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Spahns düstere Dezember-Prognose: „Selbst wenn es ab morgen keine Infektionen mehr in Deutschland gäbe ...“

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Von: Tim Althoff

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Auf der Pressekonferenz schlägt Jens Spahn einmal mehr Alarm. Vor allem die Belastung der Intensivstationen bereiten ihm Sorge. Das zeigte er anhand einer Prognose auf.

München - Mit jeder weiteren Pressekonferenz werden sie deutlicher, eindringlicher, fast schon verzweifelter. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, versuchten einmal mehr, die Dringlichkeit der aktuellen Corona-Situation in Deutschland zu schildern. Für den emotionalsten Moment sorgte dabei Wieler, der zu Beginn seines Statement einen Moment inne hielt, um die vielen Toten der Pandemie zu betrauern. So fragte er sichtlich berührt, was es denn noch brauche, damit jeder versteht, was auf dem Spiel stehe. „Lassen sie uns die Pandemie bekämpfen, als ob unser Leben davon abhängt“, bekräftigte er.

Das Duo erneuerte die Forderungen nach „deutlichen Kontaktbeschränkungen“, Absagen von Großveranstaltungen und wenn es sein müsse, das regionale „Runterfahren des öffentlichen Lebens“ - ohne dabei aktiv das Wort „Lockdown“ benutzen zu wollen. Warum diese Maßnahmen schnellstmöglich greifen müssen, legte Wieler anhand von Zahlen dar. 18,9 Prozent der Intensivbetten in Deutschland würden aktuell von Covid-Patienten belegt werden. Das höre sich zwar nicht viel an, „entspricht aber jedem fünften überhaupt verfügbaren Bett“.

Jens Spahn zeigte auf der Pressekonferenz einige bedenkliche Zahlen auf.
Jens Spahn zeigte auf der Pressekonferenz einige bedenkliche Zahlen auf. © Florian Gaertner/photothek.de via imago images

Coronavirus: RKI-Chef Wieler führt neue Zahlen auf - Spahn macht schlimme Prognose

So würden mehr als 4.000 Patienten in Deutschland aufgrund von Corona intensivmedizinisch behandelt werden. 2.000 Patienten wurden innerhalb von nur sieben Tagen erstmalig auf Intensiv verlegt. Der Großteil sei 50 bis 79 Jahre alt, ganze 85 Prozent davon müssten beatmet werden. Dies sei für die betroffenen Menschen und das behandelnde Personal eine schwierige und belastende Situation.

Spahns düstere Prognose zu dem Thema: „Selbst wenn es ab morgen keine Infektionen mehr in Deutschland gäbe: Alleine mit den 150.000 Infektionen der letzten zwei Tage wird es 1000 zusätzliche Intensivpatienten in zehn bis 14 Tagen geben.“ Das Gesundheitssystem würde weiterhin belastet werden, ein Zurück gibt es da nicht. „Das wird sich so oder so noch verstärken. Die hat ihren Höhepunkt, selbst wenn wir es jetzt um 100 Prozent stoppen, leider nicht erreicht“, mahnt der CDU-Politiker.

Coronavirus: Impfkampagne macht neue Hoffnung

Trotz aller Warnungen und Appelle wird aber auch noch Hoffnung auf ein angenehmes Weihnachten gemacht. Aktuell stünden wir laut dem Leiter des Robert-Koch-Instituts an einer metaphorischen Kreuzung, die entweder „ins Chaos“ und zu einem schlechten Ende führe, oder zur Entlastung des Gesundheitssystems und „einem friedlichen Weihnachtsfest“. Wir hätten noch die Möglichkeit, mit entsprechenden Maßnahmen gegen die vierte Welle entgegen zu wirken. Dahingehend positiv ist auch der aktuelle Aufschwung der Impfkampagne. Laut Spahn würden in den kommenden Tagen 18 Millionen Booster-Dosen geliefert werden, über 100.000 Leute hätten sich außerdem kürzlich ihre Erstimpfung geholt. „Jedes Prozent, das die Impflücke schließt, hilft uns in der Pandemiebekämpfung“, so der Gesundheitsminister.

Welche Maßnahmen von der Politik nun tatsächlich ergriffen werden, klärt sich in den kommenden Tagen. Für Spahn und Wieler ist klar: „Umso schneller wir jetzt auf die Bremse treten, desto besser!“ Ansonsten würde uns die aktuelle Welle härter und härter treffen und in „zwei bis vier Wochen“ noch drastischere Maßnahmen erzwingen. Dann zeigt sich auch, welche Richtung Deutschland auf der Kreuzung eingeschlagen hat und ob die Wegführung nicht doch eher in einer unverhofften Einbahnstraße endet. Viel deutlicher können Spahn und Wieler in ihren Warnungen und Prognosen jedenfalls kaum werden. (ta)

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