Explosion in Beirut: Erstes deutsches Opfer bekannt - Behörden nehmen Dutzende Hafen-Mitarbeiter fest

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Mediterranes Flair im Franzosenviertel: Wirtin Noel Tassis vom „Café Noel“ (Metzstraße) schwärmt von der Freischankflächen-Erweiterung. Und auch ihre Gäste freuen sich über den gewonnenen Platz.
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Mediterranes Flair im Franzosenviertel: Wirtin Noel Tassis vom „Café Noel“ (Metzstraße) schwärmt von der Freischankflächen-Erweiterung. Und auch ihre Gäste freuen sich über den gewonnenen Platz.

Freischankflächen quer durch München

Stadt-Oasen am Straßenrand: Neue Regelung hilft Gastrobetrieben - aber es hagelt auch Kritik

  • Stéphanie Mercier
    vonStéphanie Mercier
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  • Martina Williams
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Wochenlang kein Umsatz, aber dennoch laufende Kosten. Die Corona-Krise setzte dem Gastgewerbe arg zu. Mit extra Freischankflächen will die Stadt den Lokalen jetzt helfen. Es ist ein neues Lebensgefühl - Gemütlichkeit statt Autos am Straßenrand.

  • Um mehr Gäste bewirten zu können, dürfen Cafés und andere Gastrobetriebe Freischankflächen errichten.
  • Dadurch gehen Parkplätze verloren - das schmeckt nicht jedem.
  • Einem neu eingerichteten Biergarten rennen die Menschen schier die Bude ein.

München - Kürzlich haben hier noch Autos geparkt - jetzt stehen bunte Tische, Stühle und Sonnenschirme an der Metzstraße 8, Blumen schmücken Holzpaletten und Zaun: Das „Café Noel“ in Haidhausen ist nur einer von vielen Münchner Betrieben, die neue Freischankflächen errichten durften.

„Es ist so schön, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die Entscheidung einer der großen Vorteile von Corona ist“, sagt Noel Tassis, die Wirtin des Haidhauser Cafés. Mit jedem zusätzlichen Platz könne man das Loch, das Corona in die Kasse reißt, ein wenig stopfen. Und auch im Viertel kommt die Maßnahme gut an. „Die meisten wünschen sich sogar, dass wir ab jetzt jeden Sommer mehr Platz draußen haben“, sagt Tassis.

Sommer in der Stadt: Das „Tattenbach“ im Lehel erreicht mit seiner Erweiterung die Normalbestuhlung.

Freischankflächen in Corona-Krise: Aus Parkplätzen wurden Gastro-Oasen

Die Gastro-Oasen sind Teil des Hilfspakets für die in der Corona-Krise bitter getroffenen Wirte. Gebühren fallen nicht an, die hat der Stadtrat Restaurants, Cafés und Eisdielen Mitte Juni erlassen. Bis Ende Juni haben 694 Gastro-Betriebe neue oder erweiterte Flächen bei der Stadt beantragt. Allein für Parkplätze gab es 336 Anträge, genehmigt wurden 222. Damit sind 589 Stellflächen weggefallen und 2913 Gastplätze entstanden, teilt das Kreisverwaltungsreferat (KVR) mit.

Abgelehnt wurden 37 Anträge. Die Bearbeitungszeit beträgt im Schnitt 4,8 Tage. Ihre bestehende Freischankfläche seitlich ausdehnen wollten 358 Lokale, erlaubt hat die Stadt 227 Anträge. Die Folge hier: 2482 zusätzliche Gastplätze. Doch auch 36 Beschwerden gab’s zum Parkplatzentfall, 25 zur seitlichen Ausdehnung.

Das „München 72“ im Glockenbachviertel (Holzplatz) hat mit den gewonnenen Plätzen mehr Umsatz erzielt.

Freischankflächen in der Corona-Krise: „München 72“ macht deutlich mehr Umsatz als vor einem Jahr

Drei Wochen hat Wirt Tom Zufall vom „München 72“ am Holzplatz im Glockenbachviertel gewartet. Nach einem Monat Betrieb zieht er aber eine überaus positive Bilanz. „Diesen Juni haben wir fast doppelt so viel Umsatz gemacht wie letztes Jahr“, sagt er. Es gebe aber auch Nachteile: „Das KVR ist sehr streng. Unsere Fläche ist abschüssig, wir dürfen aber kein Podest bauen - und auch Teppiche sind nicht erlaubt“, erklärt der Wirt. „Die Gäste verzeihen es uns aber und freuen sich über den gewonnenen Platz.“

So auch Hans R., der Stammgast im „Tattenbach“ ist. In dem bayerischen Wirtshaus an der Tattenbachstraße im Lehel gehört es eigentlich zur urigen Art, die Gäste zusammenzusetzen. Das geht wegen Corona nun nicht mehr. Dem Lebensgefühl tut das aber keinen Abbruch, findet R.: „Im Gegenteil - dafür ist auf der Straße jetzt mehr Leben.“

Freischankfläche in der Corona-Krise: Beschwerden wegen Umwandlung von Park- in Sitzplatz

Doch nicht überall geht die Umwandlung von Park- in Sitzplatz reibungslos vonstatten. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, hat einige negative Rückmeldungen bekommen. Geppert: „Hier kann ich Anwohner nur bitten, sich solidarisch mit den Betrieben zu zeigen und vielleicht ein Auge zuzudrücken. Denn jede Erweiterung bringt mehr lebensnotwendigen Umsatz.“

So wie im „Café Nil“, das kurz vor der Schließung stand. Wirt Manfred Krischer musste lange um seine Freischankfläche bangen - nun darf sie eröffnen. „Um die Umsatzverluste wettzumachen, brauchen wir die Freischankfläche“, sagt Sebastian Roos, Mitbetreiber des Cafés. Das Problem: Freischankflächen waren nicht für Bars erlaubt, das „Nil“ war aber als solche beim Amt angemeldet. Und dafür gelten andere Regeln. Jetzt hat der Stadtrat beschlossen, dass das Café auch die eigentliche Parkplatzfläche vor seinem Laden nutzen darf - zur großen Freude der Betreiber.

Neuer Biergarten: Teilhaber Robert Benke betreibt den „Bier- und Weingarten“ auf der Praterinsel.

Freischankflächen in der Corona-Krise: „Bier- und Weingarten“ auf Praterinsel fast immer ausgebucht

Auch Robert Benke hat neuen Platz geschaffen, in Form eines ganzen Biergartens. Er ist Teilhaber des „Bier- und Weingarten“ auf der Praterinsel. Nahe dem Maximilianeum sitzt man im Herzen der Stadt und kann doch die Isar-Idylle in vollen Schlücken genießen. Die Rechnung geht für den Betrieb in Top-Lage auf: „Wir sind fast jeden Abend vollständig ausgebucht“, sagt Benke.

Das Lebensgefühl ist überall in der Stadt wegen Corona ein neues. Auf den Freischankflächen wohl für die meisten Wirte und Gäste auch ein besseres. (Stéphanie Mercier, Martina Williams)

Zuletzt hatte ein Gericht die Sperrzeit für Biergärten und Restaurants gekippt.

Wegen der Corona-Krise bangt eine Kultkneipe um ihre Existenz - zum Glück helfen Münchner nach einem emotionalen Aufruf in Rekordzeit aus.

Nach heftigem Unwetter finden Retter herrenlose Kleidungsstücke an Münchner See. Sofort rücken zahlreiche Einsatzkräfte aus.

In unserem Corona-News-Ticker halten wir Sie über alle Entwicklungen in Bayern auf dem Laufenden.

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