Bars und Restaurants haben in der spanischen Hauptstadt Madrid bereits seit längerer Zeit wieder geöffnet.
+
Bars und Restaurants haben in der spanischen Hauptstadt Madrid bereits seit längerer Zeit wieder geöffnet.

Trotz konstant hoher Inzidenz

Corona in Spanien: „Schwedisches Modell“ - Madrid wird nach radikalen Öffnungen zur Party-Metropole

  • Felix Durach
    vonFelix Durach
    schließen

Trotz konstant hoher Neuinfektionen haben in Madrid seit längerer Zeit Bars und Restaurants wieder geöffnet. Eine Strategie, hinter der politisches Kalkül steht.

Madrid - Spanien und allen voran die Hauptstadt Madrid wurden vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr hart von der ersten Welle der Pandemie getroffen. Bilder von überfüllten Krankenhäusern mit Betten auf den Fluren gingen um die Welt und die Eishallen der Metropole wurden kurzerhand zu Leichenhäusern umfunktioniert, um die großen Opferzahlen durch das Coronavirus auffangen zu können. Über ein Jahr später ist die Infektionslage in der spanischen Hauptstadt zwar immer noch angespannt, das Bild in den Straßen von Madrid jedoch ein gänzlich anderes.

Corona-Pandemie in Madrid: „Schwedisches Modell“ in Spaninen - „Madrid ist Freiheit“

Bars, Restaurants, Fitnessstudios haben trotz einer landesweiten Inzident von über 100 bereits seit Wochen geöffnet und bieten der Bevölkerung von Madrid viel Raum zum ausgelassenen Feiern. Zumindest bis 23.00 Uhr, wenn die nächtliche Ausgangssperre greift. Dann verlagert sich das Party-Geschehen eher in private Innenräume, was zu einem erhöhten Arbeitsaufwand der madrilenischen Polizei führt, die jede Nacht mit der Auflösung von privaten Feiern beschäftig ist.

Verantwortlich für die radikalen Öffnungen in der spanischen Metropole, die seit Herbst keine 7-Tage-Inzidenz von unter 150 mehr vorweisen konnte, ist die konservative Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso, die seit Monaten die Öffnungen in Madrid vorantreibt und die Vorgaben der Zentralregierung - die eigentlich in der Pandemiebekämpfung den Kurs vorgibt - aufs äußerste ausreizt. „Madrid ist Freiheit“, lautet das Motto der 42-Jährigen. Ayuso verfolge ein „schwedisches Modell“ für ihre Region erklärt der Politikökonom Miguel Otero gegenüber Spiegel Online. Die beinhaltet einen möglichst normaler Alltag mit offener Gastronomie im Gegenspiel mit sich unkontrolliert ausbreitenden Infektionen.

Die Regionalpräsidentin von Madrid Isabel Diaz Ayuso spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung in der spanischen Hauptstadt.

Corona in Spanien: Trotz Rekord-Todeszahlen - umfassende Freiheiten in Madrid

Eine Strategie, die ihren Preis hat. 15.000 Menschen sind seit der Beginn der Pandemie in Madrid verstorben. Eine Statistik, bei der Ayusos Region an der Spitze im spanischen Vergleich steht - Experten rechnen tatsächlich mit deutlichen höheren Todeszahlen. Auch die Intensivstationen in der spanischen Hauptstadt haben noch alle Hände voll zu tun. Sowohl mit aktuellen Corona-Patienten, als auch mit denen, die an den Langzeitfolgen einer Infektion leiden.

Einer Einschätzung von Epidemiologen konnte ein noch schlimmerer Pandemie-Verlauf in Madrid auch nur deswegen verhindert werden, weil die Bewohner der Metropole unabhängig von den Vorgaben ihrer Regionalregierung Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen hätten. Dies würde unter anderem aus Mobilitätsdaten hervorgehen. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich vergleichsweise viele Madrilenen bereits in der ersten Welle mit dem Coronavirus infiziert hatte und nun bereits als genesen gelten in Kombinationen mit höherer Gewalt. So könnte sich ein rekordverdächtiger Schneesturm, der die Stadt im Januar quasi komplett lahmlegte, als eine Art natürlicher Lockdown ausgewirkt haben.

Corona in Spanien: Politisches Kalkül zwischen radikalen Öffnungen in Madrid

Als Grund für Ayusos anhaltend lockere Corona-Pandemie sehen Experten vor allem die vorgezogenen Neuwahlen in Madrid an, die am Dienstag stattfinden. Bei diesen erhofft sich die 42-Jährige vor allem die Stimmen diejenigen Madrilenen, die in der Event- oder Gastronomiebranche tätig sind. Ein Plan, der am Ende aufgehen könnte. Ayuso steht in den aktuellen Umfragen bei 40 Prozent. Am Ende könnte es ein politischer Sieg werden, für den die Einwohner von Madrid einen hohen Preis gezahlt haben. (fd)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare