Nach Oberhof und Winterberg

Ansturm auf Skigebiete trotz Lockdown: Nächster Wintersport-Ort nun abgeriegelt - „Wurden überrannt“

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Trotz Corona-Lockdown gibt es einen regelrechten Ansturm auf Deutschlands Skigebiete. In manchen Orten werden nun Park- und Betretungsverbote durchgesetzt.

Update vom 4. Januar, 14.28 Uhr: Wintersportorte in ganz Deutschland kämpfen mit einem schier unaufhaltsamen Massen-Ansturm an Tagestouristen und Ausflüglern. Immer mehr Zufahrtsstraßen und Orte werden deshalb abgeriegelt. Hessen bildet dabei keine Ausnahme. Nach dem überwältigenden Andrang am vergangenen Wochenende wird jetzt auch im nordhessischen Wintersportort Willingen ein Betretungsverbot für Skipisten und Rodelhänge vorbereitet. „Wir sehen aufgrund der Erfahrungen keine andere Lösung“, sagte Bürgermeister Thomas Trachte (parteilos) der dpa am Montag.

Die Stadt in Hessen folgt seinem Nachbarn Winterberg in NRW (siehe unten), der bereits am Sonntag ein Betretungsverbot festlegte und auch die Straßen nach Willingen sperrte. Viele Besucher seien nach den dortigen Schließungen auf Willingen ausgewichen berichtete Trachte. Der Landkreis arbeite an einer Verfügung auf Grundlage des Infektionsschutzrechts. Ordnungsamt und Polizei würden das Verbot dann voraussichtlich ab Dienstag durchsetzen erklärte der Bürgermeister weiter.

Update vom 4. Januar, 13.40 Uhr: Auch in Thüringen bereitet der riesige Ansturm von Ausflüglern Probleme in den Wintersportorten. Oberhofs Bürgermeister Thomas Schulz will seine Stadt nun weitgehend abriegeln. „Es sollen nur noch Leute Zugang haben, die hier wohnen oder arbeiten oder ein berechtigtes Interesse daran haben, hierher zu kommen“, sagte Schulz der dpa. Das habe er dem Thüringer Innenminister Georg Meier (SPD) bereits mitgeteilt.

Am vergangenen Wochenende waren in Oberhof Straßen zugeparkt, Feuerwehrzufahrten versperrt und Rettungswege blockiert. Die Stadt bereitet sich zudem gerade auf zwei Biathlon-Weltcups vor, von denen der erste Ende dieser Woche beginnt. Die Sperrung der Stadt sei alternativlos, sagte Schulz.

„Ich habe Verständnis dafür, dass es die Menschen, die Familien mit Kindern in der Pandemie nach draußen drängt. Doch wir wurden überrannt, für den Ort ist die Menschenmasse nicht zu bewältigen.“ Es habe sich gezeigt, dass es nicht ausreiche, auf die Vernunft der Menschen zu setzen. Das Problem würde sich potenzieren, wenn die Biathlon-Fans entgegen aller Ratschläge nach Oberhof reisen würden, so Schulz. Für die Veranstaltungen am Wochenende und in der kommenden Woche sind hohe Sicherheits- sowie Hygienevorkehrungen geplant. Publikum ist nicht zugelassen.

Riesiger Ansturm auf Deutschlands Skigebiete: Hellenthal sperrt Parkplätze

Update vom 4. Januar, 12.30 Uhr: In Nordrhein-Westfalen gab es am Wochenende vor dem Corona-Gipfel einen regelrechten Ansturm auf die Skigebiete. Die Eifel-Gemeinde Hellenthal hat nun die Zufahrt zu den Parkplätzen an den Ausflugszielen mit Bauzäunen abgesperrt. Alleine auf einem großen Parkplatz hätten am Sonntag etwa 1300 Autos geparkt, sagte ein Sprecher der Stadt am Montag.

Erstmals seien Besucher auch auf die Dörfer und Weiler der 8000-Einwohner-Gemeinde nahe der belgischen Grenze ausgewichen. „Die Besucher kamen in Strömen“, sagte der Sprecher. Wiesen und die Seitenränder einer Bundesstraße seien zugeparkt worden. Am Montag seien Mitarbeiter aus der Verwaltung vor Ort, um die Parkverbote durchzusetzen.

Absperrungen blockieren die Zufahrt zu einem Parkplatz im Skigebiet in Winterberg. Nach dem großen Andrang in den letzten Tagen werden inzwischen auch andere Winterorte abgeriegelt.

In Winterberg sind bereits seit Sonntag Pisten und Parkplätze gesperrt. Das Betretungsverbot soll Tagestouristen davon abhalten, die verschneiten Skigebiete zu stürmen wie in den vergangenen Tagen. Am Vormittag sei es zunächst weitgehend ruhig geblieben, sagte eine Sprecherin der Stadt am Montag.

Corona in Deutschland: Riesiger Ansturm auf Bergregionen - Betretungsverbot für Winterberg

Erstmeldung vom 3. Januar: Offenbach/Winterberg - Der Ansturm der Menschenmassen auf Deutschlands Bergregionen ist allen Corona-Einschränkungen zum Trotz riesig: Unzählige Wanderer und Rodler zieht es zum Jahresanfang ins Sauerland, auf den Feldberg, nach Bayern oder in den Harz.

