1. Startseite
  2. Welt

Nächste Corona-„Keule“? Verhaltensökonom fordert Triage-Nachteile für Ungeimpfte

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Julia Schöneseiffen

Kommentare

Coronavirus Intensivstation
Bei einer Triage sollen Ungeimpfte benachteiligt werden. © Bernd Wüstneck / dpa

Ein Verhaltensökonom plädiert für Triage-Nachteile für Ungeimpfte. Geimpfte sollen bei einer Überlastung des Gesundheitssystems vorrangig behandelt werden. 

Hamburg - Mit der Corona-Hospitalisierung-Inzidenz soll eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden. Diese liegt den aktuellen Zahlen zufolge (Stand 1. Oktober) bei 1,65. Doch was, wenn es zu einer Überlastung der deutschen Krankenhäuser kommt? Und zu einer Triage?. Dabei handelt es sich um die Entscheidung, wer eine lebensrettende Behandlung erhält und wer nicht, beziehungsweise wer zuerst behandelt wird. Der Verhaltensökonom Marcus Schreiber sprach sich nun im Spiegel-Interview für eine Triage aus, bei der Ungeimpfte benachteiligt werden sollen.

Corona-Behandlung im Krankenhaus: Benachteiligung von Ungeimpften

„Wenn Sie sagen: Ab dem 1. Dezember gilt eine klare Triage-Regelung in unseren Krankenhäusern: Wenn die Krankenhäuser voll sind, gibt es Vorfahrt für Geimpfte. Das wäre eine Keule, mit der viele Zögerer wohl zu einer Entscheidung gezwungen werden könnten“, erklärt Schreiber im Spiegel.

Zunächst solle aber über positive Anreize versucht werden, Ungeimpfte zu einer Corona-Impfung zu überzeugen, so Schreiber. Komme man damit aber nicht weiter, „bin ich sehr wohl dafür, massiv zwischen Geimpften und Nichtgeimpften zu diskriminieren. Ungleiches gleichzumachen ist keine Form der Gerechtigkeit.“ Ab 11. Oktober werden daher auch kostenlose Corona-Schnelltests für viele Menschen abgeschafft.

Diskussion um Triage in der Schweiz: „Schlechtere Karten für Ungeimpfte“

In der Schweiz wird dieser Ansatz schon seit Längerem diskutiert. Der Berner Impfchef Gregor Kaczala warnte angesichts der steigenden Zahlen vor möglichen Triage-Entscheidungen in Krankenhäusern. „Sollte es so sein, befürchte ich schlechtere Karten für Nichtgeimpfte“, sagte er der Zeitung Blick. „Wenn man im Leben A sagt, sagt man auch B.“ Da Geimpfte eine bessere Überlebenschance als Ungeimpfte hätten, sei dies auch in Einklang mit den Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften.

Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli warf Ungeimpften vor, das Gesundheitssystem zu belasten. „Wer Impfgegner ist, der müsste eigentlich eine Patientenverfügung ausfüllen, worin er bestätigt, dass er im Fall einer Covid-Erkrankung keine Spital- und Intensivbehandlung will. Das wäre echte Eigenverantwortung“, sagte sie dem Tagesanzeiger. (jsch)

Auch interessant

Kommentare