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Kurz sucht Rat bei Drosten und lockt deutsche Touristen: „Einschränkungen nicht sinnvoll“

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Von: Andreas Schmid

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Sebastian Kurz, Bundeskanzler von Österreich, und Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, geben nach einem Treffen auf dem Gelände der Charite ein Pressestatement.
Sebastian Kurz und Christian Drosten: Der österreichische Bundeskanzler sucht sich Rat beim Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité. © Kay Nietfeld/dpa

Corona: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz reist nach Berlin, um sich mit Virologe Christian Drosten zu treffen. Er appelliert, „sich zu erinnern, worum es eigentlich geht“.

Berlin - Während der Coronavirus-Pandemie suchte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) immer wieder den Schulterschluss mit dem Nachbarland Deutschland. Bisher war der Austausch vor allem durch Gespräche mit dem Grenzstaat Bayern geprägt - nun reiste Kurz nach Berlin.

Corona: Kurz sucht Rat bei Drosten - „nicht sinnvoll, dass es auf Dauer Einschränkungen gibt“

Im Zentrum des Besuchs stand eine Stippvisite in der Berliner Charité, wo sich Kurz zum Gespräch mit dem Virologen Christian Drosten traf. Nach dem Treffen äußerte sich Kurz optimistisch zur aktuellen Corona-Situation. „Ich bin eigentlich fast ein bisschen erleichtert, weil ich habe das Gefühl, ich habe sehr viele positive Nachrichten mitnehmen dürfen“, sagte Kurz.

Im Fokus des Treffens stand die zuletzt auch in Österreich und Deutschland nachgewiesene Delta-Variante. „Ich glaube nicht, so ist mein Eindruck nach dem Gespräch, dass die Delta-Variante verschwinden wird. Sie wird bleiben“, sagte Kurz mit Blick auf den Anteil der zuerst in Indien grassierenden Virusmutation. „Wir können heilfroh sein, dass die Impfung gegen alle Varianten schützt, die es gerade gibt.“ Für Kurz ist damit klar: „Daher kann die Botschaft nur sein: impfen, impfen, impfen. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation sei es nämlich „nicht sinnvoll, dass es auf Dauer Einschränkungen gibt, wenn es eine Möglichkeit gibt sich zu schützen - und das ist die Impfung.“ Welche Einschränkungen er konkret meinte, ließ Kurz offen.

Corona: Kurz lockt deutsche Touristen - „sollten uns erinnern, worum es eigentlich geht“

Bei moderater Infektionslage sei auch der Tourismus wieder möglich. „Von den Urlaubern in Österreich erwarten wir uns, dass sie eine schöne Zeit verbringen und das nachholen, was letztes Jahr nicht möglich war“, erklärte Kurz mit Blick auf deutsche Touristen. Dafür brauche es „einen normalen Umgang mit der Situation“. Konkret: „Wir sollten uns in Erinnerung rufen, worum es eigentlich geht. Und das ist der Schutz der Gesundheit das Verhindern von einer Überlastung auf den Intensivstationen.“ Bezogen auf Österreich meinte der Bundeskanzler: „Davon sind wir meilenweit entfernt. Wir haben es durch intensives Testen und FFP-2-Masken geschafft, ohne einen harten Lockdown durch die dritte Welle zu kommen.“

Österreich führe „jeden Tag hunderttausende Tests durch und das, obwohl mittlerweile mehr als 50 Prozent der Bevölkerung geimpft sind.“ In der Alpenrepublik haben 58,6 Prozent der Einwohner mindestens eine Impfdosis erhalten. Österreich sei in einer Situation, „in der die Ansteckungszahlen sehr, sehr niedrig sind“. Dies werde auch durch die Virusmutationen so bleiben. „Die Delta-Variante wird nicht verschwinden. Aber es ist kein Grund zur Panik, weil es nicht die erste Variante ist, mit der wir konfrontiert sind, sondern wieder eine weitere.“

Corona: Drosten sieht „wahrscheinlich“ Entspannung bei Delta-Variante

Derzeit scheint es angesichts der geringen Infektionszahlen schwierig, die Gefahr der Mutation adäquat einzuschätzen. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt in Österreich aktuell 11,2 und in Deutschland 8,0 (Stand: 22. Juni). Um die Situation besser zu beurteilen, lohnt sich laut Drosten vor allem ein Blick nach England. Zwar wolle er einen erneuten Anstieg der Fallzahlen in Deutschland weder voraussagen noch ausschließen, denn „das ist momentan völlig unmöglich“.

Aber: „Wenn es so sein sollte, dass im Juli die Fallzahlen wieder steigen, werden wahrscheinlich die Schulferien dann wieder eine Entspannung bringen“. Im Gegensatz zu Österreich und Deutschland hätten die Menschen in England von diesem Effekt nicht profitieren können.

Corona: Kurz trifft auch Schäuble - wie gut ist deren Verhältnis wirklich?

In der Hauptstadt besuchte Kurz auch den „Tag der Industrie“ des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, wo etliche Politgranden zusammenkamen. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel waren unter anderem auch CSU-Chef Markus Söder, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), FDP-Chef Christian Lindner sowie die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) zu Gast. Zuvor traf sich der 34-Jährige mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU).

Vor einem gemeinsamen Gespräch verwies Kurz gegenüber österreichischen Medien auf das gute Verhältnis, das ihn mit dem dienstältesten deutschen Abgeordneten verbinde. „Ich kenne ihn lang und schätze ihn sehr.“ Ob dieses Verhältnis auch auf Gegenseitigkeit beruht? Der Journalist Robin Alexander beschrieb in einem neuen Buch jüngst, dass Schäuble am Rande des Machtkampfs um die Kanzlerkandidatur in der Union vor österreichischen Verhältnissen um das „System Kurz“ und dem großen Einfluss des österreichischen Bundeskanzlers gewarnt haben soll. Kurz kennt das Buch nach eigenen Angaben nicht, das Verhältnis sei freundschaftlich. (as)

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