1. Startseite
  2. Welt

„Deltakron“: Experten-Klartext zu Corona-Mischvariante – Ciesek stört sich an Bezeichnung

Erstellt:

Von: Patrick Huljina

Kommentare

Eine Corona-Variante, die so krank macht wie Delta und so ansteckend ist wie Omikron. „Deltakron“ gilt als Schreckensszenario in der Pandemie. Experten schätzen die Gefahr ein.

München - Die Omikron-Welle sorgt gerade nahezu täglich für neue Corona-Rekorde in Deutschland. Die Zahl der Neuinfektionen und die Inzidenz sind so hoch wie noch nie. Trotzdem wurden von der Politik deutliche Lockerungen der Maßnahmen beschlossen. Denn: Omikron ist zwar ansteckender als vorherige Varianten, die Krankheitsverläufe sind allerdings weniger schwer als beispielsweise bei Delta. Zudem droht den Intensivstationen aktuell keine Überlastung.

Corona-Mischvariante „Deltakron“: Experten einig – „keine hilfreiche Bezeichnung“

Ein Schreckensszenario der Corona-Pandemie bleibt für viele Experten eine mögliche Supervariante: so krankmachend wie Delta, so ansteckend wie Omikron. In diesem Zusammenhang fällt häufig der Name „Deltakron“. Anfang des Jahres wollten zunächst Forscher aus Zypern den Nachweis einer Kombination der beiden Varianten erbracht haben. Rasch stellte sich jedoch heraus, dass es sich höchstwahrscheinlich um einen Irrtum wegen einer Verunreinigung im Labor handelte. Mittlerweile häufen sich aber wieder Berichte über „Deltakron“-Fälle. Fachleute sind mit dem Namen „Deltakron“ allerdings unzufrieden.

Es sei „keine hilfreiche Bezeichnung“, erklärte Richard Neher der dpa. Er ist Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel. Bei dem Begriff „Deltakron“ sei unklar, welche Mischform – Fachleute sprechen auch von Rekombinanten – gemeint ist. Denn: Mehrere solcher Varianten seien bestätigt. Zudem schwinge in dem Begriff ein Alarmismus mit, für den es „keinen guten Grund“ gebe, so Neher.

Vielzahl von Rekombinationen: „Deltakron“ als Bezeichnung „nicht sinnvoll“

Eine Mischform aus Delta und Omikron, die kürzlich erstmals vom französischen Institut Pasteur beschrieben wurde, hat laut Neher das Kürzel XD. Es sei bisher die einzige Variante, bei der das Spike-Protein von Omikron „mehr oder weniger perfekt“ in ein Delta-Genom eingesetzt ist. Auch andere Rekombinanten hätten dieses Omikron-Schlüsselmerkmal und andere Gene von Delta. Hauptsächlich sei XD bisher in Frankreich und Dänemark beobachtet worden. Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht für Deutschland von einem bestätigten Fall.

„Da es mehrere Delta- und Omikron-Subvarianten gibt und theoretisch also eine Vielzahl von Rekombinationen möglich sind, ist der Begriff in der Tat sehr ungenau und eher nur zur Veranschaulichung, aber nicht als sinnvolle Bezeichnung geeignet“, erklärte auch Sandra Ciesek. Die Virologin vom Universitätsklinikum Frankfurt stellte klar: „Insbesondere bei der Verfolgung von Infektionsketten muss immer die gesamte Virussequenz berücksichtigt werden.“

Virologin Sandra Ciesek.
Virologin Sandra Ciesek findet Deltakron „nicht als sinnvolle Bezeichnung geeignet“. (Archivbild) © Sebastian Gollnow/dpa

Corona-Variante „Deltakron“: Experten wollen Entwicklung beobachten

Doch wie groß ist die Gefahr durch solche Mischvarianten? Virologe Friedemann Weber von der Justus-Liebig-Universität in Gießen gab zunächst Entwarnung. „Es wäre falsch anzunehmen, dass solche Rekombinanten zwangsläufig Horrorvarianten sind, die die schlimmsten Eigenschaften der Ursprungsvarianten vereinen“, so Weber zur dpa. Der derzeit in Deutschland vorherrschende Omikron-Subtyp BA.2 sei fast schon so ansteckend wie Masern – viel mehr zulegen könne das Virus da kaum noch.

„In einigen Fällen traten solche Rekombinanten nur in begrenzten Ausbrüchen auf. Andere scheinen im Moment linear anzusteigen, aber glücklicherweise noch nicht exponentiell. Dies muss man beobachten und auch ernst nehmen“, fasste der Virologe Christian Drosten in einem Zeit-Interview von Mittwoch die Lage zusammen. Zur weiteren Beobachtung rät auch Weber. Er erinnerte allerdings daran, dass in der Corona-Pandemie schon einige Varianten auftauchten, von denen man dann nie wieder hörte. „Auch diese Rekombinanten könnten wieder im Nebel der Geschichte verschwinden.“ (ph mit dpa)

Auch interessant

Kommentare