US-Präsident Donald Trump (2. v. r.) wohnt der Vereidigung von Richterin Amy Coney Barrett bei.
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Superspreader-Event? Bei der Vereidigung von Richterin Amy Coney Barrett waren neben US-Präsident Donald Trump (2. v. r.) noch viele andere Personen anwesend.

Studie zu Infektionen im Weißen Haus

Corona-Ausbruch um Trump auf der Spur: Coronavirus von zwei Journalisten und des Präsidenten „identisch“

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Die Frage, wie es zu den zahlreichen Corona-Infektionen im Lager von Donald Trump kam, beschäftigt den US-Präsidenten offenbar überhaupt nicht. Dafür nehmen sich Forscher dem Thema an.

  • Im Lager von US-Präsident Donald Trump haben sich zahlreiche Personen angesteckt.
  • Das Weiße Haus will die entsprechenden Infektionen aber offenbar nicht näher untersuchen.
  • Nun haben sich US-Forscher daran gemacht, eine Nachverfolgung aufzunehmen.

New York/München - Nachverfolgung ist eines der Zauberworte in der Bekämpfung der Corona-Krise*. Lassen sich Infektionsketten erkennen, erhöhen sich die Chancen, mehr Infizierte zu entdecken und weitere Ansteckungen durch zielgerichtete Quarantänemaßnahmen weitgehend auszuschließen. Umgekehrt heißt das aber auch: Kann dies nicht gewährleistet werden, lässt sich eine Ausbreitung nur noch schwerlich im Rahmen halten.

Dieser Effekt gilt natürlich weltweit. Wird aber offenbar nicht überall gleich ernst genommen. So scheinen Donald Trump* und sein Lager die Hintergründe des Corona-Ausbruchs im Weißen Haus* nicht weiter verfolgt zu haben. Angeblich seien erst gar nicht alle Fälle publik gemacht, zudem die Seuchenschutzbehörde CDC nicht zu Rate gezogen worden.

Corona im Trump-Lager: Nachverfolgung laut Weißem Haus nicht möglich

Laut New York Times habe ein Regierungssprecher lediglich mitgeteilt, die Herkunft der Infektionen des US-Präsidenten und weiterer Vertrauter sei nicht erkennbar. Fall abgeschlossen. Ehrlich?

So einfach wollten sich die Experten des Landes aber nicht abbügeln lassen. Forscher haben sich die Mühe gemacht, den genetischen Fingerabdruck des festgestellten Virus zu untersuchen, um dessen Weg zurückverfolgen zu können. Immerhin gäbe es mittlerweile mehr als 160.000 verschiedene Sars-CoV-2-Variationen.

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Corona im Trump-Lager: Zwei Journalisten steckten sich wohl bei Events um US-Präsidenten an

Zu den Probanden dieser ersten Untersuchung zählten auch zwei Journalisten der Times. Nur von diesen beiden wurden die Namen veröffentlicht - explizit für den Artikel der Zeitung. Michael D. Shear und Al Drago seien Ende September unabhängig voneinander berufsbedingt im Weißen Haus zu Gast gewesen und hätten wenige Tage nach ihren dortigen Terminen Corona-Symptome* gezeigt. In den Wochen vor ihren positiven Tests hätten die beiden Journalisten keinen näheren Kontakt zueinander gehabt.

Weiter heißt es, Shear sei am 26. September mit Trump und anderen Mitarbeitern in der Air Force One unterwegs gewesen. Dabei habe der Präsident weder eine Maske getragen noch wirklich Abstand gehalten. Drago war bei der Feier zur Nominierung von Richterin Amy Coney Barrett* als Nachfolgerin der verstorbenen Ruth Bader Ginsburg im Supreme Court im Rosengarten zugegen. Zudem stand er am Tag darauf bei einer Pressekonferenz nahe Mitarbeitern, die keine Masken trugen und später positiv getestet wurden.

Corona im Trump-Lager: Gleiches Muster von Mutationen bei zwei Probanden

Shear und Drago hätten dagegen Mund und Nase bedeckt gehabt - doch das bewahrte sie nicht vor den Infektionen. Laut der Studie habe das Coronavirus in beiden Körpern das gleiche Muster von Mutationen aufgewiesen. Es handele sich um „sehr seltene Mutationen in den USA“, weshalb die Forscher um Dr. Trevor Bedford, Genetiker am Fred Hutchinson Cancer Research Center und an der University of Washington, überzeugt davon seien, dass sich Shear und Drago im Zuge des großen Ausbruchs im Weißen Haus infiziert hätten.

Zum Glück der Forscher lässt sich eine Nachverfolgung auch Wochen nach den positiven Tests angehen. Folglich könnte der Weg nachgezeichnet werden, den das Virus im Weißen Haus genommen hat. Auch die Hintergründe des mutmaßlichen Superspreader-Events um Richterin Barrett mit offenbar mindestens elf Infizierten sowie des Ausbruchs unter Stabsmitgliedern von Vize-Präsident Mike Pence könnten so womöglich offengelegt werden, schreibt die Times.

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Corona im Trump-Lager: Forscher bekommen für Studie keine Hilfe aus Weißem Haus

Das Ziel der Forscher besteht auch darin, das Genom des Virus komplett zu entschlüsseln, um ein ganzheitliches Bild zu erstellen. So lasse sich im Idealfall einsehen, wohin diese Mutation als nächstes ziehen werde. Hilfe aus dem Weißen Haus hätten die Experte bei ihrer wichtigen Arbeit nicht bekommen: Dort sei die Beantwortung von Fragen zu den festgestellten Virus-Varianten bei Trump und anderen Infizierten abgelehnt worden.

Die Studie wurde zwar bereits im Internet veröffentlicht, allerdings müssten die Ergebnisse noch von einer unabhängigen Expertengruppe bestätigt werden. Den Forschern zufolge gebe es zwar die entfernte Möglichkeit, dass es sich um eine noch unentdeckte Virus-Version handele, die Shear und Drago unabhängig voneinander heimgesucht habe. Diese Unsicherheit könnte durch weiterführende Tests über den Ausbruch ausgeschlossen werden.

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Auch nicht an der Studie beteiligte Forscher unterstützen jedoch das Ergebnis, dass es sich um zwei Infektionen desselben Ausbruchs handeln könnte. Denn die Mutation sei laut Dr. Michael Worobey, Leiter der Abteilung für Ökologie und Evolutionsbiologie an der University of Arizona, „identisch oder nahezu identisch mit dem Genom, mit dem sich der Präsident infiziert hat“.

Doch Trump scheint eben nicht an der Nachverfolgung des Virus interessiert zu sein. Oder zumindest nicht an der öffentlichen Aufarbeitung seiner Infektion. Schon gar nicht rund um die US-Wahl*. (mg) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Zu den aktuellen Entwicklungen rund um die Corona-Krise in den USA finden Sie bei uns einen News-Ticker. Trumps Wahlkampfveranstaltungen gelten ebenfalls als Superspreader-Events - das bestätigt eine Studie.

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