Fans posieren am Montag (30.04.2012) beim Top of the Mountain-Konzert der US-amerikanischen Sängerin Mariah Carey in Ischgl (Tirol).
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Nicht selten hemmungslos: die Aprés-Ski-Partys und Events im Wintersport-Ort Ischgl.

„Doch keine Tourismus-Diktatur“

Corona-Superspreader: Satiriker teilt gegen berühmtes Ischgl aus - Aprés-Ski-Ort lässt das nicht auf sich sitzen

  • Patrick Mayer
    vonPatrick Mayer
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Ischgl steht am Anfang der Coronavirus-Pandemie als Superspreader im Mittelpunkt. Jetzt droht die Winter-Saison wegen Covid-19 zu floppen - und von einem Satiriker gibt es Häme. Die Reaktion folgt umgehend.

  • Coronavirus-Pandemie in Österreich: Der Skiort Ischgl gilt in der Corona-Krise als einer der ersten Superspreader.
  • Vor der Hochphase der Winter-Saison wird zwischen Deutschland, Österreich und Italien eifrig über die Erlaubnis von Ski-Urlaub in Zeiten von Covid-19 debattiert.
  • Ein junger Satiriker veröffentlicht jetzt ein hämisches Lied über den Tourismus in Ischgl - der berühmte Wintersport- und Aprés-Ski-Ort lässt das nicht auf sich sitzen.

München/Ischgl - In Ischgl wird gehofft und gebangt. Dass sie doch noch kommen. Zu Tausenden. Die Touristen für den Ski-Urlaub in der Hochphase der eigentlichen Winter-Saison. Doch aktuell, Stand 25. November, ist auch im Kult-Aprés-Ski-Ort in Tirol wegen Corona gar nichts sicher.

Ein Rückblick: Im März stand das Dorf, das in den Wintermonaten zum Mekka vieler Aprés-Ski-Fans und Wintersport-Freunde wird, in der beginnenden Coronavirus-Pandemie im Fokus. Während es wegen des neuartigen Coronavirus erste Warnungen gab, wurde zwischen den Bars, Steh-Kneipen und Discotheken kräftig weitergefeiert. Touristen aus Deutschland und aus Skandinavien sollen sich in Reihe angesteckt haben.

Ischgl in Tirol: Superspreader in der Coronavirus-Pandemie - nicht nur in Österreich

Und in diesem Winter? „Auch wenn der Saisonstart nach hinten verschoben werden musste, wird bei uns fleißig beschneit, um die Pisten in Schuss zu halten. Ihr seid zwar noch nicht hier, aber so bringen wir euch den Schnee immerhin direkt aufs Display“, schrieb der Tourismusverband in einem Instagram-Posting - und hatte sich plötzlich mit einem ganz anderen Problem herumzuschlagen.

Der Salzburger Satiriker Marcus Hinterberger veröffentlichte den sogenannten Ischgl Blues - binnen kurzer Zeit wurde das hämische Lied bei Social Media zum viralen Hit mit hunderttausenden Klicks. Die Botschaften in dem Song sind wenig nett: So wirft er den Hoteliers und Seilbahnbetreibern angebliche Geldgier und mangelnde Bildung vor.

Tirol in Covid-19-Zeiten: Satire über Ischgl wegen Corona und Aprés-Ski

Zum Beispiel, dass sie Brotzeit-Platten anbieten würden, deren Zutaten sie zuvor bei einem Discounter gekauft hätten. „I leg auf an schlechten Schloger, und nenn das Gonze Aprés-Ski. Es is wurscht, wenn das bergo geht, weil i Vorstand von der Seilbahn bi“, heißt es von Hinterberger.

Eine Spitze des Künstlers hat es besonders in sich: „Ka Mensch will mehr nach Ischgl und scho goar ka Après-Ski. Und die Umsätz´ von der Bergbahn, die san a nu dahi.“ Neben den Seilbahnbetreibern kommen vor allem die „Piefke“, also die Deutschen, nicht sonderlich gut weg.

Der Aufschrei in Ischgl war laut Nachrichtenportal oe24.at entsprechend riesig - und die Reaktionen samt Shitstorm ließen nicht lange auf sich warten. Der Tourismusverband soll Hinterberger gebeten haben, das Video zu löschen. Und die Vorstände der Silvretta Bergbahnen AG schrieben demnach einen ebenfalls satirischen Brief an den Satiriker, in dem sie dem Salzburger den Posten des Seilbahn-Vorstandes anboten.

Österreich in der Corona-Krise: Ischgl kommt in der Coronavirus-Pandemie nicht zur Ruhe

Der Bitte, das Video aus dem Netz zu löschen, entgegnete Hinterberger jedoch im Interview mit dem Standard: „Wir leben doch in keiner Tourismus-Diktatur.“ Das berühmte Ischgl kommt in der Coronavirus-Pandemie einfach nicht zur Ruhe. (pm)

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