Coronavirus bei Nerzen? Ein Nerz blickt hier aus seinem Versteck in einem Zuchtgehege.
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Coronavirus-Gefahr: Ein Artgenosse dieses Nerzes bereitet Forschern große Sorge.

„Es ist passiert“

Forscher schlagen Alarm: Corona bei Wildtieren entdeckt - werden wir das Virus niemals los?

Wenn die Gesellschaft Corona endlich hinter sich gelassen hat, dürfte die Welt aufatmen. Doch es könnte sein, dass sich das Virus in Tieren „versteckt“ - und dann zurückkehrt.

München - Es ist nur ein Tier: Ein einzelner wilder Nerz in Utah, der aber Schlimmes vermuten lässt. Denn: Er hat Covid-19. Kein frei laufendes Tier hatte sich zuvor mit Corona angesteckt, während Forscher dies penibel sichergestellt hatten. „Nun ist es passiert“, schreibt eine Forscherin mit bedrückendem Unterton, der Endzeitszenarien vermuten lässt. Müssen wir auf ewig mit Masken und Lockdowns leben?

Es ist ein Horrorszenario eines nie endenden Kreislaufs: Falls die Menschen es jemals schaffen, durch Lockdowns und Impfungen das Coronavirus so weit einzudämmen, dass die Pandemie als besiegt gilt, könnte Covid-19 mit aller Macht zurückkehren - mit der Hilfe von Tieren. So gibt es die Möglichkeit, dass sich das Virus in Wildtieren einnistet, dort mutiert und, wenn die Menschen dem Ursprungsvirus gerade Herr geworden sind - als neues Virus wiederkehrt. Immerhin war es vermutlich auch diese Art und Weise, wie Corona ursprünglich zur Pandemie wurde: Als es von vermutlich von Fledermäusen auf den Menschen übertragen wurde.

Tiere als Corona-Überlebensmechanismus? - „Ich will keine Panik verbreiten, aber ...“

Wildtiere sind hierbei ein kaum zu kontrollierender Faktor. Sollten sich Haus- oder Nutztiere als Rückzugsort für das Virus herausstellen, könnte der Mensch Maßnahmen ergreifen, die von Quarantäne über Impfung bis zur Keulung gehen. Bei Wildtieren ist das schlicht unmöglich. „Dann besteht keine Chance auf Ausrottung“, sagt Sophie Gryseels, Evolutionsbiologin an der Universität Antwerpen, in einer E-Mail, die der Wissenschaftszeitung Spektrum vorliegt.

Gryseels steht mit ihrer Befürchtung nicht alleine da. Arinjay Banerjee, der an der McMaster University in Hamilton (Kanada) zu Coronaviren forscht, sagt: „Ich will keine Panik verbreiten, aber bei diesem Virus scheint alles zu passieren, was wir nicht sehen wollen.“ Das Virus könnte sich im schlimmsten Fall in Tieren so verändern, dass die menschliche Wunderwaffe Impfstoff weit weniger effektiv ist - oder gar nicht mehr wirkt.

Riesige Forschungsanstrengungen - einige Tierarten stehen im Fokus

Um herauszufinden, wie sehr und welche Tiere für eine neue Pandemie verantwortlich sein können, werden in der Wissenschaft riesige Anstrengungen unternommen. 2020 haben Forscher so viele Daten zu Corona und Tieren gesammelt wie in den letzten 50 Jahren für Grippeviren gemeinsam, sagt Martin Beer, Virologe am Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Greifswald.

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Generell gilt: Infektionen bei Tieren sind selten, und die Daten deuten eher darauf hin, dass das Horrorszenario ausbleibt. Doch andere Forscher bleiben vorsichtiger. Und es geht nicht nur um Wildtiere, bei denen Daten allgemein schwer zu erfassen sind, sondern auch um Nutztiere - hier liegt der Fokus auf Schweinen.

„Wir haben immer Angst, wenn Schweine im Spiel sind“, so Beer. Neben diesen und Fledermäusen - genauer gesagt Flughunden - stehen auch Nerze unter Beobachtung, nicht erst seitdem das Virus 2020 in mehreren Nerzfarmen ausgebrochen war und sich auch Menschen bei Tieren ansteckten. Linfa Wang von der Duke-National University in Singapur sagt: „Das Virus hat uns damit eine Lektion erteilt. Es sagte: ‚Ihr könnt mich nicht aufhalten.‘“

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