werkzeug seien aber weiterhin die Menschen selbst. „Und dazu gehört auch, dass wir uns impfen lassen“, so Wieler.

Corona in Deutschland: Spahn nennt „Vorsicht, Impfen, Testen“ drei wichtige Bestandteile für weiteren Weg

Update vom 26. Februar, 10.25 Uhr: Vermehrtes Testen wird in Zukunft helfen, besser mit dem Coronavirus leben zu können. Mittlerweile gäbe es ein genügendes Angebot an Schnelltests. „Schnelltests können Teil unserer weiterer Strategie sein wenn wir sie kostenlos oder niedrigpreisig anbieten“, so Spahn. Tübingen sei da ein positives Beispiel.

„Selbsttests geben Sicherheit für bestimmte Situationen“, so Spahn. Als Beispiel nennt er Konzerte. „Ich bin überzeugt, dass Selbsttests künftig ein Bestandteil unseres alltäglichen Lebens sein werden“, erklärte der Gesundheitsminister. Sie liefern allerdings keine hundertprozentige Sicherheit. „Der PCR-Test bleibt der Goldstandard.“

„Vorsicht, Impfen, Testen: Das sind drei wichtige Bestandteile für unseren weiteren Weg“, erklärt Spahn.

Update vom 26. Februar, 10.20 Uhr: Zunächst ergreift Gesundheitsminister Spahn das Wort. „Fast alle Bewohner:innnen von Alten- und Pflegeheimen haben inzwischen ein Impfangebot bekommen“, beginnt Spahn. Der Großteil hätte dieses Angebot auch angenommen. „Das zeigt Wirkung“, erklärt der Gesundheitsminister. Die Strategie, zunächst die Risikogruppen zu impfen, gehe auf. Insgesamt wurden in den beiden vergangenen Tagen jeweils 160.000 Impfungen durchgeführt.

Künftig sollen neben den Impfzentren der Länder auch Arztpraxen in die regelmäßige Corona-Impfung einbezogen werden. „Wir bereiten das gerade gut vor“, erklärt der Gesundheitsminister.

Update vom 26. Februar, 10.15 Uhr: Die Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Spahn und RKI-Präsident Wieler beginnt.

Corona in Deutschland: Pressekonferenz mit Spahn und RKI-Chef Wieler

Update vom 26. Februar, 9.55 Uhr: Gegen 10.15 Uhr werden heute Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), RKI-Chef Lothar Wieler und Dr. Lisa Federle, Leitende Notärztin und Pandemie-Beauftragte aus Tübingen, über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland berichten.

Neben den aktuellen Corona-Zahlen dürften auch Schnell- und Selbsttests, sowie die Corona-Impfung Thema sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte nach einem EU-Gipfel gestern die Entwicklung eines EU-Impfausweises bis zum Sommer an.

Jens Spahn (r, CDU), Bundesminister für Gesundheit und Lothar Wieler (M), Präsident des Robert Koch Instituts, nach einer Pressekonferenz vor zwei Wochen.

Erstmeldung vom 26. Februar: Berlin - Impfen, testen, lockern: Das ist ein Dreiklang, der vielen schlüssig erscheint. Doch in Deutschland gestaltet sich das derzeit gar nicht so einfach. „Ankündigungsminister“, „Impf- und Testdebakel“, „Schnauze voll“: Solche Worte zierten dann schon eher die Überschriften der letzten Tage. Sogar in der New York Times heißt es mittlerweile: Die Deutschen warten.

Einer, der derzeit immer wieder im Rampenlicht guter und schlechter Entwicklungen steht, ist Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Bei der Regierungsbefragung blieb er „standhaft“, auch weil die Fragen der Abgeordneten eher wachsweich statt kritisch wirkten. Doch vor allem die SPD scheint Spahn zum Zielobjekt auserkoren zu haben.

An diesem Freitag findet sich Spahn erneut zu seinem Routinetermin bei der Bundespressekonferenz ein. Ab 10.15 Uhr steht er gemeinsam mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI)*, Lothar Wieler, Rede und Antwort zur Corona-Lage im Lockdown. In der letzten Woche sprachen die Herren vor allem über die Trendwende, die sich einmal mehr ergibt. Die Zahlen in Deutschland bleiben auf einem Niveau, teilweise steigen sie wieder.