Nun gibt es sogar erste Straßensperrungen und Betretungsverbote, wie etwa für Winterberg in Nordrhein-Westfalen. Wie die Stadt in einer Presseerklärung am Samstag mitteilte, wurden die Skigebiete im Hochsauerlandkreis durch Tagestouristen derart überlaufen, dass in den Städten Sundern und Schmallenberg die Skigebiete oder die Zufahrten zu den Skigebieten gesperrt wurden. In Winterberg wurde die B480 als Hauptzufahrtsweg ebenfalls gesperrt. Polizei und Ordnungsbehörden schrieben Anzeigen wegen zahlreicher Verstöße gegen die Corona-Schutzmaßnahmen, wie eine Sprecherin der Stadt Winterberg im Sauerland sagte. In den verschneiten Ortschaften bildeten sich lange Autoschlangen und Staus.

Von 3. Januar bis zum 10. Januar 2021 hat die Stadt Winterberg jetzt ein Betretungsverbot für folgende Bereiche erlassen: Pisten in Altastenberg, Neuastenberg, Niedersfeld, Winterberg, Züschen und die dazugehörigen Parkplätze. Darüberhinaus der Bereich rund um den Kahlen Asten und der Großraumparkplatz Bremberg. Es komme jetzt praktisch niemand mehr
rein, sagte eine Sprecherin der Stadt Winterberg. „Wir haben gestern Abend noch ein Betretungsverbot ausgesprochen, aber die Leute sind trotzdem wieder hierhergekommen“, berichtete sie. Jetzt würden sie aber hoffentlich umdrehen und zurückfahren.

Lifte und Pisten sowie Restaurants und Hütten sind demnach bis mindestens 10. Januar geschlossen. Die Betreiber der Wintersport-Arena und des Skiliftkarussells in Winterberg weisen auf ihren Internetseiten auf die aktuellen Beschränkungen hin und richten einen Appell an die sonst gern gesehenen Touristen.

Auf der Homepage heißt es: „Das Gebot des Tages heißt: Kontaktvermeidung! Wir lieben unsere Berge. Sie bestimmt auch: Aber in diesen Zeiten müssen wir diese Liebe ruhen lassen, denn der Ansturm führt zu Stau und Massenaufläufen. Verstopfte Straßen, fehlende Parkplätze und viele potentielle Kontakte. Wer will das schon ? Tuen sie sich das nicht an! Wir mögen den Trubel - in normalen Zeiten. Doch was ist in diesen Zeiten schon normal ? Rodellifte und Sklifte sind geschlossen. Möglichkeiten zum Aufwärmen oder zur Toilette zu gehen bestehen nicht. darauf hin, dass es darum für Ausflügler keine Toiletten und keine Möglichkeiten zum Aufwärmen gibt - und dass keine Retter vor Ort sind. „Wir lieben unsere Berge“, heißt es auch. „Aber in diesen Zeiten müssen wir diese Liebe ruhen lassen, denn der Ansturm führt zu Stau und Massenaufläufen. Verstopfte Straßen, fehlende Parkplätze und viele potenzielle Kontakte. Wer will das schon?“

Trotz Appellen auf Ausflüge während des Corona-Lockdowns zu verzichten, tummeln sich viele Menschen mit ihren Schlitten auf einem verschneiten Hang am Winterberg in Nordrhein-Westfalen.

Ansturm trotz Corona-Lockdown: „Chaos hoch drei - alles bricht zusammen“

Alle Bitten um Verzicht nützten auch im Harz wenig: Schon am Sonntagmorgen waren die Parkplätze wieder voll, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. Die Bundesstraße 4 musste zudem kurzzeitig am Ortsausgang Bad Harzburg in Richtung Torfhaus einseitig gesperrt werden, da es zu Staus kam und einige Autos bereits liegengeblieben waren.

Ähnlich war die Lage auch am Samstag: „Wir haben hier Chaos hoch drei, es bricht alles zusammen“, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Goslar am Mittag. „Es geht so gut wie gar nichts mehr, einige Autos sind auch liegengeblieben. Es ist zu viel los.“ Auf Rodelbergen wie der Hexenritt-Abfahrt am Wurmberg tummelten sich die Massen, auch auf Wanderwegen liefen Ausflügler dicht an dicht.

Behörden und Polizei hatten zuvor immer wieder darum gebeten, im Corona-Lockdown lieber auf Ausflüge in die Berge zu verzichten - und doch kam es erneut zu einem Ansturm von Rodlern und Wanderern.

Ansturm am Feldberg in Hessen - Zufahrtstraßen gesperrt

Auch am Großen Feldberg in Hessen hielt der Ansturm von Ausflüglern mit Sehnsucht nach Schnee an. Rund um den höchsten Gipfel im Taunus sei es „chaotisch wie die letzten Tage“, sagte ein Sprecher der Polizei in Königstein. Zahlreiche Ausflügler seien trotz gesperrter Gipfel-Zufahrten unterwegs, Straßen in den Ortschaften rund um den Feldberg seien zugeparkt. Auch in der Rhön zog es am ersten Samstag des Jahres viele Menschen nach draußen und zur Wasserkuppe, Hessens höchstem Berg. „Es ist voll“, sagte ein Polizeisprecher in Fulda.

Am Sonntagvormittag entschied sich die Polizei schließlich die Zufahrten zum Feldberg im Bereich Schmitten (Dorfweil) und Glashütten (Oberems) abzusperren. Auswärtige Ausflügler wurden wieder nach Hause geschickt. Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich die Autos in manchen Ausflugsorten kilometerlang gestaut.

Auch im bayerischen Oberland sorgen unzählige Ausflügler für Ärger. Autofahrer mit Münchner Kennzeichen erwartet in Miesbach etwa ein selbstgebasteltes Schild mit einer eindeutigen Hassbotschaft. Auch am Brauneck tummeln sich trotz Corona-Lockdown „abartig viele Leute“. (va)

Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa

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