Das Prinzenpaar im Einsatz: Margarethe I. und Berni I. bringen Krapfen in ein Münchner Altenheim.
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Das Prinzenpaar im Einsatz: Margarethe I. und Berni I. bringen Krapfen in ein Münchner Altenheim.

„Humor ist systemrelevant“

Fasching in Corona-Zeiten: Münchner Prinzen-Paar wird bemitleidet - macht jedoch „das Beste draus“

  • Wolfgang Hauskrecht
    vonWolfgang Hauskrecht
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  • Stefan Sessler
    Stefan Sessler
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Fasching wurde ja eigentlich den Corona-Maßnahmen geopfert. Dennoch zieht das Münchner Prinzenpaar los, um Freude in der dunklen Zeit zu verbreiten.

München - Die Narrhalla ist der älteste Faschingsverein der Stadt, Gründungsjahr 1893. Die großen Bälle sind legendär – und das Narrhalla-Prinzenpaar hat fast schon Star-Status. Doch dieses Jahr ist alles anders: Corona* hat aus der fünften Jahreszeit eine triste Veranstaltung gemacht. Aber das diesjährige Prinzenpaar will sich damit nicht abfinden.

Im Corona-Lockdown: Fasching in München - Narrhalla-Prinzenpaar macht das Beste daraus

Margarethe Stadlbauer (35) und Berni Filser (27) heißen die Regenten. Als Margarethe I. und Berni I. ziehen sie – mehrfach getestet – im Auftrag des Frohsinns durch die Stadt. Oder sie liefern im Internet ihre atemberaubende Faschingsshow ab. Margarethe I. stammt aus Fahrenzhausen im Kreis Freising, Berni I. aus Niederbayern.

Sie arbeitet im richtigen Leben bei der Hanns-Seidel-Stiftung, er ist Kabarettist und Volksmusikant (Couplet-AG, BR-Brettl-Spitzen). Aber gerade ist dafür keine Zeit – wir sind mitten im Faschingsendspurt. Auch, wenn es nicht jeder merkt. 

Der Fasching in München war schon mal lustiger. Was erlebt ihr gerade, wenn ihr mit euren prachtvollen Kostümen durch die Stadt geht?
Margarethe I.: Die Menschen denken, dass wir verrückt sind. Oder, dass wir heiraten. Kürzlich waren wir im Hofgarten und haben Fotos gemacht, da haben uns einige Münchner zur Hochzeit gratuliert. Normalerweise ist der ganze Hofstaat mit dem Prinzenpaar unterwegs. Eigentlich erkennt man uns. Auch am Prinzenauto. Aber dieses Jahr ist alles anders.
Berni I.: Wir sind nur zu zweit unterwegs – und machen alles selbst. Wir müssen sogar selber Auto fahren. Sonst hat das Münchner Prinzenpaar einen Fahrer.
Was fehlt noch?
Margarethe I.: Normalerweise gibt es auch einen Prinzessinnen-Frisör, der mir die Haare macht. Normalerweise ist eine ganze Entourage für uns zuständig. Normalerweise haben wir eine Suite im Bayerischen Hof, in der wir bis Aschermittwoch sechs Wochen lang residieren dürfen. 2021 ist das leider alles nicht möglich. Aber wir machen das Beste draus.

Fasching in München: „Noch in 100 Jahren wird man über diese Corona-Krise reden“

Kein Prunk und kein Glamour. Corona hat alles durcheinandergewirbelt. Sogar den Fasching. 
Margarethe I.: Ja, manche bemitleiden uns sogar. Die sagen: „Ihr Armen, ihr habt ja gar keine Auftritte. Ihr habt gar keine Bälle und gar keinen richtigen Fasching.“
Was antwortet ihr?
Berni I.: Für uns ist es eine Riesenehre, den Menschen Freude zu schenken. Genau jetzt in dieser Zeit braucht man den Fasching. In 100 Jahren wird man noch von dieser Corona-Krise* reden. Vielleicht bleibt man als Corona-Prinzenpaar sogar mehr in Erinnerung als in einem ganz normalen Jahr. Wir haben außerdem vorher geahnt, was uns erwartet, als die Narrhalla im Herbst auf uns zugekommen ist und gefragt hat, ob wir Prinz und Prinzessin werden wollen. Aber natürlich wussten wir nicht, dass es so krass ist. Dass unsere Regentschaft mitten in den Lockdown fällt.
Was fällt noch aus?
Berni I.: Ordensverleihungen, Bälle, alles fällt dieses Jahr aus. Traditionell findet die Inthronisation des Prinzenpaars am Marienplatz vor Tausenden Menschen statt. Dieses Jahr waren wir zu fünft. Wir haben alles online übertragen. Wir standen auf dem Rathausbalkon und unten auf dem Marienplatz standen ein paar junge Leute, die haben hoch gerufen: „Wer seid ihr denn?“ Da haben wir geantwortet: „Na, das Münchner Faschingsprinzenpaar!“ Es klingt verrückt, aber es war die allererste Reaktion von anderen Menschen, die wir live bekommen haben.
Margarethe I.: Da haben wir zum ersten Mal das Gefühl erlebt, wie es die Prinzenpaare in normalen Zeiten empfunden haben mussten. Wie die Menschen ihnen mit Freude und Zuneigung begegnen. Wir sitzen leider alleine in unseren Wohnungen vor der Kamera, machen Spaß und vermitteln Frohsinn via YouTube und Facebook.