Der nächste bundesweite Lockerungsschritt in Deutschland sind die Öffnungen der Friseure. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartete beim letzten Corona-Gipfel noch, dass am 1. März eine Inzidenz von 50 erreichbar ist. In den aktuellen RKI-Zahlen von Freitagmorgen steht jedoch der Wert von 62,6. Dass dieser bis Montag derart sinkt, ist eher unwahrscheinlich.

Spahn und Wieler bei der Bundespressekonferenz zur Corona-Lage: RKI-Dashboard am Morgen nicht erreichbar

Aktuell finden auch Schnell- und Selbststests* großen Platz in der Debatte. Merkel äußerte sich am Donnerstag aber zurückhaltend zu einer raschen Lockerung von Corona-Beschränkungen bei deren Einsatz. Es müsse zunächst bewertet werden, welche Wirkung ein vermehrtes Testen habe, sagte Merkel nach einem EU-Gipfel. „Und dann kann man überlegen, ob wir damit eben auch etwas mehr Freiraum zum Öffnen haben.“ Es könne dagegen nicht so vorgegangen werden, „dass wir erst die Öffnung definieren und anschließend mal gucken, ob das Testen uns hilft“, sagte die Kanzlerin. „Das wäre aus meiner Sicht zu gefährlich.“

Spahn hatte bei seinem Auftritt im Bundestag am Mittwoch betont, wie wichtig es ihm ist, mehrere Zahlen im Zusammenhang anzuschauen, um die Lage zu betrachten. „Diese Pandemie lässt sich nicht auf eine Zahl reduzieren“, sagte der Gesundheitsminister. Im Zusammenhang mit den Schnelltests sagte Merkel dazu: Auf die Beachtung von Inzidenzwerten der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern könne aus ihrer Sicht nicht generell verzichtet werden. Sie hielt es aber für möglich, dass durch vermehrtes Testen ein „Puffer“ erarbeitet werde, „so dass wir in der Inzidenz etwas höher gehen können als 35“.

Womöglich wird sich RKI-Präsident Wieler auch dazu äußern, was am Morgen mit dem RKI-Dashboard los war. Bei den Angaben zu den Landkreisen schien es Unstimmigkeiten zu geben. Für Bayern werden teils Werte gemeldet, die beinahe doppelt so hoch sind wie am Vortag. Dann war das Dashboard eine Weile nicht zu erreichen. „Die Daten werden derzeit aktualisiert“, hieß es. Ab 10 Uhr soll es wieder zur Verfügung stehen. Dann wird sich zeigen, ob die Zahlen immer noch so hoch sind.

Corona in Deutschland: Impfreihenfolge bleibt ein Thema

Und auch beim Thema Impfen* bleibt die Debatte hitzig. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) regte etwa eine neue Priorisierung beim Astrazeneca- Impfstoff an, dem viele Menschen reserviert gegenüberstehen und von dem bisher nur ein Bruchteil der bereitstehenden Dosen verabreicht wurde. „Wenn es so weitergeht, werden wir auf einem Berg von AstraZeneca Impfdosen sitzenbleiben. Das kann niemand wollen bei einem Impfstoff, der gut schützt“, sagte der CSU-Chef dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Sollte sich der Trend bei AstraZeneca fortsetzen, hat es keinen Sinn, dafür ständige neue Priorisierungen vorzunehmen. Sinnvoll wäre es dann, AstraZeneca gleich über die Ärzteschaft zu verimpfen. Denn wir sollten so rasch wie möglich alles verimpfen, was geht“, sagte Söder.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) entgegnete, in seinem Bundesland werde AstraZeneca gut angenommen. „Zudem ist es nicht hilfreich, wenn dieser sehr gute Impfstoff jetzt völlig ungerechtfertigt ein Ladenhüter-Image verpasst bekommt“, sagte Ramelow dem RND. (cibo/dpa/AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Wolfgang Kumm/dpa

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