„Das ist absolut unzulässig“

Erneute Corona-Krawalle in den Niederlanden: Schwere Ausschreitungen und Plünderungen - „Wie im Krieg“

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Seit Samstag gilt in den Niederlanden erstmals eine Ausgangssperre. Nach den Krawallen am Sonntag kam es auch am Montagabend zu heftigen Ausschreitungen im Land.

  • Seit Samstag gilt in den Niederlanden eine Ausgangssperre ab 21 Uhr.
  • In den sozialen Netzwerken wurde zu Protesten gegen die neue Corona-Maßnahme aufgerufen.
  • Am Montagabend kam es erneut zu heftigen Ausschreitungen in mehreren Städten.

Update vom 26. Januar, 15.25 Uhr:Wie im Krieg“, schilderte eine junge Frau am Dienstagmorgen im Zentrum von ´s-Hertogenbosch die Ausschreitungen des Vorabends. Die Karnevalshochburg etwa 100 Kilometer südlich von Amsterdam wurde am späten Montagabend von den Corona-Krawallen besonders schlimm getroffen. Jack Mikkers, der Bürgermeister, machte aus seiner Wut keinen Hehl: „Krawallmacher, Diebe, Kriminelle“, nannte er die Randalierer.

Etwa 80 Täter hätten die Stadt verwüstet. Einige hatten sogar versucht, das Hieronymus-Bosch-Krankenhaus anzugreifen, wie die Klinik berichtete. Krankenwagen hätten ausweichen müssen. „Das war beängstigend für die Mitarbeiter“, erklärte Krankenhausdirektor Piet-Hein Buiting.

Der Vorsitzende des Rates für Sicherheit der Regionen, Hubert Bruls, sagte: „Das, was wir jetzt sehen, hat überhaupt nichts mehr mit der Sperrstunde zu tun. Diese Leute haben bewusst nur darauf gewartet zu randalieren.“ Die junge Frau aus ´s-Hertogenbosch schilderte, dass sie vor allem Jugendliche bei den Krawallen beobachtet habe. Der bisher jüngste Randalierer, der festgenommen wurde, war 14 Jahre alt.

In Den Haag wurden am Montagabend unter anderem Mülltonnen und Fahrräder in Brand gesetzt.

Um was für Gruppen es genau geht, ist unklar, erklärte der Kriminologe Henk Ferwerda im TV-Nachrichtenmagazin Nieuwsuur. „Das sind Virusleugner, solche mit politischer Agenda und solche, die einfach draufhauen wollen.“ Wut gegen die Regierung, Langeweile, Aussichtslosigkeit, Lust an Randale - das sei ein giftiger Cocktail.

Die Krawalle seien nicht untypisch, auch in den 90er-Jahren habe es Jugendunruhen gegeben, so die Terrorismus-Expertin Beatrice de Graaf. Neu sei vor allem die Rolle der sozialen Medien. „Man sieht, wie Jugendliche sich gegenseitig aufrufen über Snapchat und Telegram, und sie streamen die Plünderungen live. Sie geben einander sogar Punkte - wie ein Computerspiel“, so de Graaf.

Erneute Corona-Krawalle in den Niederlanden: Schwere Ausschreitungen und Plünderungen

Update vom 26. Januar, 10.35 Uhr: Am Montagabend kam es in den Niederlanden bei Protesten gegen die Ausgangssperre erneut zu schweren Ausschreitungen. Hunderte gewaltbereite Jugendliche randalierten nach Polizeiangaben in mehreren Städten und griffen die Polizei an.

Die Menschen hatten sich kurz vor Beginn der Ausgangssperre (21 Uhr) in den Stadtzentren versammelt. In großen Gruppen zogen sie plündernd und randalierend durch die Straßen. Unruhen wurden aus mehreren Städten gemeldet - darunter Amsterdam, Den Haag und Rotterdam. Nach Angaben der Polizei wurden mehr als 150 Personen festgenommen.

Schamlose Diebe“, klagte Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb über den Mob. In seiner Stadt waren unter anderem Geschäfte zerstört und geplündert worden. „Wir konnten noch keine Bestandsaufnahme machen, aber es ist trotzdem eine traurige Bilanz“, wurde er von der Zeitung De Telegraaf zitiert. Der Rotterdamer Polizeichef Fred Westerbeeke erklärte am Dienstagmorgen im niederländischen Radio, dass in der Hafenstadt mindestens zehn Polizisten verletzt und mehr als 50 Randalierer festgenommen wurden.

