In einem Klassenzimmer ist das Fenster während des Unterrichts offen, um den Luftaustausch während der Corona-Pandemie zu gewährleisten.
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Regelmäßiges Lüften wird aufgrund des Coronavirus empfohlen. Eine Studie zeigte, dass auch das Sprechen mit einem Infizierten gefährlich sein kann.

„Punkt, der berücksichtigt werden muss“

Genauso gefährlich wie husten: Corona-Studie liefert neue Erkenntnis über Ansteckungsweg

  • Michelle Brey
    vonMichelle Brey
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Die Verbreitung von Aerosolen hat eine entscheidende Bedeutung in der Corona-Pandemie. Eine Forschungsarbeit veranschaulicht, dass das Reden mit einem Infizierten eine Gefahr darstellen kann.

  • Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind in vielen Ländern hoch.
  • Besonders Großbritannien ist von der Pandemie gezeichnet. Hintergrund ist die neue Corona-Variante.
  • Eine Forschungsarbeit zeigt, dass auch das Sprechen ein Risiko mit sich bringt.

München - In Spanien herrscht eine Schweigepflicht und ein Telefonier-Verbot in den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Ob es auch in Deutschland bald so weit ist, bleibt abzuwarten. Hintergrund für die Regelungen sind die Aerosole, die sich bei einer Infektion mit dem Coronavirus verbreiten. Durch ein Sprechverbot soll die Ansteckungsgefahr mit dem Virus minimiert werden.

Eine Studie zeigt indes, wie gefährlich Sprechen hinsichtlich der Aerosole sein kann.

Studie aus Großbritannien: Sprechen genauso gefährlich wie Husten

Eine große Bedeutung in der Corona-Pandemie spielen Aerosole, die beim Atmen, Husten, Niesen, Singen oder auch beim Reden entstehen und sich über die Luft ausbreiten. Hintergrund für die Empfehlung Räume regelmäßig gut durchzulüften, sind kleine Partikel, die sich über mehrere Stunden in der Luft halten können. Die 1,5-Meter-Abstandsregelung ist auf größere Partikel zurückzuführen, die sich hingegen nicht besonders lange in der Luft halten können.

Pedro Magalhães de Oliveira, Strömungsmechaniker von der Universität im britischen Cambdridge, veröffentlichte eine Forschungsarbeit im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society A“. Darin stellte er unter anderem einen Rechner vor, der mit verschiedenen einstellbaren Parametern kalkulieren kann, wie hoch das Risiko einer Infektion in einem Innenraum sein kann. Des Weiteren heißt es in der Studie, dass es in ähnlichem Ausmaß gefährlich sein soll mit einem Infizierten zu sprechen, wie wenn dieser hustet. Konkret kam man zu dem Ergebnis, dass eine Stunde, nachdem ein Infizierter 30 Sekunden lang gesprochen hatte, mehr Aerosole in der Luft verbleiben, wie nach einem einzigen Husten. In kleinen Räumen und ohne Belüftung könnte das ausreichen, um eine Infektion hervorzurufen.

 „Man braucht Masken, man braucht Abstand, und man braucht eine gute Belüftung, damit sich diese Partikel nicht in einem Innenraum ansammeln und sie sicher entfernt werden“, so äußerte sich de Oliveira gegenüber der britischen Zeitung The Guardian.

Coronavirus: Verbreitung von Aerosolen - „Sprechen ist ein sehr wichtiger Punkt“

„Sprechen ist ein sehr wichtig Punkt, der berücksichtigt werden muss“, sagte Oliveira weiter, „weil es viel feinere Partikel produziert (als Husten) und diese Partikel oder Aerosole über eine Stunde lang in Mengen suspendiert werden können, die ausreichen, um die Krankheit zu verursachen.“

In dem Rechner, den de Oliveira entwickelte, werden verschiedene Faktoren berücksichtigt, die man individuell einstellen kann, um zu sehen, wie sich diese auf die Verbreitung auswirken.

Dazu zählen:

  • Die Fläche und die Höhe des Raumes.
  • Wie oft findet ein Luftaustausch statt?
  • Wie viele Menschen halten sich in dem Raum? Welche Tätigkeit üben sie aus?
  • Welche Art von Masken tragen sie? (Stoffmasken, OP-Masken, FFP2-Masken)
  • Wie viele infektiöse Personen halten sich in dem Raum auf? Tragen sie eine Maske?

Berücksichtigt wird in dem Rechner beispielsweise nicht die neue Coronavirus-Mutation B.1.1.7, die deutlich infektiöser sein soll.

Jedoch kann man sich durch den Rechner ein Bild darüber machen, wie sich bestimmte Maßnahmen, beispielsweise das Tragen einer Maske oder das Lüften, zugunsten des Virus auf die Pandemie auswirken können. (mbr)

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