„Das ist Quatsch“

Corona-Studie zweifelt an PCR-Tests: „Nicht hinreichend für politische Maßnahmen“ - Lauterbach kontert scharf

  • Moritz Bletzinger
    VonMoritz Bletzinger
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Eine Corona-Studie bezeichnet PCR-Tests als unzureichende Begründung für Maßnahmen der Politik. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach widerspricht hitzig.

München - Die Universität Duisburg-Essen hat 190.000 Corona-Testergebnisse von 160.000 Menschen genauer beleuchtet. Und veröffentlicht nun ein Ergebnis, das politischer Zündstoff ist. Die Corona*-Debatte wird mächtig befeuert.

Corona-Studie zieht heftigen Schluss: „Test-Ergebnisse allein als Grundlage für Pandemie-Maßnahmen ungeeignet“

Ergebnisse allein seien als Grundlage für Pandemie-Maßnahmen* ungeeignet, titelt die Forschungsgruppe. „Ein positiver RT-PCR-Test* allein ist nach unserer Studie kein hinreichender Beweis dafür, dass Getestete das Coronavirus auf Mitmenschen übertragen können“, schildert Prof. Dr. Andreas Stang in der Pressemeldung.

„Die am Ende errechnete Zahl von SARS-CoV-2 positiv Getesteten sollte daher nicht als Grundlage für Pandemiebekämpfungsmaßnahmen, wie Quarantäne, Isolation oder Lockdown*, benutzt werden“, urteilt Stang. Die Autorinnen und Autoren der Studie raten der Politik zu anderen Bewertungskriterien. „Geeigneter wären zum Beispiel verlässliche Angaben zur Intensivbetten-Belegung sowie zur Mortalität, also zu der jeweiligen Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19*“, schlagen sie vor.

Corona: Positiv Getestete häufig nicht ansteckend? Forscher fordern Einbezug von Ct-Wert

Die Aussagekraft der PCR-Tests könne allerdings verbessert werden, merkt das Team an. Durch Einbezug des Schwellen-Zyklus-Werts (auch Ct-Wert) würden Aussagen über die Ansteckungsgefahr durch positiv getestete Personen möglich. Der Schwellen-Zyklus-Wert beschreibt die Viruslast im Körper. Liege er bei 25 oder höher, gehe man derzeit davon aus, dass die getestete Person nicht mehr ansteckend sei.

„Bei durchschnittlich etwa 60 % der Getesteten mit Covid-19-Symptomen* wurden solch hohe Ct-Werte nachgewiesen“, führt Stang aus, „in den Wochen 10 bis 19 waren es sogar 78 Prozent, die sehr wahrscheinlich nicht mehr ansteckend waren. Auch das Abfragen von Covid-19-Symptomen bei Getesteten würde helfen, die Ergebnisse von RT-PCR-Tests besser bewerten zu können.“

Studie zweifelt PCR-Tests massiv an - Karl Lauterbach (SPD) widerspricht bissig

SPD*-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach reagiert gereizt auf die Aussagen. „Das ist, mit Verlaub, Quatsch“, schießt er bei Twitter, „Ct-Werte wurden meist mitgeteilt.“

„Man hätte am Quarantäne-Ende Noch-Positive mit hohen Ct-Werten früher wieder aus der Quarantäne befreien können“, erklärt Lauterbach, „Aber für die Politik spielen Ct-Werte keine Rolle. Alpha- und Delta-Variante haben gar gefährlichere Ct-Werte.“ *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/Michael Kappeler/dpa

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