Kreml schönt offenbar die Zahlen

Dreimal so viele Corona-Tote wie offiziell vermeldet? Politikerin in Russland gibt aufsehenerregendes Statement

  • Marcus Giebel
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Die Corona-Krise ist ein Test für die Menschheit. Und für so manche Staatsregierung offenbar auch ein Wettbewerb unter Nationen. In Russland etwa scheinen die Zahlen im großen Stil manipuliert zu werden.

  • Die Corona-Pandemie wird von täglichen Statistiken zu Infizierten und Todesopfern begleitet.
  • In Russland scheinen die gemeldete Covid-19-Toten nicht mit den wirklich registrierten Zahlen übereinzustimmen.
  • Die Vizeregierungschefin und die Statistikbehörde säen Zweifel an den offiziellen Werten aus dem Kreml.

München - Die offiziellen Zahlen an Corona-Infizierten und Covid-19-Todesopfern sind auch immer ein guter Indikator. Denn daran lässt sich ablesen, wie erfolgreich ein Land durch die Pandemie kommt. Inwiefern die Maßnahmen, die das öffentliche Leben zusammenstauchen, greifen.

Wer gemessen an den Bevölkerungszahlen relativ unbeschadet durch die Krise schifft, darf sich wie Deutschland im Frühjahr als weltweites Vorbild feiern. Und der Bewunderung anderer Nationen sicher sein. Eine besondere Anerkennung in schwierigen Zeiten.

Hat demnächst einiges zu (er-)klären: Russlands Staatschef Wladimir Putin dürfte nicht sehr erfreut sein über die veröffentlichtem Corona-Zahlen.

Manipuliert Russland Corona-Zahlen? Vizeregierungschefin vermeldet plötzlich 115.000 Todesopfer

Um ein bisschen Glanz in dieser tristen Zeit zu verbreiten, scheinen manche Länder aber auch vor Manipulationen der Statistiken nicht zurückzuschrecken. So verriet der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca im Herbst, dass das Land am Bosporus lediglich Erkrankte mit Symptomen als Corona-Fälle melden würde. Was eindeutig einer Schönfärbung gleichkommt.

Da scheint Ankara in guter Gesellschaft zu sein. Denn auch Russland flunkert offenbar bei den Zahlen, auf die die ganze Welt schaut. Das lässt sich jedenfalls mutmaßen, nachdem Vizeregierungschefin Tatjana Golikowa am vorletzten Tag des Jahres im Staatsfernsehen von 115.000 Todesopfern im Zusammenhang mit einer Sars-CoV2-Infektion sprach. Das Problem dabei: Die offizielle Regierungsseite vermeldet lediglich 56.400 Verstorbene im Zuge der Pandemie. Da erfährt die Jahresbilanz rund um den Globus wenig verwunderlich eine nicht für möglich gehaltene Aufmerksamkeit.

Manipuliert Russland Corona-Zahlen? Tote müssen klaren Hinweis in Sterbeurkunde aufweisen

Bereits seit längerem ist bekannt, dass Moskau nur solche Toten in die Statistik aufnimmt, bei denen Corona in der Sterbeurkunde notiert wurde. Nach Lage der Dinge ist das offenbar bei nicht einmal jedem zweiten Covid-19-Opfer der Fall.

Offiziell gibt es nur vier Länder, die bei den tödlich verlaufenden Infektionen die Marke von 100.000 überschritten haben: die USA, Brasilien, Indien und Mexiko. In Europa stellt Italien mit 73.600 die traurige Spitze dar.

Zwei von mehr als drei Millionen: Diese beiden mutmaßlichen Corona-Infizierten in einem russischen Krankenhaus bekommen Beistand vom Bischof der Russisch-Orthodoxen Kirche (M.).

Manipuliert Russland Corona-Zahlen? Übersterblichkeits-Statistik lässt weit mehr Todesopfer erahnen

Doch zurück in den Kreml: Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde Rosstat habe die Übersterblichkeit in Russland zwischen Januar und November bei mehr als 13 Prozent gelegen. Von den zusätzlichen Todesfällen seien 81 Prozent auf Corona zurückzuführen.

Stimmen diese Zahlen, müssten Berechnungen von Insidern zufolge im größten Land der Welt, das mehr als 3,1 Millionen Infizierte vermeldet hat, sogar mehr als 186.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben sein. Das wären dann mehr als dreimal so viele wie offiziell kommuniziert wird. Ein Ausmaß, mit dem sich Wladimir Putin in keinem Fall vor der Welt brüsten könnte.

Es darf nun also fleißig gerätselt werden, was wirklich hinter den weit auseinanderklaffenden russischen Zahlen steckt. Nebenbei wird einmal mehr deutlich, dass die Corona-Statistiken, die uns täglich vor Augen geführt werden, mit Vorsicht zu genießen sind. (mg)

Rubriklistenbild: © Sophia Sandurskaya/dpa

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