Eine Apothekerin steht in einer Apotheke vor einer ausgezogenen Medikamenten-Schublade.
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Experten schließen Lieferengpässe bei Medikamenten wegen der Corona-Pandemie nicht aus.

Ärztepräsident beunruhigt

Experten warnen wegen Corona vor Lieferengpässen wichtiger Medikamente: „Wäre hochgefährliche Situation“

  • Momir Takac
    VonMomir Takac
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Wegen der Corona-Pandemie herrscht eine erhöhte Nachfrage nach Medikamenten und Impfstoffen. Experten schließen nicht aus, dass es zu Engpässen kommen könnte.

  • Der weltweite Kampf gegen die Corona-Pandemie* sorgt für eine erhöhte Nachfrage nach Medikamenten.
  • Deshalb könnte es laut Experten wieder zu Lieferengpässen kommen.
  • Für die anstehende Grippe-Saison wurden Vorkehrungen getroffen.

München - Die Corona-Pandemie* hat die Welt weiterhin fest im Griff. Rund um den Globus versucht man, Herr der Lage zu werden. Dabei wird der Kampf gegen Corona immer mehr auch zu einem Ressourcen-Problem. Die Pandemie wirkt sich auch unmittelbar auf die Gesundheitsversorgung aus.

Ärzte und Apotheker befürchten etwa Lieferengpässe bei wichtigen Medikamenten und Impfstoffen. Grund hierfür seien auch Handelsbeschränkungen. Viele Medikamente werden aus Kostengründen inzwischen in Indien oder China hergestellt. Indien hat selbst massiv mit dem Coronavirus zu kämpfen.

Impfstoff und Arzneimittel: Erhöhte Nachfrage während Coronakrise

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hatte beispielsweise im Frühjahr gewarnt, dass das für künstliche Beatmungen wichtige Medikament Propofol knapp werden könnte. „Wenn uns diese Mittel ausgehen, wäre das eine wirklich hochgefährliche Situation“, sagte Reinhardt zuletzt dem Tagesspiegel. Auch sei es schwierig gewesen, Menschen gegen Pneumokokken zu impfen. Die Bakterien können Lungenentzündungen verursachen. Während der Coronakrise* werden Impfstoffe verstärkt nachgefragt. Auch die Lieferengpässe bei Impfstoffen beunruhigten Reinhardt „sehr“.

Erwartet wird eine erhöhte Nachfrage auch bei der anstehenden Grippe-Saison* ab Herbst. Immerhin stünden dazu laut dem Paul-Ehrlich-Institut größere Mengen als in den Vorjahren bereit. Einen flächendeckenden Corona-Impfstoff gibt es zwar noch nicht, doch ein Preiskampf im bereits im Gange. Der Pharmakonzern AstraZeneca hat bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs die entscheidende Testphase gestoppt, weil ein Proband erkrankt ist.

Zwar habe sich die Versorgungslage in Krankenhäusern und Apotheken entspannt. Die Gefahr, dass es auch künftig zu „versorgungsrelevanten Lieferengpässen von Arzneimitteln“ kommen kann, bestehe weiterhin, warnte auch Hubertus Cranz, Geschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller. Laut Cranz dauern Planung, Herstellung und Auslieferung eines Medikaments im Schnitt rund sechs Monate.

Medikamenten-Engpass möglich: Herstellung von Antibiotika nach Ostasien verlagert

„Wenn wir für einen wichtigen Wirkstoff nur einen Produzenten haben und der sitzt irgendwo, wo es zum Lockdown kommt, kann das schwerwiegende Folgen auch für die Versorgung hier in Deutschland haben“, sagte Martin Schulz von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Schulz zufolge werden immer weniger versorgungskritische Arzneimittel in der EU produziert. Als Beispiel nannte er die Antibiotika-Herstellung, die inzwischen „zu gut 90 Prozent“ in Ostasien stattfindet.

Zum Stand Ende August lagen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 317 Lieferengpassmeldungen vor. Von 138 Wirkstoffen seien 87 versorgungsrelevant, sagte ein Sprecher. (mt/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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