Deutschland mit „gravierenden Einschränkungen“

Bittere Folgen des Lockdowns? Tausende Krebs-Tote im UK erwartet - Gefahr auch in Deutschland

  • Antonio Riether
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Corona/Neue Studie: Britische Forscher rechnen nun mit tausenden Krebs-Toten aufgrund der Corona-Maßnahmen. In Deutschland könnte die Situation auch besser sein.

  • Britische Forscher analysierten Daten aus den wichtigsten Krebszentren Großbritanniens.
  • Der Analyse zufolge könnten tausende Krebspatienten aufgrund des Corona-Lockdowns* sterben.
  • In Deutschland gibt es „gravierende Einschränkungen“ bei Abklärung und Früherkennung der Krankheit.

London - Britische Forscher analysieren auch während des Lockdowns das Verhalten der Menschen und stellen eine beunruhigende Prognose. Demnach könnten im kommenden Jahr aufgrund des Corona-Lockdowns* in Großbritannien rund zwanzig Prozent mehr neu diagnostizierte Krebspatienten an ihrer Krankheit sterben als sonst in einem zwölfmonatigen Zeitraum. 

Britische Studie zu Corona und Krebs: Diagnostik und Behandlung mit starkem Rückgang - Tausende Tote erwartet

Diese Schätzungen begründen die Wissenschaftler mit dem starken Rückgang der Diagnostik sowie der Behandlung von Krebserkrankungen. Die Daten für die Analyse stammten dabei aus wichtigen Krebszentren in Großbritannien. Die Studie ergab, dass sich die Zahl der Dringlichkeitsüberweisungen mit Verdacht auf Krebs durch einen Hausarzt um 76 Prozent reduzierte. Auch die Zahl der Chemotherapie -Termine sank verglichen mit dem Niveau vor dem Lockdown um ganze 60 Prozent.

Rund 31.000 Menschen mit neu diagnostiziertem Krebs starben vor der Pandemie innerhalb eines Jahres, wie die Analyse feststellte. Aufgrund des Rückgangs bei Diagnostik und Behandlung könnten nun gut 6000 Menschen mehr als im Durchschnitts-Jahr an Krebs sterben. Das wird in der am Mittwoch veröffentlichten Studie geschätzt. Beteiligt an der Forschung waren das University College London sowie die Forschungsstelle zu Behandlungsdaten für Krebspatienten. Unter der Einbeziehung aller derzeit mit Krebs lebenden Menschen könnte die Zahl der zusätzlichen Todesfälle auf 18.000 steigen.

Corona hat „Potenzial für unabsichtliche Folgen“ - Deutschland mit Patientenschwund

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten das „erhebliche Potenzial für unbeabsichtigte Folgen“, das mit dem Coronavirus* einhergeht, schrieb die federführende Autorin der Studie, Alvina Lai vom Institut für Gesundheitsinformatik am University College in London, in einer Mitteilung. Die Lockdown-Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie können sich negativ auf die Krebspatienten auswirken. Darum müsse man Patienten aus Risikogruppen schneller erkennen und behandeln. 

Auch in Deutschland ist der Patientenschwund in den Kliniken bemerkbar, ein Kardiologe äußerte ich besorgt. Die Task Force des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft konnte bislang aber keine Versorgungsengpässe feststellen. „Doch wir erkennen inzwischen auch, dass das Versorgungssystem spürbar gestresst ist und die Einschränkungen aufgrund der Krisensituation negative Auswirkungen für Krebspatienten haben können“, so Gerd Nettekoven, Chef der Deutschen Krebshilfe, gegenüber n-tv.

Deutschland in der Corona-Krise: „Gravierende Einschränkungen“ von Abklärung von Krebserkrankungen 

Ein Problem seien jedoch „gravierende Einschränkungen in allen Teilen Deutschlands bei der Abklärung von Krebserkrankungen und Früherkennungsuntersuchungen“. Patienten würden aus Furcht vor einer Corona-Infektion* öfter von einem Arztbesuch absehen.

Das Aussetzen solcher Maßnahmen seien „nur über einen kurzen Zeitraum tolerierbar, sonst werden Tumore möglicherweise erst in einem fortgeschrittenen Stadium mit dann schlechterer Prognose erkannt“, meinte Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums zu n-tv. Menschen sollten sich deshalb nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen. 

ajr

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In vielen Ländern Europas entdecken Ärzte bei Kindern rätselhafte Symptome. Nun wurden auch in Deutschland Fälle bekannt.

Rubriklistenbild: © dpa / Peter Kneffel

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