1. Startseite
  2. Welt

Geimpfte, Ungeimpfte, Alter und Impfdurchbrüche: Das sagen die neuen Corona-Daten des RKI

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bettina Menzel

Kommentare

Eine Intensivschwester betreut einen Patienten in einem der Behandlungszimmer der Intensivstation in der Universitätsmedizin Rostock.
Eine Intensivschwester betreut einen Patienten in einem der Behandlungszimmer der Intensivstation in der Universitätsmedizin Rostock. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner

Ungeimpfte machen rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung aus, auf Intensivstationen sind jedoch vier von fünf Covid-Patienten nicht geimpft. Das Risiko eines schweren Verlaufs ist für Ungeimpfte deutlich höher.

Berlin - Am Donnerstag bestätigte das Statistische Bundesamt, was Experten schon lange ahnten: Die Corona-Pandemie führte zwischen März 2020 und November 2021 zu einer Übersterblichkeit in Deutschland. Die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass besonders Ungeimpfte mit einem schweren Verlauf rechnen müssen. Obwohl sie statistisch gesehen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen, liegen überdurchschnittlich viele Ungeimpfte auf Intensivstationen.

Geimpft oder ungeimpft: Das sind die Patienten auf Intensivstationen in Deutschland

In ganz Deutschland sind aktuell (Stand: 10. Dezember, 22.05 Uhr) nur noch 2242 Intensivbetten für Erwachsene frei, wie das DIVI-Intensivregister zeigt. Das entspricht einem freien Bettenanteil von rund zehn Prozent. Schon bei Werten unter 15 Prozent wird es problematisch, wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erklärt. Denn im Durchschnitt verfügt eine Intensivstation über zehn bis zwölf Betten. Eine Kapazität von zehn Prozent entspricht daher einem freien Bett, um Notfälle, wie etwa Herzinfarkte oder Unfälle, schnell versorgen zu können. Eine besondere Herausforderung sind Corona-Patienten aufgrund ihrer langen Liegedauer und der komplizierten Beatmungsbehandlung. Der begrenzende Faktor sind nicht die Betten selbst, sondern das Personal, wie der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn in seiner letzten Pressekonferenz klarstellte.

Rund drei Viertel (75,5 Prozent) der Bevölkerung zwischen 18 und 59 Jahren sind geimpft, ein Viertel (24,5 Prozent) ist ungeimpft. Die Covid-Patienten in dieser Altersgruppe, die auf Intensivstationen landen, sind jedoch laut Berechnungen des ZDF zu 84,3 Prozent ungeimpft – das bedeutet vier von fünf Menschen. Wer ungeimpft auf das Virus trifft, hat demnach eine 17-Mal höhere Chance, schwer zu erkranken. Ginge es um eine Ziehung, stünde auf 17 Losen der Name eines Ungeimpften, auf nur auf einem der eines Geimpften.

Ein Vergleich der zuletzt veröffentlichten Hospitalisierungsinzidenzen (Woche vom 22. November bis 28. November) macht die Gefahrenlage umso deutlicher. Ungeimpfte, ältere Menschen haben die größte Gefahr, im Krankenhaus zu landen. Bei Ungeimpften über 60-Jährigen kamen RKI-Angaben zufolge 41,4 Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in die Klinik. Bei geimpften Menschen über 60 Jahren lag der Wert bei 6,7.

Warum auch Geimpfte auf die Intensivstation kommen können

Nicht nur Ungeimpfte liegen auf Intensivstationen. Da die Schutzwirkung der Impfung nicht 100 Prozent beträgt, können auch Geimpfte einen schweren Verlauf haben. Der Anteil der Geimpften auf Intensivstationen wird sogar voraussichtlich steigen. Statistisch gesehen ist das nur logisch, da ein größerer Anteil der Bevölkerung geimpft ist. Wenn theoretisch hundert Prozent der Bevölkerung eines Tages geimpft wären, lägen nur noch Geimpfte auf der Intensivstation – allerdings insgesamt deutlich weniger Menschen als ohne es eine Impfung der Fall wäre. Ein Argument gegen die Wirksamkeit der Impfung ist die Anzahl der Geimpften auf Intensivstationen also nicht. Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen Kim zieht in ihrem Video „Die Impfpflicht ist ok“ einen eindrücklichen Vergleich. Zu sagen: „Torwarte nützen nichts, denn bei 99 Prozent der Tore war ein Torwart da“, sei in etwa dieselbe Logik.

So viele Impfdurchbrüche gab es seit Beginn des Jahres

Etwa seit Beginn des Jahres (27. Januar) hatten 0,6 Prozent (362.130) der insgesamt 57,6 Millionen vollständig Geimpften einen Impfdurchbruch. Dieser Begriff bezeichnet jene Fälle, bei denen eine vollständig geimpfte Person sich trotz Impfung ansteckt und Symptome zeigt. Nur die wenigsten von einem Impfdurchbruch Betroffenen kamen auf die Intensivstation. Im Zeitraum vom 8. November bis 5. Dezember wurden bei den 12- bis 17-Jährigen null Prozent (null von sechs Fällen) der Patienten mit Impfdurchbruch intensivmedizinisch behandelt. In der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen waren es 16,8 Prozent (105 von 626 Fällen). Je älter der Patient, desto höher das Risiko: Bei den über 60-Jährigen kamen 41,1 Prozent der Menschen mit Impfdurchbruch auf die Intensivstation (480 von 1168 Fällen). Die meisten Menschen (68 Prozent), die zwischen dem 1. Februar und dem 5. Dezember nach einem Impfdurchbruch starben, waren 80 Jahre und älter.

Das RKI erklärt diesen hohen Anteil von älteren Geimpften auf Intensivstationen mit dem Nachlassen des Impfschutzes in dieser Altersgruppe. Denn als der Impfstoff erstmals bereitstand, erhielten zunächst bevorzugt ältere Menschen eine Impfung. Um den Impfschutz zu gewährleisten und gegen Omikron gewappnet zu sein, empfehlen Virologen eine Booster-Impfung. Unterm Strich zeigen die Zahlen des RKI: Die Impfung vermindert das Risiko eines schweren Verlaufes deutlich.

Auch interessant

Kommentare