Heilmittel gegen Corona? Eine Packung des Medikaments Ivermectin. (Symbolfoto)
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Heilmittel gegen Corona? Eine Packung des Medikaments Ivermectin. (Symbolfoto)

„Wir werden nicht warten ...“

Corona-Wundermittel? Gebeuteltes Tschechien schwört auf umstrittenes Medikament - Nur für Hunde zugelassen

  • Patrick Mayer
    vonPatrick Mayer
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Tschechien bekommt die schwierige Corona-Lage nicht in den Griff - und setzt gegen Covid-19 auf ein polarisierendes Medikament. Die Experten-Meinungen dazu gehen weit auseinander.

München/Prag - Wenn man es mit der Bildsprache hält, könnte man sagen, dass aus Bayern und Sachsen kräftig über die Grenze nach Tschechien geschielt wird. Dort sorgten die Coronavirus-Mutanten, allen voran die britische Variante B.1.1.7, für regelrecht explodierende Covid-19-Fallzahlen.

Ende Februar war Tschechien laut Johns Hopkins Universität das Land mit der höchsten 7-Tage-Inzidenz weltweit - mit einem Wert von 765. Was tun? Der deutsche Nachbar setzt in dieser brisanten Situation auf ein angebliches Corona-Wundermittel, dass unter medizinischen Experten nicht unumstritten ist. Der Name des Medikaments: Ivermectin. Davon berichtet der MDR.

Coronavirus-Pandemie: Tschechien ist durch Corona-Mutationen schwer gebeutelt

Ein Rückblick: Wie die Deutsche Apotheker Zeitung schreibt, hätten australische Wissenschaftler bereits im Frühjahr 2020 beobachtet, dass das Antiparasitikum den Erreger SARS-CoV-2 in einem Laborversuch innerhalb von 48 Stunden so gut wie vollständig ausschaltete. Dabei kommt das Medikament eigentlich gegen Fadenwürmer bei Hunden und Pferden zum Einsatz.

Der Hype flachte zunächst ab, auch, weil sich selbst der Hersteller gegen eine Anwendung bei Corona-Infektionen aussprach. Trotzdem setzt Tschechien jetzt massiv auf Ivermectin. „Wir werden nicht auf klinische Studien warten, sondern versuchen, es anzuwenden“, erklärte Premierminister Andrej Babiš Anfang März. So wurde laut MDR das Medikament Humevec zeitlich begrenzt zugelassen, das auf Ivermectin gründet.

Ivermectin gegen Corona? Die Meinungen zur Linderung von Covid-19 gehen weit auseinander

Das St. Anna-Krankenhaus in Brünn begann umgehend eine Art Feldversuch, eine erste klinische Studie, sozusagen. Konkret: Ivermectin wurde 70 Patienten verabreicht. „Der Gesundheitszustand der Mehrheit der Patienten verbesserte sich nach der Einnahme von Ivermectin und in Kombination mit anderen therapeutischen Methoden so deutlich, dass sie nach Hause entlassen werden konnten“, zitiert der MDR den Brünner Arzt Michal Rezek.

Es gab aber auch erhebliche Kritik aus Expertenkreisen: „Die Konzentration des Mittels, die eine Infektion verlangsamen könnte, liegt hundertmal über der, die bei Menschen zugelassen ist. Somit könnte sie sehr negative Nebenwirkungen haben“, meinte der tschechische Gesundheitsexperte Jakub Hlávka von der University of Southern California.

Medikament gegen Corona? US-Intensivmediziner werben für Ivermectin

Dennoch: Auch in den USA wirbt eine Allianz an Intensivmedizinern nachdrücklich für den Einsatz von Ivermectin gegen Covid-19: die sogenannte Front Line COVID-19 Critical Care Alliance (FLCCC). Dieser Zusammenschluss an Medizinern analysierte laut Deutscher Apotheker Zeitung 24 Studien mit knapp 4.000 Patienten zur Wirkung von Ivermectin.

Die Ergebnisse der FLCCC: Ivermectin könne die Viruslast deutlich verringern, die Entwicklung von Covid-19 wird bei bereits Infizierten eingedämmt und die Genesung von Patienten mit mittelschwerem Verlauf beschleunigt. Wundermittel oder überzogene Erwartungen? Die Analysen zu Ivermectin nehmen Fahrt auf - vor allem im schwer gebeutelten Tschechien, das händeringend nach Lösungen sucht. (pm)

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