Anders Tegnell, schwedischer Staatsepidemiologe
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Der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell schließt neue Corona-Maßnahmen nicht mehr aus.

Uppsala als Corona-Hotspot

Corona in Schweden: Kehrtwende? Staatsepidemiologe Tegnell schließt nun neue Maßnahmen nicht mehr aus

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Schweden ging während der Corona-Pandemie bislang einen Weg ohne Lockdown und strenge Regeln. Staatsepidemiologe Anders Tegnell schließt neue Maßnahmen nicht mehr aus.

  • In Schweden steigt die Zahl der Corona*-Neuinfektionen derzeit ebenfalls deutlich an.
  • In der Studentenstadt Uppsala wurden eindringliche Empfehlungen für die Bevölkerung ausgesprochen.
  • Staatsepidemiologe Anders Tegnell schließt neue Maßnahmen bei entsprechender Entwicklung der Corona*-Lage nicht mehr aus.
  • Die Beschränkungen für Menschen, die älter als 70 Jahre sind, wurden aufgehoben.

Uppsala/München - In großen Teilen Europas steigen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen derzeit rasant an. Auch in Schweden ist in den vergangenen Wochen ein deutlicher Anstieg der Corona-Fälle zu erkennen. Das Land gehört jedoch nicht zu den Corona-Hotspots in Europa. Wie auch schon im Frühjahr, haben die schwedische Regierung und der Staatsepidemiologe Anders Tegnell bislang keine strengen Corona-Regeln oder gar einen Lockdown erlassen. Doch das könnte sich bei einer weiteren Verschärfung der Lage ändern.

Im Video: Die aktuelle Corona-Lage

Corona in Schweden: Vermehrt Infektionen bei jüngeren Menschen

In der vergangenen Woche lag die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Schweden mehrfach über dem Wert von 900 - das entspricht den Höchstwerten, die im skandinavischen Land im Juni erreicht wurden, wie aus den Zahlen des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Die Beunruhigung in der Bevölkerung nimmt zu. Im Gegensatz zur ersten Welle der Pandemie infizieren sich während der zweiten Welle* in Schweden allerdings vermehrt junge Menschen mit dem Coronavirus*.

Die jungen Schweden infizieren sich häufig bei sozialen Aktivitäten. Sie weisen zumeist milde Symptome auf, weshalb die Todesrate und die Anzahl von Corona-Patienten auf Intensivstationen im skandinavischen Land weiterhin relativ niedrig sind. Dennoch rief zuletzt der Staatsepidemiologe Anders Tegnell insbesondere die junge Bevölkerung in einer Fernsehansprache auf, nicht auf Feiern zu gehen.

Corona in Schweden: Uppsala als Party-Hotspot mit eindringlichen Empfehlungen für Bevölkerung

Schwedens viertgrößte Stadt, die Studentenstadt Uppsala, ist für ihre Erstsemesterpartys im September und Oktober bekannt. Derzeit ist Uppsala einer der schwedischen Corona*-Hotspots. Zwar wurden von der Regierung bislang keine Verbote, oder Regeln beschlossen, aber es wurden eindringliche Empfehlungen für die Bevölkerung ausgesprochen. So soll man beispielsweise den öffentlichen Nahverkehr nur nutzen, wenn es zwingend notwendig ist. Laut Politico sind auf den Türen der Busse Plakate angebracht, die darauf hinweisen sollen.

Darüber hinaus sollen vorerst bis zum 3. November keine Feste organisiert, oder gefeiert werden. Kontakte zu Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sollen weitestgehend vermieden werden und die Leute sollen zu Hause bleiben, falls möglich. Poster auf den Mülltonnen in Uppsala warnen die Bevölkerung, dass die Gefahr noch nicht vorbei sei.

Corona in Schweden: Ergreifung neuer Maßnahmen nicht ausgeschlossen

Eine Maskenpflicht, oder einen Lockdown gibt es in Schweden weiterhin nicht. Jedoch erklärte Tegnell, dass eine Ergreifung neuer Maßnahmen bei einer entsprechenden Entwicklung nicht ausgeschlossen sei, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete. Um welche Maßnahmen es sich handeln könnte, sagte der Staatsepidemiologe allerdings nicht explizit.

Corona in Schweden: Beschränkungen für ältere Menschen aufgehoben

In der vergangenen Woche wurden die Corona-Beschränkungen für ältere Menschen in Schweden aufgehoben. Sie sind nun nicht mehr aufgefordert, sich zu isolieren. Sozialministerin Lena Hallengren sagte am Donnerstag, es gäbe keinen Grund mehr, warum für Ältere schärfere Maßnahmen gelten sollten als für den Rest der Bevölkerung. „Heute wissen wir mehr über das Coronavirus und über die Situationen, in denen das Infektionsrisiko am größten ist“, so Hallengren. „Deshalb müssen wir alle in Schweden jetzt die gleiche Verantwortung übernehmen, um uns und andere zu schützen.“

Bisher waren Menschen, die älter als 70 Jahre sind, aufgefordert, öffentliche Verkehrsmittel und physischen Kontakt zu anderen zu vermeiden. Außerdem sollten sie sich von Geschäften und anderen öffentlichen Orten fernhalten. Die Maßnahmen hätten einen großen Effekt gehabt, hieß es von Seiten der Gesundheitsbehörde. Doch ein Bericht habe gezeigt, dass sich die Isolation bei vielen Älteren negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt habe. (ph/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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