Verbreitung in Schwellenland

Coronavirus-Variation B.1.617: Wie gefährlich ist die indische Doppel-Mutante?

  • Michelle Brey
    vonMichelle Brey
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Die indische Coronavirus-Mutation B.1.617 greift um sich. Nach Fällen in Indien wurde die Variante auch in Deutschland nachgewiesen. Welche Gefahr geht von ihr aus?

Neu Dehli / München - Die Coronavirus-Mutante B.1.617 dominiert in Indien das Infektionsgeschehen. In vielen weiteren Ländern, darunter Deutschland, wurde die Virus-Variante nachgewiesen. Besteht Grund zur Sorge, wie etwa bei der britischen Mutation B.1.117?

Im Oktober meldete Indien der Seqeunzdatenbank Globas Initiative for Sharing All Influenza Data (Gisaid) das Auftreten des Genoms B.1.617. Ende März 2021 wies das indische Gesundheitsministerium auf die Variante hin. Jüngsten Angaben zufolge macht die Virus-Mutante in Indien einen Großteil der immens hohen Corona-Neuinfektionen aus.

Coronavirus: Doppel-Mutation aus Indien - Eine ähnelt der britischen Variante

Als sogenannte „Doppelvariante“ wird die indische Corona-Mutation bezeichnet, weil sie zwei besondere Mutationen im sogenannten Spike-Protein aufweist: E484Q und L452R. Mit diesen Abkürzungen wird die genaue Position der jeweiligen Erbgutveränderung im Virus-Genom angegeben.

  • Mutation E484Q: Diese ähnelt der Mutation E484K, die auch bei der britischen, brasilianischen und südafrikanischen Mutante festgestellt wurde. Experten bezeichnen diese als sogenannte „Escape-Mutation“. Das bedeutet, dass sie dem Virus dabei hilft, dem Immunsystem des menschlichen Körpers zu entkommen. Des Weiteren steht sie im Verdacht den Schutz durch die Antikörper zu verringern, die ein Mensch nach einer Corona-Erkrankung oder Impfung aufgebaut hat. Das erklärte Evolutionsvirologe Stephen Goldstein von der Universität Utah.
  • Mutation L452R: Einer kalifornischen Studie zufolge ist diese Mutation ein „effizienter Verbreiter“ für das Virus.

Indische Corona-Mutation B.1.617: Wie gefährlich ist die Virus-Variante?

Die Mutante B.1.617 wurde von der Weltgesundheitsorganisation zunächst als „von Interesse“ eingestuft. Anders als die britische, die südafrikanische oder die brasilianische Variante gilt B.1.617 zunächst nicht als „besorgniserregend“. Auch das Robert-Koch-Institut zählt die Mutation zu den sogenannten „Variants of Interest“ (VOI).

Zudem schrieb das RKI in einem Bericht vom 21. April: „Außerdem gibt es Hinweise, dass diese Mutationen die Übertragbarkeit der Variante erhöhen, beispielsweise über eine Verstärkung der Bindung an den Zielzellrezeptor ACE-2.“ Virologe Christian Drosten sagte im NDR-Podcast: „Es ist wahrscheinlich, dass auch dieses eine Mutante ist mit einem leichten Immunescape.“

Ob die beiden Corona-Mutationen die indische Variante jedoch tatsächlich gefährlicher machen, wurde zunächst nicht abschließend geklärt. Wissenschaftler warten auf weitere aussagekräftige Daten, um die von der indischen Variante ausgehende Gefahr besser einzuschätzen.

Corona-Mutante: Wirken Impfstoffe gegen die indische Variante?

Des Weiteren gibt es auf die Frage nach der Wirksamkeit der Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Co. zunächst keine Antwort. Angaben des indischen Experten Mishra zufolge werden die Impfstoff diesbezüglich getestet. (mbr)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Christian Ohde

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