Röhrchen stehen in einem Labor aufgereiht und werden befüllt.
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Die Corona-Forschung kommt voran: Deutsche Forscher haben eine Schwachstelle in Sars-CoV-2 entdeckt.

Medikament kann auf Schwachstelle abzielen

Schlag gegen Corona: Deutsche Forscher entdecken Virus-Schwachstelle - möglicher Durchbruch für Medikament

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Das Coronavirus nutzt die Schwachstellen im menschlichen Organismus, um sich auszubreiten. Dabei offenbart es jedoch auch, wie ihm beizukommen ist. Und das haben deutsche Forscher nun herausgefunden.

München - Die deutsche Politik bekleckert sich in der Corona-Pandemie* nicht gerade mit Ruhm. Oftmals wirken die Volksvertreter überfordert, wenn sie ihre Maßnahmen zur Eindämmung erklären oder auch nur näherbringen sollen.

Erschwerend kommt hinzu, dass unter den Länderchefs im Grunde nur unmittelbar nach den Ministerpräsidentenkonferenzen mit einer Stimme gesprochen wird. Ehe Schlupflöcher im Beschlusspapier gesucht werden, um einen eigenen Kurs einzuschlagen, der ans Licht führen soll. Vorbildcharakter beweisen die Entscheider so nicht.

Medikament gegen Coronavirus? Deutsche Forscher finden Schwachstelle von Sars-CoV-2

Ein weit besseres Bild gibt da die Forschung* ab. Das Mainzer Unternehmen BioNTech* brachte gemeinsam mit seinem US-Partner Pfizer den ersten Impfstoff gegen Sars-CoV-2 auf den Markt. Und nun könnte hierzulande auch ein Durchbruch für die Entwicklung eines Medikaments gelungen sein. An der Eberhard Karls-Universität in Tübingen spürten Wissenschaftler eine Schwachstelle im Coronavirus auf, die Arbeit wurde im Fachmagazin Bioinformatics veröffentlicht.

Dazu entwickelten sie ein Computermodell weiter, bei dem das Wirken von menschlichen Alveolarmakrophagen auf das neuartige Virus dargestellt wird. Erstere sind in den Lungenbläschen für die Abwehr von Gefahrenstoffen verantwortlich. Sie wurden hier als Wirt von Sars-CoV-2 vorausgesetzt.

Video: BioNTech-Impfstoff wirkt gegen 16 Corona-Mutationen

Medikament gegen Coronavirus? Frage nach Material für Herstellung von Viruspartikeln

Es ging also darum, zu erforschen, wie sich der Erreger vermehrt. Dazu musste das Virus gezwungen werden, diese Wirtszelle zur Produktion von neuen Virusteilchen zu zwingen. Laut Dr. Andreas Dräger von besagter Uni wollte das Team zunächst erfahren, „welches Material benötigt wird, um ein Viruspartikel herzustellen“.

Der nächste Schritt bestand dann darin, über das Durchspielen verschiedener Szenarien zu „sehen, wie sich die biochemischen Reaktionen in den Wirtszellen während einer Virusinfektion verändern“. Daraufhin wurden bestimmte Reaktionen ausgeschaltet, wodurch sich schließlich offenbarte, welche Prozesse für das Virus besonders hilfreich sind.

Medikament gegen Coronavirus? Ohne Enzym GK1 vermehrt sich Sars-CoV-2 nicht mehr

Beispielsweise das Enzym mit dem Namen Guanylatkinase 1, kurz GK1. War dieses inaktiv, vermehrte sich Sars-CoV-2 überhaupt nicht mehr. Dabei machten Dräger und Co. eine weitere erfreuliche Entdeckung: „Während die Virusvermehrung ohne GK1 nicht mehr stattfindet, kann die menschliche Zelle auf andere biochemische Stoffwechselwege ausweichen.“ Wäre dies nicht der Fall, würde ein dieses Enzym isolierendes Medikament mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen.

Um von der Arbeit zu profitieren, muss nun ein Weg gefunden werden, das Enzym GK1 zu deaktivieren. So könnte die Vermehrung von Sars-CoV-2 gestoppt werden. Schon jetzt sind einige Hemmstoffe für das Enzym bekannt. Die Tübinger Forscher wollen diese Mittel in naher Zukunft gemeinsam mit Dr. Bernhard Ellinger vom Fraunhofer Institut für Translationale Medizin und Pharmakologie auf ihre Wirksamkeit gegen das Virus testen.

Medikament gegen Coronavirus? Forschung hofft auf neue Ansätze und ist optimistisch

Der Hamburger Wissenschaftler nennt die Entdeckung im RTL-Interview „einen tollen Beweis, der im Endeffekt neue Ansätze liefert“. Zwar sei mit einem Corona-Medikament „frühestens Ende des Jahres“ zu rechnen.

Sicher sei aber, dass das Tübinger Team dem Virus entscheidend auf die Pelle gerückt ist. „Dass wir was finden, was funktioniert -die Wahrscheinlichkeit ist nahezu sicher. Das klappt eigentlich immer“, betont Ellinger: „Es ist dann die Frage der Kombination. Reicht der Effekt, um daraus ein Experiment zu machen, oder ist das einfach nur eine Idee, um etwas zu entwickeln.“ Auf jeden Fall ist ein wichtiger Bestandteil von Sars-CoV-2 nun identifiziert. (mg) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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