Rom: Medizinische Mitarbeiter bereiten vor dem Krankenhaus „San Filippo Neri“ eine Trage für die Verlegung von Corona-Patienten vor.
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Rom: Medizinische Mitarbeiter bereiten vor dem Krankenhaus „San Filippo Neri“ eine Trage für die Verlegung von Corona-Patienten vor.

Er schließt dritte Welle nicht aus

Corona: Mediziner aus Italien erhebt schwerste Vorwürfe gegen sein ganzes Land - „Hat uns 20.000 Tote gekostet“

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Italien beklagt im Dezember sehr viele Corona-Tote. Ein Mediziner kritisiert die gesamte Bevölkerung scharf - und schließt eine dritte Welle nicht aus.

  • Coronavirus-Pandemie in Italien: Das Mittelmeerland muss im Dezember viele Tote im Zusammenhang mit der heimtückischen Lungenkrankheit Covid-19 beklagen.
  • Ein Infektiologe kritsiert die gesamte Bevölkerung mit Blick auf die Corona-Schutzmaßnahmen scharf.
  • Der Mediziner schließt eine dritte Corona-Welle zwischen der Lombardei und Sizilien nicht aus.

München/Rom - Die Zahlen aus Italien sprechen eine klare Sprache: Seit Wochen sterben in dem Mittelmeerland wieder viele Menschen in Folge einer Coronavirus-Erkrankung.

Coronavirus-Pandemie in Italien: Fast 1000 Corona-Tote an einem Tag

993 Todesfälle im Zusammenhang mit der heimtückischen Lungenkrankheit Covid-19 waren es am 3. Dezember, 564 laut Angaben des Ministeriums für Gesundheit am 6. Dezember. Ein Mediziner hat wegen der drastischen Todeszahlen nur schwerste Vorwürfe erhoben - und zwar gegen sein ganzes Land.

„Es ist eine Sache, die mir schwerfällt: Wir hätten mehr als 20.000 Todesfälle weitgehend vermeiden können“, erklärte der Infektiologe Massimo Galli laut La Repubblica dem Radiosender Rai 3. An anderer Stelle des Interviews meinte er demnach: „Der fröhliche Sommer hat uns 20.000 Tote gekostet.“

Coronavirus-Pandemie in Italien: Regierung in Rom lockert die Corona-Kontaktbeschränkungen

Ein Rückblick: Im Sommer war Italien nach den schweren Monaten im Frühjahr zeitweise das Land in Mitteleuropa mit der niedrigsten 7-Tage-Inzidenz, gleichzeitig wurden die zuvor strengen Kontaktbeschränkungen zum Beispiel für den Tourismus zu dieser Zeit deutlich gelockert.

Der fröhliche Sommer hat uns 20.000 Tote gekostet.

Massimo Galli, Infektiologe aus Mailand

Zur aktuellen Einordnung: In vielen Teilen Italiens hatte sich die Corona-Situation zuletzt nach einem deutlichen Anstieg der Zahlen zuvor etwas verbessert, und der Druck auf die Krankenhäuser nahm leicht ab.

Coronavirus-Pandemie in Italien: Fast 760.000 aktive Corona-Fälle landesweit

Deshalb hatte die Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte in Rom angekündigt, die Zahl der Roten Zonen mit strikten Ausgangsbeschränkungen stark zu reduzieren.

Als letzte Region wurde zum Wochenanfang (7. Dezember) die Gebietskörperschaft Abruzzen in Mittelitalien auf die Warnstufe Orange zurückgestellt. Die Zahl der aktiven Covid-19-Fälle lag landesweit zur selben Zeit bei fast 760.000.

Quelle: GesundheitsministeriumCorona-Tote binnen 24 StundenAktive Corona-Fälle in Italien
Donnerstag, 3. Dezember993759.982
Freitag, 4. Dezember814757.702
Samstag, 5. Dezember662754.169
Sonntag, 6. Dezember564755.306

Mediziner Galli, der im Krankenhaus Sacco in Mailand arbeitet, schließt dagegen eine dritte Corona-Welle nicht aus.

Coronavirus-Pandemie in Italien: Mailänder Medizinier erhebt wegen Covid-19 schwere Vorwürfe

„Offensichtlich ja“, meinte er dazu, „das sind Dinge, die wir seit Tagen wiederholen: Wenn Sie einen günstigen Trend feststellen können, bedeutet dies, dass die ergriffenen Maßnahmen Wirkung zeigen, aber es bedeutet nicht, dass das Virus verschwunden ist.“

Sein Vorwurf: Der angebliche „Mangel an Respekt“ vor Covid-19 durch die Bevölkerung habe nun zu der „schrecklichen Neubelebung (der Pandemie, d. Red.) im Herbst“ geführt. (pm)

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