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Böhmermann mit schweren Astrazeneca-Vorwürfen gegen Virologe Streeck - der wehrt sich: „Nicht ihr Niveau“

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Von: Moritz Bletzinger

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Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, spricht während einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei. Die Landesregierung informierte über die Lage in der Coronavirus-Krise in Nordrhein-Westfalen.
Hendrik Streeck: Streckt der Virologe etwa die Hand aus? Jan Böhmermann hakt hartnäckig nach - und übt persönliche Kritik. © Federico Gambarini/dpa

Jan Böhmermann geht den Virologen Hendrik Streeck offensiv an. Er stichelt wegen Verbindungen zur Pharma-Branche. Streeck weicht aus - und kontert.

München - Hendrik Streeck ist seit Beginn der Corona-Pandemie einer der gefragtesten Virologen in Deutschland. Ohnehin regelmäßig in Talkshows und anderen Formaten zu sehen, startet er jetzt auch einen wöchentlichen Podcast zusammen mit RTL. Kritik an seinen Aussagen und auch seiner Person blieb nicht aus. Gegen eine Unterstellung und „Character Killing“ wehrte er sich jüngst im Merkur-Interview.

Heftig wehren muss er sich nun auf Twitter. Gegen indirekte Vorwürfe von ZDF-Moderator Jan Böhmermann. Der Satiriker geht den Virologen direkt an und stellt unangenehme Fragen zu dessen Verbindung zur Pharma-Branche.

Kurz nach der vorübergehenden Aussetzung des AstraZeneca-Impfstoffs in Deutschland war Böhmermann offenbar die Geduldsschnur gerissen. Streeck präsentierte im ZDF neue Corona-Fakten und eine AstraZeneca-Prognose. Böhmermann hatte wohl aber schon genug im TV zu sehen, um auf die Info-Sendung so gar keine Lust zu haben.

Macht Hendrik Streeck AstraZeneca schlecht? Jan Böhmermann stellt unangenehme Fragen auf Twitter

„Herr Streeck! Bereits am 5. März haben Sie bei Illner (Maybrit Illner, ZDF; d.R.) vom möglichen Rückruf von AstraZeneca geraunt. Sie sind Beirat von ‚Janssen Pharmaceutica‘, das zu ‚Johnson & Johnson‘ gehört und einen Impfstoff entwickelt hat, den Sie hingegen bei ntv.de enthusiastisch anpriesen! Warum?“, fragt Böhmermann in seiner zweiten Nachricht.

Böhmermann bezieht sich mit seiner Knallhart-Nachfrage auf einen Thread des Philosophen Michael Oberst. Er hatte als erster auf Streecks Interessenskonflikt und die berufliche Nähe zum Impfproduzenten „Johnson & Johnson“ aufmerksam gemacht.

Dem Münchner Merkur und der tz gegenüber erklärte Streeck, dass er in keinem Beirat einer Pharmafirma sitze. „Ich habe in einem Scientific Advisory Board für ein HIV-Medikament mitgearbeitet und unentgeltlich im Scientific Advisory Board für den Astrazeneca-Impfstoff.“ 

AstraZeneca-Wirbel um Virologe Streeck: „Wie ein Verkaufsberater“ - Philosoph zerpflückt Pharma-Verstrickungen

„Vor einer Woche brachte Streeck wie aus dem Nichts, ohne erkennbaren Anlass, die Möglichkeit ins Spiel, dass ‚alle AstraZeneca-Impfstoffe‘ zurückgerufen werden müssen“, schrieb er am 12. März, „interessant ist seine Mitgliedschaft in den vielen Advisory Boards, besonders bei den Firmen von ‚Janssen Pharmaceutica‘. Diese Firma gehört zur Hälfte ‚Johnson & Johnson‘ und hat deren Impfstoff entwickelt.“

„In einem Interview mit NTV lobte Streeck diesen Impfstoff über den grünen Klee - im Stil eines Verkaufsberaters. Dabei ist Streeck kein Impfforscher“, wird der Philosoph dann deutlich.

„Verschwörungstheorie?“ Streeck kontert Böhmermann mit indirektem Vorwurf - Moderator steckt nicht auf

„Verschwörungstheorie ist doch nicht ihr Niveau?“, antwortete Hendrik Streeck erst auf die Nachfrage von Böhmermann. Die Ausführungen von Philosoph Oberst hatten ihn vermutlich nicht erreicht.

Eine Antwort ließ sich der Virologe aber eben auch vom prominenten Satiriker nicht entlocken. Er weicht aus. Stattdessen kontert er und wirft Böhmermann Verschwörungstheorien vor. Das lässt der aber wiederum nicht auf sich sitzen.

Corona-Zoff: Böhmermann geht Streeck persönlich an - „Was ist denn da los bei Ihnen?“

„Was ist denn da los bei Ihnen?“, hakt er nach, „Wir Nicht-Wissenschaftler nennen sowas mindestens ‚merkwürdig‘. Und Sie?“ Um danach eine persönliche Ansage draufzulegen: „Sie vermischen seit Monaten Expertise mit Ihren persönlichen Interessen, PR und politischen Erwägungen Dritter und verkaufen das der Öffentlichkeit als ‚neutrale Wissenschaft‘. Das ist super-unseriös! Aufhören!“

Das ist Streeck dann zu viel. Mit „Ich glaube, die Lage ist zu Ernst für solche Aussagen“, beendet er die Diskussion von seiner Seite.

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