Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte
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Ein Asthma-Medikament als „Game Changer“ in der Corona-Bekämpfung? Karl Lauterbach sieht im Mittel Budesonid einen womöglich entscheidenden Faktor.

„nebenwirkungsarm und kosteneffektiv“

Asthma-Medikament als Heilsbringer in der Corona-Bekämpfung? Lauterbach sieht „Game-Changer“

  • Andreas Schmid
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Eine neue Studie macht Hoffnung: Hilft ein Asthma-Mittel gegen das Coronavirus? Erste Stimmen aus der Wissenschaft klingen äußerst vielversprechend. Auch Karl Lauterbach ist überzeugt.

Oxford - Ist das der Wendepunkt in der Corona-Bekämpfung? Eine neue Studie kommt nun zu der brisanten Erkenntnis, dass ein Medikament gegen Covid-19 wirksam sein könnte, das bislang noch nicht zur Viruseindämmung eingesetzt wird. Dabei handelt es sich nicht um einen Impfstoff, sondern um ein Mittel gegen Asthma.

Corona-Medikament: Asthma-Mittel Budesonid mildert Covid-Risiko offenbar deutlich

Eine im Fachmagazn The Lancet veröffentlichte Studie hatte ergeben, dass bei Patienten, die im frühen Stadium ihrer Covid-Erkrankung das antientzündlich wirkende Medikament Budesonid inhalierten, das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt deutlich sank - um bis zu 90 Prozent. Zudem seien sie schneller genesen. Wichtig ist nach Angaben der Forscher, dass das Mittel in den ersten drei Tagen nach den ersten Krankheits-Symptomen verabreicht werde.

Budesonid wird neben Asthma unter anderem auch bei Heuschnupfen oder chronischen Lungenerkrankungen eingesetzt. Es ist sowohl als Inhalator, Pille, Nasenspray und rektale Form erhältlich. Bezogen auf das Coronavirus handelt es sich um ein sogenanntes „off-label“-Medikament. Das bedeutet, dass ein Arzneimittel bei Covid-Patienten angewendet wird, obwohl es hierfür keine Genehmigung vonseiten der Zulassungsbehörde wie beispielsweise der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) gibt.

Corona-Medikament: Lauterbach sieht in Asthma-Mittel „Game Changer“

Experten beurteilen die Ergebnisse als vielversprechend. „Der beschriebene Effekt ist beachtlich und bedeutsam“, so der Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité, Norbert Suttorp.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nennt die Studie gar einen möglichen „Game Changer“ und schreibt auf Twitter: „Die Ergebnisse machen klinisch Sinn, weil die antientzündliche Wirkung in der Lunge den Verfall der Lungenfunktion verhindern kann.“ Ein entscheidender Vorteil laut dem Medizinier: „Es wirkt für alle.“ Es gebe zudem kaum Nebenwirkungen. Bereits im Februar hatte Lauterbach die ersten Ergebnisse positiv bewertet und meinte: „Wenn sich diese Studie bestätigen sollte wäre das sehr bedeutsam.“

Corona-Medikament Budesonid: Experte lobt „simple, nebenwirkungsarme und kosteneffektive Behandlung“

„Das sind überaus interessante Ergebnisse und vom biologischen Ansatz plausibel“, sagt der Leiter des Zentrums für klinische Studien des Universitätsklinikums Jena, Frank M. Brunkhorst. Auch der Infektiologe Clemens Wendtner sieht eine große Chance im Einsatz des Mittels: „Mit dieser simplen, nebenwirkungsarmen und auch noch kosteneffektiven Behandlung könnte nicht nur vielen ambulanten Patienten mit milder Covid-Erkrankung in der Frühphase medizinisch geholfen werden.“

Auch der Druck auf die Krankenhäuser könnte reduziert werden, was ein wichtiges Argument in Zeiten von knappen Betten angesichts der laufenden dritten Corona-Welle sei, so der Chefarzt der Münchner Klinik Schwabing. Da es insbesondere die schweren Covid-Verläufe sind, die ein Gesundheitssystem zum Erliegen bringen können, wäre eine gute Wirkung des Asthma-Mittels elementar. Die Situation auf den Intensivbetten könnte sich so womöglich entspannen.

Asthma-Mittel gegen Corona: Experten fordern „dringend“ Folgestudie

Die Experten sowie die Studienautoren selbst weisen darauf hin, dass die Ergebnisse der Untersuchung mit relativ wenigen Patienten durchgeführt wurden und daher in einer breiter angelegten Studie repliziert werden müssen*. Die englischen Forscher setzten Budesonid in ihrer Arbeit lediglich bei 146 Covid-Patienten ein.

Man brauche daher „dringend“ eine große Phase-III Studie mit etwa 1000 Patienten, so Brunkhorst. Wenn sich die Beobachtungen bewahrheiteten, habe das eine enorme Wirkung - und Budesonid sei überall auf der Welt verfügbar, fasst Suttorp zusammen. (as/dpa)

*Unter einer Replikation versteht man in der Wissenschaft das wiederholte Durchführen einer Studie mit ähnlicher Methodik, aber durch in der Regel andere Wissenschaftler.

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