Motorradfahrer fahren am 22. August 2020 durch die Straßen vom US-Bundesstaat New Hampshire.
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Eine Studie hat ein Biker-Treffen als Superspreader-Event identifiziert (Symbolbild).

„Die Schlussfolgerung ist sicher korrekt“

Biker-Treffen in den USA als Corona-Superspreader-Event? Studie rechnet massive Kosten vor

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Ist ein einziges Motorradtreffen für mehr als 250.000 Corona-Neuinfektionen verantwortlich? Eine US-Studie kommt zu diesem Schluss.

  • Nach einem Motorradtreffen ist die Corona-Neuinfektionsrate* in den USA sprunghaft angestiegen.
  • Vier Wissenschaftler stufen die Biker-Zusammenkunft deshalb als Superspreader-Event für Sars-CoV-2* ein.
  • Nun wird die Corona*-Studie der Universität San Diego heftig diskutiert.

Sturgis (South Dakota)/USA - In den US-Medien wird aktuell über eine Corona*-Superspreader-Studie gestritten. Deren Ergebnisse war: Das diesjährige Biker-Treffen in der US-Kleinstadt Sturgis im Bundesstaat South Dakota zog mehr als 450.000 die Maskenpflicht und Abstandsgebot lässig nehmende Teilnehmer aus dem ganzen Land an - und wohl 250.000 Neuinfektionen* mit Sars-CoV-2* nach sich. Die Autoren der Studie sind vier US-Wirtschaftswissenschaftler, die auch ein Preisschild auf die von ihnen hochgerechneten Konsequenzen klebten: Neue Kosten für das Gesundheitswesen von mehr als zwölf Milliarden Dollar.

Die Studie mit dem Titel „The Sturgis Motorcycle Rally and Covid-19“ wurde am Center for Health Economics & Policy Studies (CHEPS) der Universität San Diego erstellt. Dhaval Dave, Andrew I. Friedson, Drew McNichols und Joseph J. Sabia werteten unter anderem anonymisierte Mobiltelefon-Daten der teilnehmenden Motorradfahrer aus. Das Motorradtreffen fand vom 7. bis 16. August statt - die Stadtverwaltung von Sturgis hatte es trotz Großveranstaltungs-Bedenken in der Corona-Pandemie* genehmigt. Der nun von der Studie geschätzte Anstieg entspricht rund 19 Prozent aller zwischen dem 2. August und 2. September in den USA gemeldeten Corona-Fälle.

Coronavirus in den USA: Biker-Treffen als Superspreader-Event identifiziert

„Vor dem Hintergrund der Gesamtkosten hätte man jedem der 462.182 Besucher jeweils 26.553 US-Dollar dafür zahlen können, nicht teilzunehmen“, zog die Zeitung Washington Post aus der Studie. Sofort regte sich Widerspruch. Kristi Noem, republikanische Gouverneurin von South Dakota und Anhängerin von US-Präsident Donald Trump*, sagte dem Sender Fox, die Studie stütze sich auf völlig falsche Zahlen.

Das Technologie-Magazin Wired dagegen verwies darauf, dass die Autoren Wirtschaftswissenschaftler, keine Virologen sind: „Hier war viel Mathematik am Werk.“ Das ist kein Vorwurf an die Studien-Autoren - aber die Studie zeige, dass die US-Behörden dringend eine bessere Datenerhebung zur Pandemie bräuchten.

Superspreader-Event Motorradtreffen: Anzahl der Corona-Tests, Infektionsrate, Dunkelziffer

Auf die festgestellten Fallzahlen allein sei kein Verlass, heißt es in dem Bericht weiter, da mit Corona-Tests in den USA streng gehaushaltet werde und die Dunkelziffer der Infektionen um das Fünf- bis Zehnfache höher sein könne. Die Fallzahlen sind nach Meinung von Daten-Experte Rex Douglas von der Universität San Diego allenfalls gut, einen „Trend“ aufzuzeigen.

„Die Schlussfolgerung, dass das Biker-Treffen in Sturgis ein Superspreader-Event war, ist sicher korrekt - es wäre schockierend, wenn nicht - aber die Methodik der Studie verrät nichts über dessen Schweregrad“, sagte Douglas zu Wired. Ein Argument für Corona-Leugner ist das also keineswegs. „Wir können nicht beobachten, was passiert wäre, wenn es das Biker-Treffen in Sturgis nicht gegeben hätte", erklärte Studien-Co-Autor Joseph Sabia dem Magazin zu der Untersuchung. *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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