Daten aus 18 europäischen Kliniken

Neue Corona-Studie liefert überraschendes Ergebnis: ein Symptom tritt bei mildem Verlauf häufiger auf

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Ein häufiges Symptom bei einer Corona-Infektion ist die Störung des Geruchssinns. Forscher fanden nun heraus, dass die Schwere des Krankheitsverlaufs dabei eine Rolle spielt.

  • Ein Symptom für Infektionen mit dem Coronavirus* ist ein gestörter Geruchssinn.
  • Eine neue Studie zeigt, dass es wohl einen Zusammenhang zwischen dem Krankheitsverlauf und Riechstörungen gibt.
  • 95 Prozent der Patienten erlangen ihren Geruchssinn sechs Monate nach der Infektion wieder.“

Paris - Es ist ein typisches Merkmal einer Infektion mit dem Coronavirus: ein gestörter Geruchssinn oder gar dessen vollständiger Verlust. Während die meisten an Covid-19 Erkrankten nach durchschnittlich drei Wochen wieder riechen können, berichten einige noch Monate später von gestörten Wahrnehmungen. Einer neuen Studie zufolge sind offenbar Patienten mit einem mildem Krankheitsverlauf besonders häufig betroffen.

Corona-Studie: Forscher untersuchen Einschränkungen des Geruchssinns

Die Wissenschaftler um den Mediziner Jerome Lechien von der Universität Paris-Saclay untersuchten die Daten von 2581 Covid-19-Patienten* aus 18 europäischen Krankenhäusern, die im Zeitraum von März bis Juni 2020 erhoben wurden. Die Ergebnisse der Studie stellten die Forscher im Fachblatt Journal of Internal Medicine vor. 2194 der untersuchten Patienten hatten einen milden Covid-19-Verlauf (85 Prozent), 110 einen mittelschweren (4,3 Prozent) und 277 (10,7 Prozent) erkrankten schwer.

Auf der Basis einer Befragung kamen Störungen des Geruchssinns in der Gruppe mit milden Verläufen bei 85,9 Prozent vor. Bei den moderaten Fällen lag der Anteil bei 4,5 Prozent und in der Gruppe mit ernsthaften bis kritischen Verläufen kamen Riechstörungen bei 6,9 Prozent vor. Nach Auskunft der Betroffenen dauerte es durchschnittlich rund drei Wochen, bis sie wieder normal riechen konnten. Fast ein Viertel der Erkrankten gab an, selbst nach 60 Tagen noch einen gestörten Geruchssinn gehabt zu haben.

Corona-Studie: Störungen des Geruchssinns treten bei mildem Covid-19-Verlauf häufiger auf

Bei speziellen Tests wurde immer noch bei 54,7 Prozent der milden sowie bei 36,6 Prozent der moderat bis kritisch verlaufenden Covid-19-Fälle* eine Beeinträchtigung oder der Verlust des Geruchssinns festgestellt. Von den Patienten, bei denen eine Störung des Geruchssinns durch die speziellen Test bestätigt wurde, war dieser bei 15,3 Prozent nach 60 Tagen und bei 4,7 Prozent selbst nach sechs Monaten immer noch beeinträchtigt.

„Die olfaktorische Dysfunktion ist bei leichten Covid-19-Formen häufiger als bei mittelschweren bis schweren Formen, und 95 Prozent der Patienten erlangen ihren Geruchssinn sechs Monate nach der Infektion wieder“, so das Fazit der Forscher um Hauptautor Lechien.

Corona-Studie: Ursachen der Störung des Geruchssinns nicht final geklärt

Einer US-amerikanischen Meta-Analyse zufolge gehen durchschnittlich 77 Prozent aller Covid-19-Erkrankungen unabhängig von der Schwere des Verlaufs mit Geruchsstörungen einher. Im epidemiologischen Steckbrief zu Sars-CoV-2 gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) zwar für nur 21 Prozent der erfassten Covid-19-Fälle in Deutschland eine Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns an, betont aber auch, dass die deutlich höheren Zahlen in veröffentlichten Studien „vermutlich aus der intensiveren Ermittlung solcher Symptome unter Studienbedingungen im Vergleich zu den im Meldewesen übermittelten Angaben“ resultiere.

Die Autoren der Studie vermuten, dass die Störung des Geruchssinns auf unterschiedliche Antworten des Immunsystems der Erkrankten zurückzuführen sein könnte. Dieser Hypothese zufolge würde sich das Coronavirus zwar nicht so weit im Körper ausbreiten, aber eine lokalen Entzündungsreaktion im Geruchssystem auslösen. Eine weitere Möglichkeit sei, dass das Virus die Nervenzellen im Riechkolben schädige. Zur Klärung seien laut den Forschern allerdings weitere Analysen notwendig. (ph/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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