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Neue Studie: Jeder fünfte Corona-Infizierte chronisch erschöpft – Lauterbach reagiert

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Von: Bettina Menzel

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Einer aktuellen Studie zufolge leidet rund jeder Fünfte nach einer Corona-Infektion unter chronischen Erschöpfungszuständen. Junge Frauen sind besonders betroffen.

Berlin - In Deutschland sterben laut RKI-Daten jeden Tag rund 100 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus, in den USA sind es knapp 400. Der US-Präsident Joe Biden hat dennoch - scheinbar in guter Pofalla-Tradition - in der vergangenen Woche die Corona-Pandemie für beendet erklärt, räumte aber ein, dass es „immer noch ein Problem mit Covid“ gebe. Eines dieser Probleme sind die langfristigen Folgen einer Infektion. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wies am Donnerstag auf eine neue Studie zu den Folgen von Corona hin. Etwa jeder fünfte Proband litt auch Monate nach einer Genesung unter klinisch relevanter Erschöpfung.

Lauterbach weist auf Studie zu chronischer Erschöpfung nach Coronainfektion hin

Bundesgesundheitsminister Lauterbach ist selbst ausgebildeter Epidemiologe und teilt auf seinem Twitter-Kanal immer wieder die neuesten Studienerkenntnisse zum Coronavirus. Am Donnerstag wies er auf eine am Samstag im medizinischen Fachjournal eClinicalMedicine erschienene Studie hin, die er als „methodisch gut gemacht“ bezeichnete. Forscher der Universitäten Kiel und Würzburg untersuchten die Folgeerscheinungen einer Coronainfektion anhand von 969 Probanden und einer ebenso großen Kontrollgruppe. Die Teilnehmer waren im Schnitt vor neun Monaten an Corona erkrankt, die Kontrollgruppe hatte sich indes nicht infiziert. Im Fokus der Gegenüberstellung standen Häufigkeit und Schweregrad von chronischer Erschöpfung und kognitiven Beeinträchtigungen nach einer Covid-Infektion.

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Porträt bei einer Rede im Plenum des Bundestags (Archivbild, 16. September 2022). © IMAGO / Political-Moments

Die Studie zeige „ein hohes Vorkommen, fast 20 Prozent, von chronischer Erschöpfung neun Monate nach Coronainfektion“, so der Minister über die Erkenntnisse der Untersuchung. 188 der von Corona-Genesenen (19 Prozent), doch nur 78 Probanden der Kontrollgruppe (8 Prozent) wiesen Erschöpfungserscheinungen auf. Diese Folgeerscheinung sei statistisch signifikant häufiger bei den Corona-Genesenen vorgekommen, als in der Kontrollgruppe ohne Infektion, erklärten die Forscher in ihrer Studie. Eine Ausnahme bildete die Altersgruppe der über 65-Jährigen, bei denen die chronische Erschöpfung recht gleich verteilt war.

Diese Faktoren begünstigen einen chronischen Erschöpfungszustand nach einer Corona-Infektion

Die Wissenschaftler nannten bestimmte Faktoren, die mit der chronischen Erschöpfung in Verbindung gebracht werden konnten, dazu zählten unter anderem das weibliche Geschlecht, ein jüngeres Alter, Depressionen in der medizinischen Vorgeschichte und die Anzahl der akuten COVID-Symptome während der Erkrankung. „Oft sind junge Frauen betroffen“, fasste Lauterbach diese Beobachtungen kurz zusammen und ergänzte: „Der Leidensdruck ist groß. Die Forschung läuft auf Hochtouren.“

Studie: Fatigue and cognitive impairment after COVID-19: A prospective multicentre study

Tim J. Hartung, Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin,
Department of Medical Psychology and Medical Sociology, University Medical Center Leipzig, Leipzig, Germany;

Christian Neumann, Neurology Department, University Medical Center Schleswig-Holstein, Campus Kiel; et al.

erschienen in eClinicalMedicine am 17. September 2022. Zur Studie.

Etwa jeder vierte Corona-Genesene (26 Prozent) wies in der Studie zudem eine leichte und etwa ein Prozent der Teilnehmer sogar eine mittlere kognitive Beeinträchtigung auf. Davon betroffen waren eher Männer, ältere Menschen und Personen mit einer neuropsychiatrischen Erkrankung in der Vergangenheit oder einer geringeren Bildung. Einen signifikanten Zusammenhang zwischen chronischer Erschöpfung und einer kognitiven Beeinträchtigung stellten die Forscher indes nicht fest. Denn nur fünf Prozent der Probanden litten unter beiden Folgeerscheinungen. Auch vorherige Studien wiesen bereits darauf hin, dass das Coronavirus Erschöpfungszustände auslösen kann. Die jetzt erschienene Studie umfasste jedoch im Vergleich zu früheren Untersuchungen mehr Patienten sowie eine Kontrollgruppe.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte die Studie finanziell, hatte jedoch keinen Einfluss auf das Studiendesign, Datenerhebung, Datenanalyse, Interpretation der Daten oder auf den finalen Bericht.

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