Die Mariahilfer Straße in Wien nach dem Ende des Corona-Lockdowns.
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Nach dem rund 6 Wochen dauernden österreichweiten 3. harten Lockdown dürfen Einkaufszentren, Frisöre und Geschäfte unter strengen Vorgaben wieder aufmachen. Die Wiener Einkaufsstraßen waren gut besucht.

Nach Lockdown-Ende

Österreich: Virologe warnt vor „deutlichem Anstieg“ der Corona-Fälle - Pandemie 2021 „sicher nicht Geschichte“

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Der Lockdown in Österreich ist vorerst Geschichte - von der Corona-Pandemie könne man dies jedoch „sicher nicht“ behaupten, wie ein Virologe nun erklärte. Gleichzeitig wird im Land der Impfstoff knapp.

Wien - Österreich befindet sich nach sechs Wochen hartem Lockdown wieder ein Stück weit näher der Normalität. Einzelhandel und Museen sind geöffnet, in den Schulen findet wieder Präsenzunterricht statt. Die aktuellen Fallzahlen würden diese Lockerungen ermöglichen, heißt es aus dem Bundeskanzleramt in Wien. Die Kapazitäten im Gesundheitssystem wären momentan vorhanden.

Corona in Österreich: Mutationen in Tirol beunruhigen - Anschober warnt

Gleichzeitig betont die Regierung um Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), dass die Covid-19 bei Weitem noch nicht besiegt sei. Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) rief bis Ostern die „schwierigste Phase der Pandemie“ aus. Die vor allem im Bundesland Tirol auftretenden Corona-Mutationsfälle bereiten Sorge, daher blieben Hotels und Restaurant auch weiterhin geschlossen. Die nächsten ein bis zwei Wochen werden zeigen, wie sich das Lockdown-Ende auf das Infektionsgeschehen auswirkt und sind entscheidend für weitere Lockerungen.

Fernab der britischen Virusvariante B.1.1.7 bekam Österreich die Corona-Zahlen zuletzt eigentlich in den Griff, die Neuinfektionen befinden sich weiterhin auf einem vergleichsweise stabilem Niveau. Am Mittwoch (17. Februar) wurden 1735 neue Fälle gemeldet, seit 22. Januar liegen die Neuinfektionen damit unter der 2000er-Marke.

Corona in Österreich: Virologe warnt - „Pandemie wird am Ende des Jahres sicher nicht Geschichte sein“

Zeit für Entspannung? Wohl kaum, befürchtet Christoph Steininger, Virologe der Medizinischen Universität Wien. Der Mediziner warnt bei oe24.at vor einem „deutlichen Anstieg der Fallzahlen“, der sich „einerseits durch infektiösere Virus-Varianten und andererseits durch die Lockerungen der Maßnahmen“ ergebe. Sind für die Österreicherinnen und Österreicher die aktuellen Lockerungen also bald schon wieder Geschichte?

Steininiger ist sich sicher, dass die Corona-Lage im Land nicht so schnell entspannt sein wird und sieht vor allem in den Impfungen einen Weg aus der Pandemie: „Wir können nur versuchen, möglichst viele Menschen zu immunisieren, damit wir wirklich einen positiven Effekt erzielen. Aber so, dass wir am Ende des Jahres alle Menschen geimpft haben und Corona Geschichte ist, wird es sicher nicht sein.“ 

Christoph Steininger, Virologe der MedUni-Wien, warnt bei oe24.at vor einem ernuten Anstieg der Corona-Fälle.

Corona in Österreich: Virologe beklagt - „brauchen wesentlich mehr Impfstoff - und bekommen ihn nicht“

Aufgrund der Mutationen sei „die Situation zu kompliziert geworden“, weshalb es bis zu einer langfristigen Entspannung der Lage wohl noch dauern werde. Hinzu kommen Lieferschwierigkeiten bei der Impfstoffbeschaffung: „Es bleibt das Problem, dass wir weniger Impfstoff haben als wir anwenden können. Wir brauchen wesentlich mehr Impfstoff - und bekommen ihn nicht.“

Österreich setzte bei der Impfstoffbeschaffung vor allem auf das schwedisch-britische Unternehmen AstraZeneca. Wie sich nun aber herausgestellt hat, ist die Wirkung des Vakzins gegen Mutationen wohl etwas geringer. Virologe Steininger bekräftigte zwar, dass in den Pharmakonzernen bereits gegengesteuert werde, weiß gleichzeitig aber auch um die „sehr komplexe Situation.“

Corona in Österreich: „Ich befürchte, 2022 werden wir die Pandemie auf jeden Fall noch sehen“

Und daher wird die österreichische Bevölkerung Covid-19 wohl noch eine Zeit lang begleiten: „Ich befürchte, 2022 werden wir die Pandemie auf jeden Fall noch sehen.“ Diese Einschätzung deckt sich mit Angaben der Weltgesundheitsorganisation, die kürzlich erklärt hatte, dass die Herdenimmunität in diesem Jahr voraussichtlich nicht erreicht werden könne.

In eine ähnliche Kerbe schlug auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Merkur.de-Interview: „Wenn wir mit den Impfungen Erfolg haben, könnten wir um weitere Lockdowns herumkommen. Aber 2021 ist die Pandemie keinesfalls zu Ende. Wir werden auch 2022 zu kämpfen haben. Dann kann man wirklich allerfrühestens auf eine Art Normalität hoffen. Aber auch das ist reinste Spekulation. Impfen wir in anderen Staaten unzureichend, kommen neue Escape-Mutationen hinzu und verlieren dazu Impfstoffe ihre Wirkung, kann es weiter andauern. Komplette Normalität Ende 2021 ist aber leider wahrscheinlich noch ausgeschlossen.“ (as)

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