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Türkei-Lockdown: Erdogan wegen Alkohol-Verbot am Pranger - „Komplette Schande“

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Von: Raffael Scherer

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Die Türkei kämpft gegen immens steigenden Corona-Zahlen. Der türkische Präsident Erdogan einen kompletten Lockdown bis 17. Mai verordnet. Für Touristen gelten jedoch andere Regeln.

Update vom 29. April, 7.13 Uhr: Die Türkei geht an diesem Donnerstag in einen 17-tägigen Lockdown. Ab 19 Uhr Ortszeit (18 Uhr MESZ) schließen alle für den Grundbedarf nicht nötigen Geschäfte. Die Menschen dürfen dann nur noch aus triftigen Gründen wie etwa zum Einkaufen auf die Straße.

Update vom 28. April, 12.10 Uhr: Für den „vollen Lockdown“ herrscht in der Türkei ein Verkaufsverbot für Alkohol. Das gab der türkische Innenminister Süleyman Soylu laut der Süddeutschen Zeitung am vergangenen Dienstagnachmittag (27. April) bekannt. Bis zum 17. Mai dürfen also in keinerlei Läden alkoholhaltige Getränke vertrieben werden.

Dieses Verbot trifft vor allem die „Tekel“-Kioske hart, da diese hauptsächlich Alkohol vertreiben. Eine Ausnahmegenehmigung, um trotz des Lockdowns öffnen zu dürfen, soll es laut dem Innenminister für diese Läden nicht geben. So stellte Soylu klar: „Diese Läden stehen nicht auf der Ausnahmeliste, sie bleiben geschlossen. Da steht kein Fragezeichen dahinter.“

Alkoholverbot in der Türkei: Kritiker fürchten um ihre Grundrechte

Das Alkoholverbot stieß auf deutliche Kritik. So verbreitete sich auf Twitter vermehrt der Aufruf: „Rührt meine verfassungsgegeben Grundrechte nicht an“. Unter dem Aufruf hielten diverse Twitter-Nutzer das Verbot für verfassungswidrig und gegen das Gesetz: Von „genug ist genug“ über „Das ist eine komplette Schande“ bis hin zu „Hören sie auf immer mehr in das Leben der Menschen einzugreifen“, war alles dabei.

Auch der Vizechef der Oppositionspartei CHP, Veli Ağbaba, reagierte erzürnt auf das Verbot. Da der türkische Präsident Erdoğan und seine Partei, die AKP, mehrheitlich Verfechter des streng muslimischen Glaubens sind - und daher keine Freunde des Alkoholkonsums sind - stellte Ağbaba klar: „Dieses Verbot hat nichts mit der Corona-Pandemie zu tun. Das ist rein ideologisch. Es ist das letzte Glied der Kette, wie die AKP sich in den Lebensstil der Bürger einmischt.“

Andere schlossen aus dem Verbot, dass einfach bis zum Beginn des Lockdowns die Läden geplündert werden. So meinte der türkische Filmemacher Murat Şeker: „Die Menschen werden den Alkohol auf Vorrat lagern und dann weiter trinken“. Doch unter dem Twitteraufruf stellen mehrere klar, dass es nicht um das Eindecken gehe, sondern darum, dass mit dem Lockdown-Verbot für den Präsidenten auch ein generelles Verbot weiter in greifbare Nähe rücke.

Türkei fürchtet um Tourismus und stellt klar: Die Ausgangsbeschränkungen gelten nicht für Touristen

Update vom 27. April 14.30 Uhr: Touristen sind von den Ausgangsbeschränkungen weiterhin ausgenommen, wie das Innenministerium mitteilte. Laut dem türkischen Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy, sollen sich Gäste des Landes möglichst frei bewegen können. So stellte der Minister laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu klar: „Unsere meistbesuchten und wichtigen Museen und archäologische Stätten bleiben geöffnet“.

Und er warb weiter für Ausflüge in die Türkei, da diese durch den Lockdown für Touristen noch attraktiver würden: „Sie sind sowohl offen als auch noch viel angenehmer. In gewisser Hinsicht ist es in der Türkei von Vorteil, Tourist zu sein“, so Ersoy. Pandemiebedingt leidet die Türkei sehr unter den Tourismuseinbrüchen. Bereits 2020 verzeichnete das Land einen Rückgang von etwa 70 Prozent an Touristen im Vergleich zum Vorjahr.

Erdogan ruft „vollen Lockdown“ bis Mitte Mai aus - Auch Supermärkte sind betroffen

Erstmeldung vom 27. April 12.53: Ankara - Die Türkei macht aufgrund der enorm steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus dicht. Wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vergangenen Montag (26. April) laut dpa im Fernsehen bekannt gab, startet der „volle Lockdown“ bereits ab Donnerstag (29. April) um 19 Uhr.

In den folgenden 18 Tagen, also bis Montag, den 17. Mai um 5 Uhr, hofft der Präsident durch die Schließungen auf ein Sinken der Infektionszahlen. In der Türkei war es allein am Montag (26. April) zu 37.312 Neuinfektionen gekommen. Anfang des Monats war sogar von über 60.000 an einem Tag die Rede, mit bis zu rund 350 Todesfällen täglich.

Türkei: Trotz nächtlicher Ausgangssperren Sieben-Tage-Inzidenzwert höher als in beiden Wellen zuvor

Seit Beginn der Pandemie starben in der Türkei offiziell über 37.000 Menschen. Besonders hoch sind die Infektionszahlen in der Großstadt Istanbul. Dort lag der Sieben-Tage-Inzidenzwert bei rund 850 Fällen pro 100.000 Einwohner - mehr als in den beiden Wellen zuvor.

Erdogan hofft nun durch den Lockdown die Infektionszahlen in der dritten Welle „schnell auf weniger als 5000 pro Tag“ reduzieren zu können. Zu den bereits seit Mitte des Monats geltenden nächtlichen Ausgangssperren und der geschlossenen Gastronomie - mit Ausnahme von Lieferservice - kommen laut des türkischen Staatspräsidenten nun weitere Verschärfungen hinzu.

Corona in der Türkei: Kein Städtewechsel ohne behördliche Genehmigung

Ab Donnerstag benötigen die Bürger daher einen triftigen Grund, um ihre Häuser verlassen zu dürfen. Darunter fallen etwa Lebensmitteleinkauf oder medizinische Behandlung. Auch für die Reise von der einen in eine andere Stadt braucht es dann eine staatliche Genehmigung.

Alle Betriebe ohne Ausnahmegenehmigung, über welche das Innenministerium entscheidet, müssen vorerst schließen. Darunter fallen auch die Schulen. Ausgenommen sind Lebensmittelgeschäfte, sowie Betriebe die entscheidend für Logistik und Produktion sind. Ebenfalls dürfen künftig Supermärkte zum ersten Mal Sonntags nicht mehr öffnen. Präsident Erdogan schließt dabei mit dem Lockdown bis 17. Mai bewusst das Ende des Fastenmonats Ramadan ein. Denn nach dem Fasten, am 12. Mai, finden üblicherweise große Familienfeste statt.

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