Virologen über die Zeit nach November

Kommt ein dritter Lockdown? Deutsche Virologen gespalten - „Dann funktioniert es nicht mehr“

  • Thomas Konnerth
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Nach dem Lockdown im November wird es nicht so weitergehen, als wäre das Coronavirus verschwunden. Wie verhindern wir also einen dritten Lockdown? Virologen geben einen Ausblick.

  • Noch ist unklar, wie die Corona-Pandemie* nach dem Lockdown Light weitergeht.
  • Könnte es zu einem 3. Lockdown kommen? Wie lässt sich ein weiterer Lockdown verhindern?
  • Deutsche Virologen geben einen Ausblick über die nächsten Schritte.

Update vom 7. November: Erneut sind sich Deutschlands Top-Virologen uneinig. Hendrik Streeck kritisierte Merkels „Lockdown Light“-Strategie. Dafür erhielt er Gegenwind von Christian Drosten.

Erstmeldung vom 4. November:

München - Seit dem 02. November wurden in Deutschland die Maßnahmen gegen das Coronavirus verschärft. Der „Lockdown light“ soll dafür sorgen, dass die Fallzahlen positiv getesteter Personen zurückgehen. Dies soll geschehen, bevor es in Deutschland zu einer maximalen Auslastung des Gesundheitssystems und der benötigten Intensivbetten kommt. Aber wie geht es nach diesen Einschränkungen weiter und wie können wir in Deutschland einen dritten Lockdown verhindern? Die Standpunkte der deutschen Experten gehen hier auseinander.

Dritter Corona-Lockdown in Sicht? So bewerten Virologen und Experten die Lage in Deutschland

Karl Lauterbach, SPD-Politiker und Gesundheitsexperte der Partei, hatte sich bereits vor der Verkündung des aktuellen Lockdowns für einen „Wellenbrecher-Lockdown“ ausgesprochen. Man müsse laut Lauterbach vor jedem Anstieg der Corona-Zahlen* reagieren, allerdings solle dies nicht über eine Einzelfallverfolgung, sondern über Quellcluster erfolgen: Anstelle eines kompletten Herunterfahrens soll nur das betroffene Cluster, wie beispielsweise eine Schulklasse oder ein Sportverein in Isolation. „Das Gesundheitsamt verhängt Clusterisolation für zehn Tage“, so Lauterbach. „Nach fünf Tagen kann man sich ‚freitesten‘ lassen.“

Einen anderen Weg schlagen die Virologen Jonas Schmidt-Chanasit und Hendrik Streeck vor. Vor dem Beschluss des „Lockdown Light“ legten die Virologen Bund und Ländern ein eigenes Positionspapier vor. Ein Lockdown ist für das Bündnis aus Virologen und Ärzten nicht die beste Option für den weiteren Umgang mit dem Coronavirus*. Vielmehr solle man sich auf die Risikogruppen fokussieren, so Hendrik Streeck. Besucher sollen nur nach einem negativen Schnelltest Zugang zu Pflege- und Seniorenheimen bekommen, Pfleger und Personal sollen ebenfalls regelmäßig getestet werden. „Es ist ein Marathon, kein Sprint“, so Streeck.

Dritter Lockdown in Deutschland? So bewerten Virologen und Experten die Lage

Virologin Melanie Brinkmann steht am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung HZI.

Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hofft auf eine bessere Nachverfolgung des Coronavirus. Im Talk bei „Maybrit Illner“ fordert Brinkmann, der aktuelle Lockdown müsse die Gesundheitsämter wieder in die Lage versetzen, die Infektionen* nachzuverfolgen und einzudämmen. „Das funktioniert aber auch nicht mehr, wenn es aus dem Ruder läuft“, so Brinkmann.

Ohne eine Möglichkeit, Fälle und Kontakte nachzuvollziehen erhöhe sich die Dunkelziffer laut Brinkmann immer weiter. Das würde zu Lasten der Risikogruppen fallen. In einem Punkt sind sich die Experten allerdings einig: Eine langfristige Quarantäne ausschließlich für die gefährdeten Risikogruppen ist keine Option. (tko) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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