München verbietet Symbol bei Protesten

Zahlreiche Corona-Demos am Pfingstwochenende - NS-Vergleich sorgt in München vorab für Wirbel

Corona-Demonstrationen: Am Pfingstwochenende kam es in deutschen Städten zu Protesten. Die Stadt München griff bereits zuvor wegen eines NS-Vergleichs durch.

Update vom 1. Juni, 12.40 Uhr: Zwar gingen am Pfingstwochenende, zumeist am Samstag, in vielen deutschen Städten erneut Menschen auf die Straße, um gegen Corona-Restriktionen* zu protestieren. Doch die Teilnehmerzahlen lagen oft unter den angemeldeten Werten. Damit geht parallel zur Aufhebung von Beschränkungen die Beteiligung an Demonstrationen gegen die staatlichen Auflagen zurück. Mancherorts fanden auch Demonstrationen statt, die sich gegen Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker richteten. 

In Stuttgart, wo zuletzt die deutschlandweit größten Proteste stattgefunden hatten, demonstrierten am Samstag 150 Menschen. Tags drauf waren es noch einmal mehrere hundert Menschen. Für Samstag waren allerdings mehrere Demos mit teils mehreren tausend Teilnehmern angemeldet gewesen.

Corona-Demos: 700 Menschen kamen in München zu einer Kundgebung

Rund 700 Menschen kamen in München zu einer Kundgebung unter dem Motto „Zusammenstehen für Freiheit, Grundrechte und Selbstbestimmung“. Zuvor hatte die Stadt München die Verwendung des „Judensterns“ auf Corona-Demonstrationen verboten. Der Grund war, dass auf einigen Kundgebungen dieser gelbe Stern mit der Inschrift „ungeimpft“ gezeigt wurde und damit Assoziationen an die Verfolgung während der Nazi-Zeit geweckt werden sollten.

In München wurde der Judenstern im Zusammenhang bei Corona-Demos verboten.

In Bayern gab es neben München auch in Nürnberg, Würzburg und Schweinfurt Demonstrationen - aber auch hier mit weniger Teilnehmern als angemeldet. Zu einer in Aschaffenburg aufgerufenen Spontan-Demo erschien laut Polizeiangaben niemand. 

In Frankfurt am Main demonstrierten insgesamt rund 550 Menschen bei mehreren Veranstaltungen. In Berlin zählte die Polizei am Samstag bei mehreren Demonstrationen jeweils um die 50 Menschen. Die meisten Demonstranten waren wohl bei einer Kundgebung des Vegan-Kochs Attila Hildmann nahe dem Bundeskanzleramt. Dort waren etwa 150 Menschen vor Ort. Eine weitere Demonstration gab es am Sonntag am Mauerpark. 

In Thüringen kamen laut Polizeisprecher landesweit etwa 450 Menschen zu Kundgebungen. Angemeldet waren rund 1400 Demonstranten unter anderem in Erfurt, Weimar, Jena und Nordhausen.

Corona-Demos: München verbietet NS-Vergleich bei Protesten

Update vom 31. Mai, 17.07 Uhr: Die Stadt München schreitet gegen die Verwendung des gelben „Judensterns“ auf Corona-Demonstratione n ein. Das Verbot sei bereits Teil des Auflagenbescheids der Stadt München für die Demonstration am Samstag gewesen, bestätigte ein Sprecher der Polizei am Sonntag auf Anfrage. Zuerst hatte der Bayerische Rundfunk (BR) darüber berichtet.

Hintergrund des Verbots ist, dass auf einigen Corona-Kundgebungen der sogenannte Judenstern, eine den Juden von den Nationalsozialisten aufgezwungenen Kennzeichnung, mit der Inschrift „ungeimpft“ gezeigt wurde. Damit sollen Assoziationen an die Verfolgung während der Nazi-Zeit geweckt werden. Laut Polizei droht bei einem Verstoß ein Bußgeld*.

Wie in anderen Städten auch hatten am Samstag in der bayerischen Landeshauptstadt mehrere Hundert Menschen gegen eine Beschneidung von Grundrechten beim Kampf gegen das Corona-Virus protestiert. 

Corona-Demos: Autokorso mit Attila Hildmann zieht vors Kanzleramt - Proteste in vielen Städten geplant

Erstmeldung vom 30. Mai: Berlin/München - Unter den zahlreichen angekündigten Demonstrationen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus bekommt besonders eine Aufmerksamkeit: In Berlin hat der umstrittene Vegan-Koch Attila Hildmann zu einem Autokorso aufgerufen. Auch in anderen deutschen Städten - etwa München oder Hamburg - erwarten Veranstalter mehrere tausend Teilnehmer für Demonstrationen.

Während die Demonstranten teilweise wenig Engagement zeigen, sich von rechten Strömungen abzugrenzen, teilen grundsätzliche Forderungen viele Menschen. Einer jüngsten Umfrage zufolge wünschen sich die Deutschen - im Falle einer erneuten Epidemie - eine bessere Legitimation der Maßnahmen, die Solidarität scheint zu bröckeln. Vielerorts starten nun auch Demonstrationen gegen rechte Bewegungen.

Corona-Krise: Demonstration von Attila Hildmann in Berlin startet mit Autokorso

Mit einem Aufgebot von 550 Einsatzkräften ist die Polizei in Berlin am Samstagnachmittag unterwegs. Laut einem Polizeisprecher sei es bis zum Mittag aber ruhig geblieben. 

Beobachtern zufolge hat auch der Autokorso Hildmann, der sich in den letzten Wochen vor allem in der Szene der Verschwörungstheoretiker einen Namen gemacht hat, nur wenige Anhänger erreicht.

Videos zeigen, wie er vor Angriffen von „Antifa“-Anhängern warnt - wie sie derzeit in den USA passieren würden, wo nach dem gewaltsamen Tod eines Afroamerikaners durch Polizisten protestiert wird - sich dabei aber nicht von Rechtsextremisten distanziert.

Corona-Krise: Demonstrationen in Städten sollen am Nachmittag beginnen

In München wurde den Veranstaltern noch am Freitag erneut untersagt, mehr als 1000 Menschen auf der Theresienwiese zu versammeln sowie - aus Befürchtung vor rechtsextremen Verschwörern - das Tragen eines Davidsterns verboten. Die Veranstalter hatten eine Genehmigung für bis zu 10.000 Menschen beantragt, was aus Gründen des Infektionsschutzes aber untersagt wurde - es werden aber mehrere Tausend Menschen zur Demonstration in München erwartet.

Auch in Nürnberg werden ab 15.30 an der Wöhrder Wiese und am Westpark mehr als 1500 Teilnehmer erwartet, in Hamburg sind laut n-tv 14 verschiedene Demonstrationen geplant, die größte unter dem Motto „Mahnwache für das Grundgesetz“. 

*Merkur.de und tz.de sind Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

dpa/kat

Rubriklistenbild: © dpa / Christoph Schmidt

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