Covid-19-Intensivpatient
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In Deutschland sterben viele Corona-Patienten an einer unerkannten Sepsis. (Symbolbild)

Bei diesen Symptomen sofort ins Krankenhaus

Viele Corona-Patienten sterben nicht an Virus, sondern an bekannter Folge-Krankheit - Experte warnt

Viele Covid-19-Patienten sterben an einer tückischen Krankheit, die noch viel zu oft nicht erkannt wird. Um die Überlebenschance zu verbessern, fordert ein Mediziner einen nationalen Plan.

  • In Deutschland sterben viele Corona-Patienten an einer Blutvergiftung - der Sepsis.
  • Experten zufolge könnten viele tödliche Verläufe verhindert werden.
  • Der Chef der deutschen Sepsis-Stiftung fordert daher einen Nationalen Sepsisplan.

Deutschland hat zwar noch immer mit der Corona-Pandemie zu kämpfen, doch wenigstens gibt es erste Zeichen der Entspannung. Der seit Wochen herrschende Lockdown scheint endlich zu wirken. Die täglichen Neuinfektionen werden weniger, die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt in vielen Teilen des Landes.

Viele Corona-Patienten sterben an Sepsis - das müsste nicht sein

Doch eines macht den Experten große Sorge: die nach wie vor sehr hohen Todeszahlen. RKI-Chef Lothar Wieler nannte sie auf einer Pressekonferenz „schier unfassbar“. Doch viele Opfer müssten gar nicht ihr Leben verlieren. Nach Angaben der deutschen Sepsis-Stiftung sterben viele Corona-Patienten an einer Blutvergiftung, die unerkannt blieb oder zu spät diagnostiziert wurde.

Nach wie vor gebe es eine weit verbreitete Unkenntnis über das Thema Sepsis in der Bevölkerung, aber zum Teil auch beim medizinischen oder pflegerischen Personal, sagte der Stiftungs-Vorsitzende Konrad Reinhart dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Coronavirus und Sepsis: Arzt fordert Nationalen Sepsisplan

„Ein großes Problem ist, dass viele Patienten, die sich mit einer unkomplizierten Covid-19-Erkrankung zu Hause kurieren wollen, nicht rechtzeitig bemerken, wenn diese in eine Sepsis übergeht“, erläuterte Reinhart. „Wer Anzeichen wie ein plötzliches extremes Krankheitsgefühl, Fieber, einen hohen Puls, Verwirrtheit oder Schüttelfrost bemerkt, sollte auf keinen Fall abwarten und sofort ein Krankenhaus aufsuchen oder den Notarzt rufen.“

Bei einer Sepsis – allgemein Blutvergiftung genannt – handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems auf eine Infektion. Diese schädigt Organe und kann innerhalb von Stunden zum Tod führen. Eine Sepsis kann nicht nur im Verlauf einer Covid-19-Erkrankung entstehen, sondern auch etwa nach Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen und Grippeerkrankungen

Sepsis: Rund 75.000 Tote jährlich durch Blutvergiftung in Deutschland

Nach Angaben der Sepsis-Stiftung sterben jedes Jahr rund 75.000 Menschen in Deutschland an einer Sepsis. Etwa 15.000 bis 20.000 davon könnten demnach gerettet werden, wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt und adäquat behandelt würde. Der Intensivmediziner Reinhart fordert daher einen Nationalen Sepsisplan. Unterstützung für seine Forderung erhält er vom Robert-Koch-Institut und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Trotz dieser bedrückenden Zahlen besteht in der Pandemie Hoffnung, dass sich die Lage auch durch die immer größer werdende Zahl an Geimpften merklich verbessern wird. Kanzleramtschef Helge Braun sagte dem Spiegel, er sei optimistisch, dass wir „im Sommer zu unserem normalen Leben zurückkehren“ könnten. Charité-Virologe Christian Drosten warnte jedoch davor, Corona-Maßnahmen zu früh zu lockern, weil die Zahl der Neuinfektionen dann bis auf 100.000 schnellen könnte. (mt/dpa)

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