Viele Neuerungen im Corona-Fasching in München

Ihr habt ein Kinderfaschings-Lied eingesungen, man findet lustige Videos von Euch auf YouTube. Ein Großteil des Faschings findet online statt. Seid Ihr auch im echten München unterwegs?
Berni I.: Ja. Wir besuchen Seniorenheime und bringen Krapfen vorbei. Natürlich gehen wir nicht rein ins Gebäude, sondern wir spielen Faschingslieder und winken den Bewohnern zu. Unsere Aktion heißt „Fasching aus der Schachtel“. Neben den Krapfen haben wir auch noch DVDs mit Videos von uns dabei. Das kommt super an.
Man merkt es Euch an. Ihr seid richtige Macher. Trotz Corona gebt Ihr Vollgas. 
Margarethe I.: Wir haben Livestreams und 100 andere Sachen gemacht, wir haben Videos geschnitten und ich habe alle Präsidenten der sieben Münchner Faschingsvereine angerufen, ob wir eine gemeinsame Kostüm-Prämierung auf die Beine stellen. So entstand der „Grand Prix der Kostüme“. Das gab es in der Stadt noch nie. Dafür wurden uns hunderte Kostüme von Faschingsnarren aus München* und ganz Bayern zugesandt. Jeder konnte ein Bild seines Kostüms oder des verkleideten Haustiers per Whatsapp oder E-Mail schicken. Ein Teilnehmer hat seinen Hund als einarmigen Piraten verkleidet. Schaut spitzenmäßig aus. Am Sonntag findet die große Prämierung, die auch auf Facebook-Seite von „Fasching hat Herz“ übertragen wird, statt.
Berni I.: Jeder von uns ist in 100 Whatsapp-Gruppen rund um irgendeine Faschingsaktion. Bei uns geht es jeden Tag rund. Wir waren zwischendrin schon so k.o., dass wir dachten, es ist schon Aschermittwoch.

Im Corona-Lockdown: Fasching in München - „Humor ist systemrelevant“

Was macht Ihr an den kommenden Tagen?
Berni I.: Am Faschingssamstag ist der Kinderfaschingsball, da kommt traditionell der Pumuckl. Wir haben schon alles vorher aufgezeichnet, wir haben Kinder in Kindergärten interviewt, die dem Prinzenpaar Fragen stellen. Das läuft über den Narrhalla-Kanal bei Youtube und unsere Facebook-Seite. Ein Kind hat gefragt, ob wir in einem Schloss wohnen. Wir haben geantwortet, dass wir noch nicht mal einen Chauffeur haben.
Man hätte den Fasching heuer ja ganz ausfallen lassen können. Warum ist es wichtig, dass er trotzdem stattfindet?
Berni I.: Die Menschen lechzen nach dem Fasching. Natürlich ist dieses Jahr alles anders, man kann nicht rausgehen, aber man kann daheim auch eine Gaudi haben.
Margarethe I.: Weil gerade in solch schwierigen Zeiten Brauchtum und Tradition den Menschen Halt geben und man auf den Humor nicht verzichten darf. Auf dem Rathausbalkon bei der Schlüsselübergabe habe ich gesagt: „Humor ist systemrelevant.“ Ich habe kürzlich den Ministerpräsidenten im Landtag getroffen und ihm eine Autogrammkarte von uns gegeben. Dabei habe ich ihm gesagt: „Am Baum des Ernstes ist die Heiterkeit die Blüte.“ Das ist ein Zitat eines italienischen Musikers.
Was hat Markus Söder geantwortet?
Margarethe I.: Er hat „wow“ gesagt, dann hat er den Spruch wiederholt. Die Musik und das Lachen sind etwas, das die Menschen innerlich hochhält. Wenn uns das als Prinzenpaar gelingt, ist es für uns das größte Geschenk unserer Amtszeit als offizielles Faschingsprinzenpaar der Landeshauptstadt München.

Das Interview führten Stefan Sessler und Wolfgang Hauskrecht. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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