Solche Abschlussprüfungen gab‘s noch nie

Corona in Bayern: Großer Aufwand fürs Ausnahme-Abitur

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Solche Abiturprüfungen wie heuer gab es noch nie. Der Aufwand für die Schulen ist enorm, damit in Bayern ab Mittwoch rund 35 000 Gymnasiasten ihr Abitur ablegen können. Jetzt hoffen alle, dass es gut läuft – trotz der Corona-Ausnahmesituation.

Miesbach/Berg – „Ich bin froh, wenn es jetzt losgeht“, sagt Joshua Grasmüller (17). Der Gymnasiast aus Eichenau (Kreis Fürstenfeldbruck), der das Gymnasium Kempfenhausen (Kreis Starnberg) besucht, ist froh, wenn das Hin und Her wegen der Corona-Maßnahmen ein Ende hat „und wir Schüler zeigen können, was wir können“. Grasmüller ist bayerischer Landesschulsprecher – sozusagen professioneller Schüler. „Ohne eine Prüfung zu schreiben, hätte sich das für mich nicht wie ein Schulabschluss angefühlt“, sagt er. Und: „Ich bin nicht zwölf Jahre in die Schule gegangen, um dann mit Corona da irgendwie rauszuschlittern.“

Abi mit mehr Abstand: Am Mittwoch beginnen in Bayern die Prüfungen.

Wenn es nach dem Direktor desMiesbacher Gymnasiums gegangen wäre, hätte heuer ein Notabitur gereicht. „Die Schüler haben sich ja schon in den zwei Jahren Kollegstufe bewiesen, und dann hätten wir an den Schulen mehr Zeit für die Elftklässler gehabt, die ja kommendes Jahr Abitur machen“, sagt Rainer Dlugosch. Nun aber kommt es anders. „Wir Schulen tun unser Bestes und wünschen uns, dass das Abitur gut verläuft.“ Die Prüfungsvorbereitung habe gut geklappt, da die Schüler der Abschlussklassen schon seit 27. April wieder in der Schule unterrichtet werden und zuvor digital mit Stoff versorgt wurden.

Corona in Bayern: Schüler gewöhnen sich ans  Selbststudium

Joshua Grasmüller kann den letzten Unterrichtstagen nicht so viel Positives abgewinnen. „Es war ein komisches Gefühl, so mit Abstand an Einzeltischen zu sitzen.“ Doch haben ihn seine Lehrer mit viel Engagement vorbereitet – und an das Lernen zuhause in einer Art Selbststudium habe er sich dann auch gewöhnt. Zudem habe man in Gesprächen mit dem Kultusministerium eine gute Kompromisslösung in Sachen Benotung erzielt, sagt Grasmüller. „Salopp gesagt hat das einigen Schülern den Hintern gerettet.“

Das Kultusministerium erklärt den Kompromiss so: Noch ausstehende Leistungsnachweise wurden erlassen. Zudem gelte für die Ermittlung der Halbjahresleistungen eine sogenannte „Günstigerregelung“: Die Notenbildung für das Kurshalbjahr 12/2 erfolgte entweder aus bereits bis zu den Schulschließungen erbrachten Leistungen und/oder aus einer Hochrechnung der Note aus den Ergebnissen der vorherigen drei Halbjahre. Jeweils genommen wird, was aus Schülersicht am günstigsten ist, erklärt ein Ministeriumssprecher. Beim Niveau seien aber keine Abstriche gemacht worden. Stoff sind die Lehrplaninhalte, um laut Kultusministerium so „die hohe Qualität der bayerischen Bildungsabschlüsse zu sichern“.

Rainer Dlugosch leitet das Gymnasium Miesbach.

Corona in Bayern: Abschluss bis 17. Juli - heuer ohne Abiball

Los geht es am Mittwoch mit dem Fach Deutsch, am Dienstag, 26. Mai, wird Mathematik geprüft, am darauffolgenden Freitag das dritte Abifach. Danach folgen die mündlichen Prüfungen, und am 17. Juli sollen die Abiturienten entlassen werden – heuer ohne Abiball.

Während der Prüfungen gelten strenge Hygienemaßstäbe – doch war es auch früher schon üblich, dass die Schüler nur einzeln zur Toilette durften. „Für uns war die Vorbereitung ein immenser Aufwand“, sagt Direktor Dlugosch. Denn parallel sind ja auch die 5. und 6. Klassen wieder in den Schulen, die Einschreibung findet statt, ebenso der Probeunterricht, weiterhin müssen die Lehrer den digitalen Unterricht organisieren. „Etliche Kollegen kommen mittlerweile am Zahnfleisch daher“, sorgt sich der Schulleiter.

Joshua Grasmüller macht dieses Jahr Abitur

Besorgt sind auch die Abiturienten von 2021. In einer Pressemitteilung fordert die Auszubildenden & Schüler Union vom Kultusministerium Planungssicherheit für das Abitur 2021. Da es nicht möglich gewesen sei, in diesem Schulhalbjahr den vorgesehenen Lernplanstoff durchzubekommen, sei es notwendig, den Prüfungsstoff zu kürzen. Und zwar jetzt, schreibt die Schülerunion: Damit die Lehrer reagieren können, um ihren Schwerpunkt auf die Vermittlung prüfungsrelevanten Stoffes zu legen. Die augenblickliche Situation sei „weder den bayerischen Schülern noch den Lehrern zuzumuten“. Es fehle Planungssicherheit.

Das Abitur findet statt - auch wenn das Coronavirus das Leben einschränkt. Jetzt sorgt ein Diebstahl in Bayern für Aufsehen - er hat Auswirkungen für alle Abiturienten.*

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Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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