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Corona-Mutation wirklich tödlicher? Johnson-Aussage sorgt für heftige Kritik - jetzt rudert Regierung plötzlich zurück

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Von: Momir Takac

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Laut Premier Johnson gibt es Indizien dafür, dass die Corona-Mutation in Großbritannien tödlicher ist als das bisherige Virus. Die Beweislage ist allerdings sehr dünn.

Update vom 24. Januar, 10.48 Uhr: Könnte die neue Corona-Mutation nicht nur ansteckender sondern auch tödlicher sein? Die Frage der Sterblichkeit beschäftigt Forscher weltweit schon seit der Entdeckung der neuen Virus-Variante B1.1.7. In England scheinen sich die Befürchtungen jetzt zu bewahrheiten. Wieder ist es der britische Premierminister Boris Johnson der die besorgniserregende Botschaft verkündet. Es gebe „einige Hinweise“ dafür, verkündete Johnson am Freitag, dass die neue Variante mit einer höheren Sterblichkeit verbunden sei. Das betreffe besonders Männer in ihren Sechzigern fügte Johnson hinzu.

Kurz vor Weihnachten war es ebenfalls Johnson gewesen, der ein höheres Ansteckungs-Risiko der Mutation verkündete. Dementsprechend sorgten die Aussagen des britischen Premiers seit Freitag für Aufruhr und Diskussionen. Wissenschaftler reagierten allerdings leicht verwundert. Es seien noch nicht genügend Daten vorhanden um eine erhöhte Sterblichkeit zu beweisen.

Regierung rudert zurück: Doch keine höhere Sterblichkeit bei Corona-Mutation? - „nicht wirklich sicher“

Am Sonntag ruderte schließlich auch die Regierung in Großbritannien zurück und relativierte Johnson‘s Aussage. Im Interview mit dem Sender Sky News erklärte Gesundheitsminister Matt Hancock, dass Studien unterschiedliche Daten ergeben hatten. Es sei dementsprechend „nicht wirklich sicher, wie tödlich“ die Mutation B.1.1.7 ist. Das Risiko bestehe aber, dass mehr Menschen wegen der zuerst in Südostengland entdeckten Variante sterben, erklärte Hancock weiter.

Tatsache ist, dass bei einer bisher relativ kleinen Datenmenge eine höhere Sterblichkeit gemessen wurde, aus der sich aber noch kein sicherer Schluss ziehen lässt. Einige Wissenschaftler verteidigten deswegen auch Boris Johnsons verfrühte Aussage. „Wir müssen transparent sein“, sagte der wissenschaftliche Berater Peter Horby im BBC. „Hätten wir den Menschen nichts davon gesagt, würde uns vorgeworfen, es vertuscht zu haben.“ 

Corona-Mutation: Corona-Mutation: Hinweise auf höhere Sterblichkeit in Großbritannien

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, spricht während einer Pressekonferenz in der Downing Street zur Corona-Pandemie.
Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, bei einer Pressekonferenz in der Downing Street zur Corona-Pandemie. © picture alliance/dpa/PA Wire | Hannah Mckay

Erstmeldung vom 23. Januar: London - Die Furcht vor den Corona-Mutationen ist groß. Auch um eine Ausbreitung in Deutschland zu erschweren, verlängerten Bundesregierung und Bundesländer den Lockdown bis Mitte Februar. Jüngst wurde bei einem Reiserückkehrer in Hessen erstmals die neuartige Mutante P.1 aus Brasilien nachgewiesen. Zuvor bereits waren in Deutschland die Varianten B.1.351 aus Südafrika sowie B.1.1.7 aus Großbritannien festgestellt worden.

Von der britischen Coronavirus-Variante ist bislang bekannt, dass sie sich schneller ausbreitet als das ursprüngliche Virus. Britischen Experten zufolge soll sich B.1.1.7 30 bis 70 Prozent leichter übertragen. Doch jetzt gibt es im Vereinigten Königreich offenbar erste Indizien, dass die Mutation auch noch tödlicher ist als das bislang grassierende Coronavirus.

Corona-Variante tödlicher als bisheriges Virus? Johnson spricht von „einigen Hinweisen“

Für diese Annahme gebe es „einige Hinweise“, sagte Premierminister Boris Johnson am Freitag auf einer Pressekonferenz in London. Etwas mehr ins Detail ging der wissenschaftliche Berater der Regierung. Patrick Vallance sagte, Daten aus Krankenhäusern ließen vermuten, dass die Wahrscheinlichkeit für einen tödlichen Verlauf der durch die Mutation ausgelösten Covid-19-Erkrankung 30 bis 40 Prozent höher läge.

Gehe man bei der bisherigen Variante davon aus, dass von 1.000 Menschen im Alter von 60 Jahren zehn sterben, seien es bei der Mutation etwa 13 oder 14 Todesfälle. Doch Vallance schränkte zugleich ein: Ob und wie viel tödlicher die neue Variante ist, die erstmals Ende vergangenen Jahres in der südostenglischen Grafschaft Kent aufgetaucht war, sei noch sehr unsicher.

Coronavirus-Mutation laut Johnson hauptverantwortlich für hohe Zahl an Klinik-Patienten

Etwas sicherer ist er sich da bei der Schutzwirkung der bisher verwendeten Corona-Impfstoffe. Er gehe nicht davon aus, dass diese durch die Mutation beeinträchtigt wird. Für die weiteren bekannten Varianten aus Südafrika und Brasilien könne man diesbezüglich jedoch noch nichts sagen.

Johnson machte unterdessen die Virus-Variante für den enormen Anstieg an Covid-19-Patienten in Krankenhäusern hauptverantwortlich. Inzwischen würden 78 Prozent mehr Menschen in Kliniken behandelt als während der ersten Pandemie-Welle im vergangenen Frühjahr, sagte der Premier. (mt/dpa)

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