Der Münchner Florian S. (Name geändert) überlebte das Coronavirus - zu verdanken hat er es seinen Ärzten.
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Der Münchner Florian S. (Name geändert) überlebte das Coronavirus - zu verdanken hat er es seinen Ärzten.

„I mag ned sterben“

Er war topfit und starb fast an Corona - Münchner (36) erzählt: So retteten die Ärzte mein Leben

Er war kerngesund - und Corona kostete ihn fast das Leben. Ein Münchner erzählt von seinen Erfahrungen von der Erkrankung bis zum künstlichen Koma und der Genesung.

  • Ein junger Münchner hatte sich mit Corona infiziert. München ist aktuell Corona-Hotspot.
  • Obwohl er gesund war, starb er fast an dem Virus.
  • Er erzählt von seinen Erfahrungen und erzählt, wie ihm die Ärzte das Leben retteten.

München - Die Corona-Zahlen steigen weiter: 153 Neuinfizierte wurden am Freitag in München gemeldet. Somit sind in der Stadt bislang insgesamt 13 170 Infektionen bestätigt. Und die Intensivstationen? Hier gibt es zum Glück noch genug Betten. In Schwabing werden derzeit zwei Erkrankte intensiv versorgt, gleiches gilt für Großhadern.

Auch Florian S. (Name geändert) lag auf der Intensivstation. Corona setzte dem 36-Jährigen schwer zu, wochenlang lag er im Koma, musste im Klinikum rechts der Isar beatmet werden. Dabei war der junge Mann vorher immer topfit. Im Interview erzählt er, wie ihn die Ärzte retteten.

„Die Ärzte haben ein CT von meiner Lunge gemacht, es war komplett weiß im Querschnitt“

Florian, wann hatten Sie den Verdacht, sich angesteckt zu haben?

Florian S.: Das war Mitte März, kurz vor dem Lockdown. Ich habe Husten bekommen und mich krank gemeldet. Ich arbeite als Krankenpfleger in einem anderen Krankenhaus und wollte niemanden gefährden. Das Gesundheitsamt hat bei mir daheim einen Abstrich genommen, auf das Ergebnis warte ich heute noch. Das waren wirklich chaotische Zeiten. Vier oder fünf Tage später kamen Fieber und eine leichte Atemnot dazu.

Sie wurden ins Klinikum rechts der Isar gebracht…

Florian: Ich kam in einen Isolierraum, ein Pfleger ist mir nicht mehr von der Seite gewichen. Ich hatte nur noch eine sehr geringe Sauerstoffsättigung bei Raumluft. Die Ärzte haben ein CT von meiner Lunge gemacht, es war komplett weiß im Querschnitt. Die für Covid-19 typische Milchglastrübung.

Wie ging es Ihnen psychisch?

Florian: Ich weiß noch, wie ich flach im CT lag, nach Luft gerungen habe und gedacht habe: ‚I mag ned sterben.‘ Ein Arzt hat mich gefragt, ob ich eine Patientenverfügung habe. Ich habe eine. Die Frage war trotzdem ein Schock.

Münchner musste wegen Corona ins künstliche Koma

Sie kamen sehr schnell auf die Intensivstation?

Florian: Am Abend wurde ich eingeliefert, am nächsten Morgen wurde ich auf die Intensivstation verlegt. Ich habe meiner Mama morgens um 6 Uhr eine SMS geschrieben, dass ich jetzt intubiert werden muss. Sie hat gar nicht verstanden, was das heißt.

Sie wurden intubiert, weil sie ins Koma versetzt und künstlich beatmet wurden. Drei Wochen lang in Ihrem Fall. Haben Sie Erinnerungen an diese Zeit?

Florian: Ich hatte furchtbare Träume von Flucht, vom Gefangen sein und Gefesselt sein und nicht wegkommen. Ich konnte nicht sprechen, konnte mich nicht wehren. Ich habe auch geträumt, dass die Beatmungsmaschine falsch bedient wird und mich das umbringt.

Münchner (36) stirbt fast an Corona: „Ich habe einen Luftröhrenschnitt bekommen“

Die Ärzte, die Pflegekräfte haben um Ihr Leben gekämpft.

Florian: Meine Organwerte waren schlecht. Ich habe einen Luftröhrenschnitt bekommen, weil ich verhältnismäßig lange künstlich beatmet werden musste und das schonender ist.

Nach etwa drei Wochen haben Sie die Ärzte aus dem künstlichen Koma geholt?

Florian: Das war am 18. April, einen Tag nach meinem 37. Geburtstag. Ich bin aufgewacht und wollte sofort heim. Aber ich konnte am Anfang ja nicht mal sprechen, geschweige denn laufen. Alle Pflegekräfte auf der Intensivstation haben mich wirklich super betreut. Ich lag dann noch ungefähr eine Woche auf der Intensivstation und eine Woche auf Normalstation. Dann habe ich mich selbst auf eigene Verantwortung entlassen und leider eine beidseitige Lungenembolie bekommen. Es ist zum Glück gut ausgegangen. - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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