Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die neuen Corona-Fallzahlen für Deutschland bekannt gegeben. (Archivbild)
+
Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die neuen Corona-Fallzahlen für Deutschland bekannt gegeben. (Archivbild)

Warum die offizielle Zahl des RKI falsch ist

Chaos um München-Inzidenz: Wert steigt plötzlich um 42 Prozent - und entspricht noch immer nicht der Realität

  • Marc Kniepkamp
    VonMarc Kniepkamp
    schließen

Der vom Robert-Koch-Institut (RKI) angegebene Inzidenzwert für München ist deutlich zu niedrig. Der Grund ist überraschend.

München - Bei Beobachtern sorgt die Entwicklung der Corona*-Inzidenz in München* seit einigen Tagen für Verwunderung. Der vom Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldete Tageswert war seit Ende August deutlich gesunken. Gleichzeitig meldete die Stadt durchaus eine hohe Anzahl an Neuinfektionen* – die meisten von ihnen jedoch als „Nachmeldung“. Jetzt bringt das städtische Gesundheitsreferat (GSR) auf Anfrage unserer Redaktion hin Licht ins Dunkel.

Corona in München: Inzidenzwert realistisch bei etwa 120

Klar ist: Der offiziell vom RKI gemeldete Wert ist tatsächlich viel zu niedrig. „Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Nacherfassungen geht das GSR für den heutigen Tag von einem Inzidenzwert von ca. 120 aus“, erklärte ein Sprecher am Freitag (17. September).

Offiziell meldete das RKI an diesem Tag einen Wert von 88,2. Ein deutlicher Sprung im Vergleich zum Vortag: am Donnerstag lag der Wert noch bei offiziell 62,1 und ein Anstieg von 42 Prozent. Auch der Wert vom Donnerstag war allerdings deutlich zu niedrig.

Corona in München: Personalmangel und mehr Fälle sorgten für Verzögerung

Der Grund für diese Diskrepanz: Ein „in der letzten Zeit stark gestiegenes Meldeaufkommen“ traf in der Behörde auf „einen kurzfristigen Personalmangel“. „Hier kam es zu Verzögerungen, da Mitarbeiter, die dem GSR für das Pandemie-Management von anderen städtischen Stellen zugewiesen wurden, aus verschiedenen Gründen nicht so kurzzeitig zur Verfügung stehen konnten“, heißt es aus dem Gesundheitsreferat. Sprich: Mitarbeiter aus anderen Verwaltungsbereichen waren nicht zur Fallerfassung verfügbar. Dadurch konnten die Fälle nicht so schnell bearbeitet werden, wie es nötig gewesen wäre, um eine realistische Sieben-Tage-Inzidenz vom RKI zu erhalten.

Mittlerweile ist dieser Personalmangel behoben, versichert das GSR. Für den betroffenen Bereich seien Sonderschichten eingeführt worden, zudem sei Personal aus anderen Bereichen „zugeschaltet“ worden, damit die Nachmeldungen umgehend erfasst werden könnten.

Corona-Inzidenz: RKI passt Tageswert nicht nachträglich an

So umgehend, dass sie noch ihren Niederschlag in der offiziellen Sieben-Tage-Inzidenz des RKI finden. Denn in diese gehen nur die Werte der vergangenen sieben Tage ein. Werden ältere Fälle nachgemeldet – was durchaus vorkommt – fließen diese zu keinem Zeitpunkt in die Inzidenz mit ein. Den einmal festgelegten Tageswert verändern sie ohnehin nicht mehr. „Das RKI passt die Sieben-Tage-Inzidenz bei Nachmeldungen nicht rückwirkend an“, erklärt ein Sprecher des GSR. 

Ein Beispiel: Für Dienstag, 14. September, hat die Stadt ursprünglich 52 Infektionen an das RKI gemeldet, durch Nachmeldungen sind für diesen Tag aber mittlerweile 407 Neuinfektionen bekannt. Das führt zu dem Effekt, dass das RKI für diesen Tag weiter einen Wert von 65,8 ausweist, obwohl er durch Nachmeldungen – auch für die Vortage – eigentlich bei 119,5 hätte liegen müssen.

Corona in München: Wert dürfte in den kommenden Tagen deutlich ansteigen

Weil die Stadt die Nachmeldungen nun zügig abarbeitet, rechnet das GSR in den kommenden Tagen mit einem deutlichen Anstieg des Inzidenzwerts des RKI – bis dieser wieder im Einklang mit den tatsächlichen Infektionszahlen ist. Welche Regeln gelten in München und im Freistaat? Ein Überblick über die momentanen Corona-Bestimmungen*. (mk) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare