Neue Langzeit-Komplikation entdeckt?

Corona-Spätfolgen: Forscher warnen vor bisher unbekanntem Long-Covid-Symptom - Studienergebnisse „alarmierend“

  • Momir Takac
    vonMomir Takac
    schließen

Gut ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie sind einige Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung bekannt. Jetzt haben Forscher womöglich ein bislang unbekanntes Symptom identifiziert.

München - Wer an einem Tinnitus leidet, weiß, wie belastend ein Rauschen, Brummen oder Piepen im Ohr sein kann. Die psychische Belastung für Betroffene ist immens. Ursachen für einen Tinnitus sind in der Medizin nicht geklärt. Das Ohrensausen tritt oft nach einem Hörsturz auf, der wiederum durch Stress ausgelöst werden kann.

Was auch immer ursächlich für einen Tinnitus ist, eines war es bislang zumindest nicht: Covid-19. In Deutschland ist er nicht als Corona-Symptom oder Langzeitfolge gelistet. Forscher machten insgesamt 55 typische Langzeiteffekte im Zusammenhang mit Covid-19 aus.

Betroffene berichten über Ohrensausen nach Corona-Infektion

Britische Forscher berichten nun über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem belastenden Geräusch im Ohr und einer Corona-Erkrankung. Der Audiologe Kevin Munro von der Universität Manchester führte mit seinem Kollegen Ibrahim Almufarrij eine Überblicksstudie durch. Die Ergebnisse wurden jetzt im Journal of International Audiology veröffentlicht.

Die beiden Wissenschaftler untersuchten 56 Querschnittsstudien und Fallberichte und fanden heraus, dass etwa 15 Prozent der Patient:innen über Ohrensausen berichteten, das entweder nach ihrer Infektion mit dem Coronavirus auftrat oder dadurch verstärkt wurde. Bei 7,6 Prozent der Betroffenen kam es zu einem Hörsturz, 7,2 Prozent litten unter Drehschwindel.

Neue Studie: Löst das Coronavirus einen Tinnitus aus?

Munro sagte der New York Times, dass er bereits kurz nach Veröffentlichung der Studie zahlreiche Rückmeldungen erhalten habe: „In den ersten 24 Stunden danach erhielt ich rund hundert E-Mails von Menschen, die gesagt haben ‚Ich bin so glücklich, das zu lesen, mein Arzt hat mich für verrückt erklärt, als ich Tinnitus als eines der Symptome nannte. Jetzt weiß ich, dass ich damit nicht allein bin.‘“

Laut den Forschern lassen die Ergebnisse vermuten, dass das Coronavirus auch die Ohren oder das Hörsystem befallen kann. Doch was genau ursächlich ist, müsse weiter erforscht werden, auch wenn die Ergebnisse „alarmierend“ seien, wie Munro sagt. Es sei nicht klar, ob das Virus selbst den Tinnitus auslöst.

Long-Covid: Studie aus 2020 kommt zu ähnlichem Ergebnis

Auch die Audiologin Eldre Beukes von der Anglia Ruskin University in England führte 2020 eine Studie durch, die ähnliche Ergebnisse hervorbrachte. Sie untersuchte 3100 Menschen mit einem Tinnitus, 237 von ihnen waren mit dem Coronavirus infiziert. Der New York Times sagte Beukes, dass 40 Prozent der mit Sars-CoV-2 infizierten Studienteilnehmer angaben, dass sich ihr Zustand „bedeutend verschlechtert“ habe.

Für Beukes steht ebenfalls nicht fest, dass der Tinnitus durch die Krankheit selbst ausgelöst wird. Auch Nebenwirkungen von Medikamenten könnten ursächlich sein. Zudem sorge die Corona-Pandemie bei vielen Menschen für ein erhöhtes Stresslevel. Daher könne sich das Ohrensausen auch unabhängig von einer Corona-Infektion verstärken. Ein britisches Forscherteam ist der Frage nachgegangen, wie sich Corona-Langzeitfolgen andeuten. (mt)

Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare