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Experten entdecken in Malaysia komplett neuartiges Coronavirus

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Von: Julia Schöneseiffen

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Forschungslabor Corona Covid-19 Sars-CoV-2
Wissenschaftler finden ein neuartiges Coronavirus. (Symbolbild) © Giorgos Kontarinis/imago

Coronaviren gibt nicht erst seit dem Jahr 2019. Bereits vor beinahe 20 Jahren infizierten sich Menschen mit solchen Viren. Jetzt entdeckten Forscher ein neuartiges Coronavirus.

Malaysia - Seit über einem Jahr kämpft die Welt gegen das Coronavirus. 2019 brach das Coronavirus mit der Bezeichnung Sars-CoV-2 aus und infizierte seitdem mehr als 164 Millionen Menschen. Mit der Entwicklung der Impfstoffe soll das Leben künftig zur Normalität zurückkehren. Dabei schwingt jedoch immer die Sorge vor Corona-Mutationen wie B.1.1.7 mit, die den Impfschutz möglicherweise umgehen und die gerade sinkenden Corona-Zahlen wieder steigen lassen könnten.

Dabei wird oft vergessen, dass es die Coronaviren nicht erst seit dem Jahr 2019 gibt. Experten haben nun in Malaysia ein komplett neuartiges Coronavirus entdeckt. Dieses scheint auch für Menschen ansteckend zu sein. Sein Ursprung: der Hund.

Coronavirus: Infektionen seit 2003

Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu Fällen, bei denen sich Menschen an Tieren mit neuen Coronaviren angesteckt haben. So wurde im Jahr 2003 bekannt, dass sich immer mehr Menschen mit einer neuen Variante des Sars-Coronavirus (Sars-CoV) ansteckten. Diese Variante war tierischem Ursprung und wurde erstmalig 2002 in China registriert.

Das RKI vermutete mindestens neun Sars-Fälle in Deutschland. Im Jahr 2012 gab es erneut Meldungen zu einem Coronavirus. Ein sogenanntes Mers-Coronavirus infizierte mehrere Menschen - auch diesmal mit einem tierischen Ursprung: dem Dromedar. Wieder ein knappes Jahrzehnt später, im Jahr 2019, wurden schließlich die ersten Fälle von Sars-CoV-2 bekannt.

Der Mediziner Gregory Gray, Epidemiologe an der Duke University, fasste daraufhin den Beschluss zu untersuchen, ob aktuell weitere Coronaviren im Umlauf sind, die das Potenzial haben erneut eine Pandemie auszulösen.

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Neuartiges Coronavirus: Forscher testen Proben aus Malaysia positiv

Die bisherigen Testmethoden sind auf das Coronavirus Sars-CoV-2 beschränkt. „Die Diagnostik ist da sehr spezifisch. Der Fokus liegt dort generell auf bekannten Viren“, erklärte Gray gegenüber dem National Public Radio (NPR) aus den USA. Dies erschwere sein Untersuchungsvorhaben, neue Coronaviren zu finden. Daher beauftragte er die Doktorandin Leshan Xiu, einen Test für andere Coronaviren zu entwickeln. Diese erarbeitete mit Erfolg ein neues Testverfahren.

2020 fanden Gray und Xiu mithilfe des neuen Testverfahrens Hinweise auf ein neuartiges Coronavirus. Damit in Verbindung stehen ebenfalls Lungenentzündungen bei Patienten - dabei stellten Kinder den größten Teil der Betroffenen dar. In dem Fachjournal Clinical Infectious Diseases veröffentlichten die beiden Wissenschaftler ihre Erkenntnisse. Zwischen 2017 und 2018 wurden getestete Proben aus einer Klinik in Malaysia erfasst. Insgesamt untersuchten Gray und Xiu 301 Testproben und fanden in acht der Proben Nachweise auf ein Coronavirus, dessen Ursprung auf Hunde zurückverfolgt werden konnte.

Hunde vermutlich Ursprung des neuen Virus: Übertragung auf den Menschen möglich

Die gefundenen Ergebnisse wurden von Virologin Anastasia Vlasova, Expertin in Sachen tierischer Coronaviren, gegengeprüft. „Bisher gab es keinen Nachweis darauf, dass Coronaviren bei Hunden auf den Menschen übertragen werden können“, erklärte sie gegenüber NPR. Da der größte Teil des Genoms aber auf Hunde zurückzuführen ist, sei es sehr wahrscheinlich, dass das Virus tatsächlich vom Hund direkt auf den Menschen übertragen wurde.

Zudem habe die Virologin eine einzigartige Mutation bei dem neu entdeckten Virus gefunden. Genauer gesagt eine Deletion in einem Genom, die in keinem anderen Coronavirus bei Hunden zu finden sei - dafür aber im menschlichen Coronavirus. Vlasova vermutet, dass diese Mutation ein wichtiger Schritt für das Virus hin zur Ansteckung von Menschen sein könnte. Bisher gibt es keine Anhaltspunkte für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Es bleibt zu hoffen, dass die Wissenschaft die Gefahr schnell genug erkannt hat und eine weitere Pandemie ausbleibt. In Ostasien steigen die Infektionszahlen rapide an und könnten globale Auswirkungen haben. (jsch)

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