Zwei medizinische Mitarbeiter behandeln einen Covid-19-Patienten.
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Long-Covid: Bei einer Corona-Infektion drohen Langzeitfolgen - Ein Forscherteam hat ein Prognosemodell entwickelt.

Viele Erkrankte betroffen

Symptome für Long-Covid: Studie will vorhersagen, wann Corona-Langzeitfolgen drohen

  • Moritz Bletzinger
    vonMoritz Bletzinger
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Auch bei leichtem Verlauf kann eine Infektion mit dem Coronavirus schwere Neben- und Spätfolgen mit sich bringen. Was sind die Anzeichen für Long-Covid?

München - Eine Covid-Erkrankung kann scheinbar problemlos vorübergehen. Doch auch bei mildem Verlauf der Krankheit ist das Coronavirus tückisch. Enorme Spät- und Nebenfolgen sind möglich. Greift das Virus beispielsweise das Gehirn an, können schlimme Folgeerkrankungen eintreten.

Doch wann ist eine Corona-Infektion wirklich überstanden? Einige Menschen bekommen die Symptome nach einer Infektion einfach nicht mehr los. Dann sprechen Mediziner vom sogenannten Long-Covid.

Wie deuten sich die Langzeitfolgen an? Dieser Frage ist nun ein britisches Forscherteam nachgegangen. Demnach leiden über 20 Prozent der Erkrankten teils noch Monate nach der Infektion an typischen Beschwerden. Die Studie wurde erstmals in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ publiziert. In Deutschland warnte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bereits wiederholt vor Long-Covid. Neben der teils langsamen Rückbildung der Covid-Symptome seien aber die möglichen Langzeitschäden noch viel bedeutender.

Risiko für Long-Covid: Forscher begleiten über 4.000 Corona-Patienten

4.182 Corona-Patienten aus Großbritannien, Schweden und den USA verfolgten ihre Symptome dafür mittels einer App. Knapp 13 Prozent klagten noch einen Monat nach Krankheitsbeginn über Beschwerden. 4,5 Prozent registrierten über zwei Monate lang Anzeichen. Und 2,3 Prozent litten noch nach einem Vierteljahr an Folgen der Erkrankung.

Ist bereits frühzeitig zu erkennen, welche Patienten Long-Covid entwickeln könnten? Die Wissenschaftler errechneten anhand der Symptome in der ersten Krankheitswoche, dem Geschlecht und dem Alter der Teilnehmer:innen ein Modell, mit dem sie die Langzeitfolgen prognostizieren wollen.

Sechs Symptome für Long-Covid: Modell erkennt 75 Prozent der Corona-Langzeitfälle

Sechs Symptome stellten sich den Erkenntnissen zufolge als Warnzeichen heraus. Atemprobleme, Kopfschmerzen, Muskelschwäche und Heiserkeit sind demnach die signifikantesten Anzeichen für Long-Covid. Bei Patienten über 70 Jahren werden außerdem Störungen des Geruchssinns mit dem Risiko verknüpft.

Zur Überprüfung wendeten die Forscher ihr Long-Covid-Prognosemodell bei über 2.400 Corona-Patienten an. In etwa 75 Prozent der Fälle lagen sie richtig.

Corona-Langzeitfolgen: Mediziner sieht Long-Covid-Studie skeptisch

Was sagt diese Trefferquote über das Modell aus? Professor Tobias Welte, Pneumologe und Leiter der Covid-Ambulanz für Genese der Medizinischen Hochschule Hannover, schätzte die Studie für Bild.de ein. Und äußert sich durchaus skeptisch.

„Wenn Sie sich die Symptome angucken, fällt auf, dass die nicht besonders spezifisch sind“, bemängelt er, „so können Kopfschmerzen und Erschöpfung die Folge sehr vieler Lebensumstände sein und müssen nicht zwangsläufig auf eine Covid-Erkrankung zurückzuführen sein.“

Symptome für Long-Covid? Experte erläutert zwei Gruppen von Betroffenen

Zudem verweist Welte auf die wichtige Unterscheidung zweier Gruppen von Long-Covid-Fällen. Etwa zehn Prozent der Betroffenen litten an strukturellen Veränderungen der Lunge oder des Herzens, erklärt er. Die zweite, deutlich größere Gruppe würde an einem „unspezifischen Symptomkomplex“ leiden, den Mediziner als Fatigue- oder Mattigkeits-Komplex bezeichnen.

Die Long-Covid-Prognose anhand der Symptome im Frühstadium der Corona-Erkrankung hält Welte für schwierig. Nicht alle Patienten mit den genannten Beschwerden hätten auch Spätfolgen entwickelt. Den Zusammenhang mit dem Geschlecht bestätigt Welte aber: „Bei Covid-19 ist es verrückt. Denn obwohl bei Männern das Risiko doppelt so hoch ist, schwer zu erkranken und zu versterben, haben Frauen das dreifache Risiko, an Spätfolgen zu leiden. Das könnte daran liegen, dass das männliche und weibliche Immunsystem genetisch bedingt völlig unterschiedlich ist.“

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