Gebot gilt seit April 2020

Maskenpflicht nach Corona? Experten sehen Mundschutz an bestimmten Orten dauerhaft als „Option“

Seit Frühjahr 2020 gilt in Deutschland flächendeckend eine Maskenpflicht. Wie bleibt der Mund- und Nasenschutz unser täglicher Begleiter?

Das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes ist quasi zur Gewohnheit geworden. Wie lange gilt die Maskenpflicht noch? Experten sehen in ihr auch nach Corona „eine Option“.

Berlin - Der Mund- und Nasenschutz gehört mittlerweile schon zum Standardrepertoire im Alltag. Schlüssel, Portmonnaie, Handy - und Maske. Die Dinge, an die wir denken, wenn wir das Haus verlassen, haben sich in Pandemiezeiten verändert. Beim Einkaufen, in Bus- und Bahn sowie an stark frequentierten Orten ist das Tragen einer Maske seit Wochen obligatorisch, seit Kurzem müssen dabei oft sogar medizinische Masken wie FFP2-Masken getragen werden.

Corona: Maskenpflicht als Maßnahme zur Eindämmung des Virus - auch nach Covid-19 denkbar?

Wie lange die Maskenpflicht in Deutschland noch gilt, ist aktuell nicht abschätzbar. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass das Gebot nicht allzu schnell gestrichen werden wird. Die Bundesregierung sowie die Wissenschaft betonen stets, dass das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes in Ergänzung der allgemeinen Hygieneregeln wie Abstandhalten sinnvoll ist. Heißt konkret, dass es die Maskenpflicht vor allem an Orten braucht, an denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Werbung
Werbung

Die Maskenpflicht trägt also ihren Teil dazu bei, dass die Pandemie in der Bundesrepublik eingedämmt werden kann. Aber wie sieht es aus, wenn Covid-19 vorbei ist? Herrscht dann in Deutschland weiterhin eine Mundschutzpflicht? Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes, des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, hält dies zumindest an einigen Orten für möglich.

Inhalt wird geladen...
Für vollständige Anzeige bitte hier klicken.

Corona: Wegen Maskenpflicht? „Wir sehen in den Praxen deutlich weniger Infekte“

Denn wie der Mediziner gegenüber der Welt erklärt, seien aufgrund der geltenden Schutzmaßnahmen weniger Erkrankungen abseits von Covid-19 zu beobachten. „Wir sehen in den Praxen deutlich weniger Infekte, aber durch die Covid-19-Pandemie einen erheblich höheren Behandlungs- und Beratungsbedarf.“

Konkret gehe es dabei um zurückgegangene Grippe- oder Durchfallerkrankungen, was etwa auf häufigeres Händewaschen zurückzuführen sei und sich wohl ebenso durch die Maskenpflicht begründet, wie Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, erklärt: „Die Kontaktbeschränkungen, die verminderte Mobilität im Lockdown und natürlich die Einhaltung der AHA-Regeln dämmen nicht nur die Corona-Pandemie ein, sondern erschweren auch die Übertragung anderer Infektionskrankheiten.“

Corona-Lage nach der Pandemie: „Das Tragen von Masken in den Praxen kann eine Option sein“

Die ersten Ärzte fordern daher, auch nach Corona an einer Maskenpflicht in Praxen festzuhalten, da so das Ansteckungsrisiko bei Krankheiten abseits von Corona minimiert werden könnte. Ärztechef Heinrich sieht diesen Vorschlag mit zweierlei Blickwinkeln. „Das Tragen von Masken in den Praxen kann eine Option sein“, meinte der gebürtige Karlsruher, der in dieser Maßnahme allerdings kein Allheilmittel sieht. Denn Praxen seien „nicht der Herd von Infektionen“.

Aus Sicht des Vichowbundes sollte das Maskengebot daher insbesondere dort gelten, wo es zu größeren Ansammlungen von Menschen kommt – wie etwa im öffentlichen Nahverkehr. Auch nach der Pandemie? Diese Frage wird wohl erst zu gegebener Zeit diskutiert. In asiatischen Ländern wie China ist das Tragen einer Maske übrigens weitgehend normal. Vor allem in den überfüllten Straßenbahnen traf man dort schon vor Corona viele Menschen mit Mund- und Nasenschutz an.

Ein Foto aus dem Jahr 2003: In China gehören Gesichtsmasken schon lange zum gewohnten Straßenbild - zum Schutz vor Krankheiten, aber auch vor Kälte, Smog und Wüstensand.

Inwiefern dies auch in Deutschland denkbar ist, hängt wohl auch von der Bereitschaft der Bevölkerung ab. Laut einer November-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar erachten die Maskenpflicht immerhin 90 Prozent der Deutschen als sinnvoll. Bleibt die Frage, wie lange. (as)

Mehr zum Thema

BerlinBundesrepublik DeutschlandJens SpahnCoronavirus
Kommentare zu diesem Artikel