In Rotterdam kam es am Montagabend zu schweren Ausschreitungen.

In Den Bosch waren die Ereignisse nach einem Bericht eines Reporters des TV-Senders NOS „gehörig aus dem Ruder gelaufen“. Nach einem Feuerwerk sei eine sehr große Gruppe von Randalierern in die Stadt gezogen. „Auf der gesamten Strecke wurden Plünderungen begangen, Feuer gelegt, Autos zerstört“, so der Reporter.

Corona-Krawalle in den Niederlanden: Weitere Proteste angekündigt

Update vom 25. Januar, 21.33 Uhr: Ausgebrannte Autos, Glasscherben, Steine. Am Montagmorgen herrschte in in vielen Städten der Niederlande Verwüstung, nachdem es am Sonntag zu schweren Krawallen gekommen war. „Das ist absolut unzulässig, das hat nichts zu tun mit Protesten, sondern ist kriminelle Gewalt“, sagte Ministerpräsident Rutte am Montag in Den Haag. Doch die Polizei befürchtet nun, dass dies erst der Anfang war.

Behörden wiesen daraufhin, dass in mehreren Berichten auf sozialen Medien auch für Montagabend zu neuen Protesten aufgerufen werde. Als mögliche Orte neuer Ausschreitungen wurden Hengelo, Deventer und Enschede - alle im Osten des Landes - genannt. Kommunen und Polizei würden die Berichte ernst nehmen und sich darauf vorbereiten, meldete die Nachrichtenagentur ANP.

Corona-Krawalle in den Niederlanden: Proteste gegen Ausgangssperre eskalieren

Erstmeldung vom 25. Januar: Amsterdam - „Das ist absolut unzulässig, das hat nichts zu tun mit Protesten, sondern ist kriminelle Gewalt“, verurteilte Ministerpräsident Mark Rutte am Montag in Den Haag die Geschehnisse des Vortages. Am späten Sonntagabend sind in mehr als zehn Städten in den Niederlanden die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen und Ausgangssperren eskaliert.

Die Polizei sprach von den schlimmsten Krawallen in 40 Jahren und rechnet mit weiteren Unruhen in den kommenden Tagen. Viele Städte bieten am Tag danach ein Bild der Verwüstung. Straßen und Plätze waren am Montagmorgen übersät mit Glasscherben, ausgebrannten Autos und Steinen.

Am vergangenen Samstag ist in den Niederlanden erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie eine Ausgangssperre in Kraft getreten. Daraufhin wurde über verschiedene soziale Netzwerke zu Protesten gegen die neue Corona-Maßnahme aufgerufen. Nach ersten Analysen geht die Polizei davon aus, dass sich verschiedene Gruppierungen an der Gewalt beteiligten - darunter Corona-Leugner, Hooligans und auch Neo-Nazis.

Vor dem Bahnhof in Eindhoven kam es bei Protesten gegen die aktuelle Corona-Politik zu gewaltsamen Ausschreitungen.

Corona-Krawalle in den Niederlanden: Bürgermeister von Eindhoven spricht von „Bürgerkrieg“

Begonnen hatten die Ausschreitungen am Sonntagnachmittag in den Großstädten Amsterdam und Eindhoven. Demonstranten hatten Polizisten mit Feuerwerk und Steinen angegriffen, nachdem diese zuvor verbotene Demonstrationen mit Wasserwerfern und Tränengas aufgelöst hatten. Kurz vor Beginn der Ausgangssperre um 21 Uhr hatten sich die Unruhen dann auf andere Städte im ganzen Land ausgeweitet. Erst gegen Mitternacht hatte die Polizei die Lage unter Kontrolle.

Besonders heftig waren die Krawalle in Eindhoven, im Osten der Niederlande. Der Bahnhof wurde demoliert, Läden geplündert. „Hooligans kamen aus allen Ecken des Landes, sie hatten sich über die sozialen Medien verabredet“, sagte John Jorritsma, Bürgermeister von Eindhoven. „Wenn man auf diese Weise das Land in Brand steckt, dann ähnelt das einem Bürgerkrieg“, so der Politiker.

Weitere große Unruhen wurden unter anderem auch aus Tilburg, Stein, Roermond, Den Haag und Apeldoorn gemeldet. Die Polizei nahm eine unbekannte Anzahl Personen fest. (ph/dpa)

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